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bpt-Kongress

Geringeres Ketoserisiko bei gut konditionierten Kühen

Subklinische Ketosen treten in der Frühlaktation häufig auf. Welchen Einfluss die Körperkondition vor der Kalbung auf das Ketoserisiko hat und ob der Wirkstoff Monensin (Kexxtone-Bolus) auch die Fettmobilisation in der Frühlaktation eindämmen kann, zeigen Ergebnisse eines Versuchs der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Seit einigen Jahren ist Kexxtone (Wirkstoff Monensin, Elanco) in der EU zur Behandlung von Risikotieren, die nach der Kalbung wahrscheinlich an der Stoffwechselkrankheit Ketose erkranken (z.B. zu hoher BCS), zugelassen. In einem Vortrag von Prof. Jürgen Rehage (Tierärztliche Hochschule Hannover) auf dem Kongress des Bundesverbandes der praktischen Tierärzte in Hannover ging es um die Wirkung des Kexxtone-Bolus auf den Fettstoffwechsel und um mögliche Alternativen zum Bolus.

Kann Kexxtone bei überkonditionierten Kühen die Fettmobilisation in der Frühlaktation hemmen?

Dieser Frage ging Prof. Jürgen Rehage in seinem Vortrag nach. Im Kexxtone ist der Wirkstoff Monensin enthalten, der die Population der Propionsäure produzierenden Bakterien im Pansen fördert. Propionsäure wiederum ist eine glucoplastische, kurzkettige Fettsäure, die in der Leber zu Glucose umgewandelt wird. Beim Einsatz von Monensin sollen dementsprechend weniger subklinische Ketosen auftreten.

Ob Kexxtone bei überkonditionierten Kühen auch die Fettmobilisation zu Laktationsbeginn senkt, wurde am FLI in Braunschweig untersucht. Insgesamt wurden 24 HF-Kühe von Tag -21 bis Tag 56 p.p. beobachtet. An Tag -21 wurden acht Kühe mit niedrigem BCS der Kontrollgruppe (LC) zugeordnet. Die höher konditionierten Kühe (HC) wurden in zwei Gruppen von jeweils acht Kühen eingeteilt: eine nicht supplementierte Kontrollgruppe (HC/CO) und eine Monensin-Bolus Gruppe (HC/MO).

  • Die Trockenmasseaufnahme war vor der Kalbung in den stärker konditionierten Gruppen signifikant höher als in der LC-Gruppe, dies war jedoch nach der Abkalbung umgekehrt. Die Milchleistung, die energiekorrigierte Milchleistung sowie die Energiebilanz, war in der LC-Gruppe signifikant höher als in der HC-Gruppe (höher konditioniert).
  • Die NEFA-Konzentrationen steigen bei Energiemangel/reduzierter Futteraufnahme z.B. durch Fettmobilisation im Blut an. Nach der Kalbung waren die Blut-NEFA-Konzentrationen in der HC-Gruppe durchschnittlich höher als in der LC-Gruppe (niedriger konditioniert).
  • Monensin hatte in der HC/MO Gruppe (Kexxtone) keinen Einfluss darauf wie stark Fett vom Organismus mobilisiert wird, aber es reduziert im Blut signifikant die mittleren BHB-Konzentration (ß-Hydroxybuttersäure, Konzentration im Blut nimmt bei Ketose zu) im Vergleich zur HC/CO (ohne Kexxtone) Gruppe.
  • Es gab keinen Anhaltspunkt für die Bildung von Makrolid-Resistenzen (Makrolid-Antibiotika wirken z.B. gegen Enterokkoken). 

Damit zeigt sich, dass Kexxtone vermutlich die Nutzung von Energiesubstraten verbessert, aber nicht die Fettmobilisation einschränken kann.

Im Zuge dieser Untersuchung wurde auch die Wirkung von Essential Oils auf das Auftreten ketotischer Stoffwechsellagen ermittelt. Essential Oils sind Destillationsprodukte aus Pflanzen. Auch sie begünstigen, wie Monensin, die Propionatproduktion. Deshalb wurde eine mit Monensin vergleichbare Wirkung vermutet. In den Versuchen konnte diese erhoffte Wirkung jedoch nicht nachgewiesen werden.

Indikatoren für erhöhte Herdenprävalenz (Häufigkeit einer Erkrankung) für subklinische Ketose

  • mehr als 10% der Kühe 2 - 3 Wochen vor der Kalbung BCS >= 4
  • Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) der Labmagenverlagerung >= 4 - 5%
  • mehr als 40% der Kühe mit Fett/Eiweiß-Quotienten >= 1,5 am ersten Testtag
  • unbefriedigende Fruchtbarkeit
  • gehäufte Nachgeburtsverhaltungen und klinische Metritiden
Indikatoren am Einzeltier

  • BCS>= 4
  • Erkrankungen rund um die Geburt
  • Rückgang der des BCS in der Trockenstehzeit
  • hohes Erstkalbealter
  • mehrkalbige Kühe
  • Ketose in der bvorherigen Laktation
  • Zwillingsträchtigkeiten