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Grüne: Weniger Kraftfutter und Milchmenge um bis zu 20 % reduzieren

Milchviehbetriebe, die ihre Milcherzeugung um 5 bis 20 Prozent drosseln (u.a durch einen Kraftfutterverzicht), sollen für einen befristeten Zeitraum mit Bonuszahlungen entschädigt werden. Damit soll die Angebotsmenge auf dem Markt reduziert und der Markt entlastet werden.

Ihre Forderung nach wirksamen Kriseninstrumenten am Milchmarkt, konkret nach Anreizen zur Reduzierung des Rohmilchangebots in der Europäischen Union, haben die grünen Landwirtschaftsminister aus den Bundesländern mit Blick auf den heutigen Sonderagrarrat in Brüssel noch einmal bekräftigt. In einem gestern veröffentlichten offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian  Schmidt fordern Alexander  Bonde aus Baden-Württemberg, Dr. Robert  Habeck aus Schleswig-Holstein, Priska  Hinz aus Hessen, Ulrike Höfken aus Rheinland-Pfalz, Joachim  Lohse aus Bremen, Christian Meyer aus Niedersachsen und Johannes  Remmel aus Nordrhein-Westfalen den CSU-Politiker zudem dazu auf, Länder, Branchenverbände und den Handel kurzfristig zu Gesprächen einzuladen, „um einen funktionierenden Marktrahmen zu erarbeiten“.

Strukturbruch in der bäuerlich geprägten Milchviehhaltung

Die grünen Agrarminister warnen, dass ernsthafte Substanzverluste und ein weiterer Strukturbruch in der bäuerlich geprägten Milchviehhaltung drohten. Eine frühzeitige oder teilweise Auszahlung der Direktzahlungen setzt nach ihrer Ansicht nicht an den Ursachen der aktuellen Milchkrise an und würde die Länder angesichts der zeitlichen Verzögerungen bei der Umsetzung der EU-Agrarreform vor massive Probleme stellen. Auch die Verlängerung der Intervention und privaten Lagerhaltung oder eine verstärkte Exportwerbung reichen nach ihrer Einschätzung zur Bewältigung der Krise nicht aus.

Superabgabe zur freiwilligen Mengenreduzierung verwenden

„Wir haben ein Überschussmengenproblem weltweit und sollten deshalb die EU-Milchmenge reduzieren“, fordern die Minister. Eine deutliche Ausdehnung der Intervention und privaten Lagerhaltung würde bei der notwendigen späteren Auslagerung erneut auf den Preis drücken und die Krise nur verlängern. Bundesminister Schmidt soll sich deshalb nach dem Willen der grünen Länderagrarminister dafür einsetzen, die Mittel aus der Superabgabe 2014/15 für die Milchwirtschaft und für EU-Maßnahmen zur freiwilligen Mengenreduzierung im Milchangebot zu verwenden.

Auf Kraftfutter verzichten

Auf Ebene der Milchviehbetriebe ist laut den Agrarexperten des Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion und des EU-Parlaments eine Drosselung der Milcherzeugung um mehrere Prozentpunkte durch eine angemessene Reduzierung der Kraftfuttergaben je Kuh zu erreichen. Das kann auch zur Stärkung der Tiergesundheit und Langlebigkeit der Milchkühe beitragen. Nicht zuletzt lässt sich eine stärker grundfutterbasierte Milcherzeugung hervorragend mit qualitätsorientierten Erzeugungs- und Vermarktungskonzepten wie Weidemilch und Milch aus gentechnikfreier Fütterung verbinden.

Konkret fordern die Grünen die Bunderegierung dazu auf:

  • Kurzfristige Reduzierung der Milcherzeugung um bis zu 4,5 Millionen Tonnen beziehungsweise drei Prozent der EU-Milchmenge durch Bonuszahlungen auf EU-Ebene für einen befristeten Zeitraum an Milchbetriebe, die ihre Menge um 5-20 Prozent reduzieren.
  • Verwendung der Mittel aus der Superabgabe 2014 in Höhe von 700 bis 900 Millionen Euro zur Finanzierung der Bonuszahlungen.
  • Einführung einer Abgabe für Erzeuger auf EU-Ebene, die ihre Milchmengenerzeugung im gleichen Zeitraum um mehr als 5 Prozent erhöhen
  • Schnellstmögliche Einführung einer grünlandgebundenen und betriebsgrößengestaffelten Förderung bäuerlicher Milcherzeuger in Höhe von 150 Euro pro Hektar oder 75 Euro pro Kuh zur Erhaltung einer grünlandgebundenen, vielfältig strukturierten, bäuerlichen Milchviehhaltung

Quelle: AgE/Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion