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Faire Milch muss Werbeaussagen zurücknehmen

Die MVS Milchvermarktungs-GmbH darf künftig mehrere Werbeaussagen für die Faire Milch nicht mehr verwenden. Vergangene Woche mahnte die Wettbewerbszentrale in Bad Homburg die faire Milch ab. Aussagen wie „die faire Milch enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren“, „100 % gentechnikfrei“ oder „Die Milch kommt aus der Region“ seien nicht zutreffend. Damit werden der Fairen Milch wertvolle Marketinginstrumente entzogen, mit denen sie beim Verbraucher zu punkten hoffte. Die alten Verpackungen dürfen aber noch bis 30. Juni 2010 aufgebraucht werden. UPDATE!!

Die MVS reagierte mittlerweile auf die Abmahnung und unterschrieb eine Unterlassungserklärung. Sie verzichtet künftig darauf, für faire Milch einen Gehalt „wertvoller Omega-3-Fettsäuren“ oder sogar „einen wesentlich höheren Anteil“ dieser ungesättigten Fettsäuren zu bewerben. Stattdessen soll künftig der Gehalt der Omega-3-Fettsäuren in g/100 ml auf die Packungen gedruckt werden.

Auch der Slogan „aus Ihrer Region“ wird zukünftig nicht mehr auf der Fairen Milch zu finden sein. Der regionale Bezug werde künftig dadurch verdeutlicht, dass auf jeder Verpackung steht, in welchem Bundesland die Milch gemolken wurde, so Jakob Niedermaier, Geschäftsführer der MVS.

Die Auslobung zu „100 % gentechnikfrei“ sei zu keiner Zeit auf den Milchverpackungen angegeben worden, so Niedermaier. Er wäre lediglich kurzzeitig auf der Website zu finden gewesen. In Zukunft verzichtet die MVS auf diese Formulierung, da die Aussage durch das Siegel „ohne Gentechnik“ nicht gedeckt ist. An der Tatsache, dass die Faire Milch ohne Gentechnik hergestellt wird, ändere dies aber nichts, so Niedermaier.

Ist Faire Milch gar nicht fair?

Die Wettbewerbszentrale will außerdem gegen die Bezeichnung „fair“ vor dem Landgericht München klagen. Sie unterstellt der MVS durch die Verwendung des Begriffes „fair“ eine Täuschung  der Verbraucher. Der Bezeichnung „fair“ komme zwar gut an, der Begriff sei aber inhaltlich weitgehend unbestimmt. MVS und BDM halten die Klage gegen die Bezeichnung „Die faire Milch“ für eine von politischen und wirtschaftlichen Interessen anderer Vermarkter getriebene Entscheidung.

Wie läuft die "Faire Milch"?

Seit dem 20. Januar vermarkten Landwirte erstmals ihre Milch selbst. Sie sind organisiert in der MVS Milchvermarktungs-GmbH mit Sitz in Freising. Verarbeitet und abgefüllt wird die Milch im hessischen Schlüchtern. Derzeit liefern 145 Landwirte an die Milchvermarktungsgesellschaft MVS. Sie bekommen 40 Cent pro Liter – aber nur für die Menge, die tatsächlich unter dem Label „Faire Milch“ vermarktet wird. Das sind derzeit zw. 20 % und 30 % der gesamten Milchmenge. "Wir haben schon im Januar 10 % unserer gesamten Menge als "Faire Milch" vermarkten können. Im Februar waren es 20 %, wir hoffen, dass wir jetzt bald knapp die 30 % erreichen werden" so Jakob Niedermaier kürzlich im Bayerischen Rundfunk.

Info Wettbewerbszentrale

Die Wettbewerbszentrale ist die größte und einflussreichste bundesweit und grenzüberschreitend tätige Selbstkontrollinstitution zur Durchsetzung des Rechts gegen den unlauteren Wettbewerb. Grundlage ihrer Tätigkeit ist die Verbandsklagebefugnis gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb) und § 33 Abs. 2 GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen). Es ist ihr Auftrag, durch Rechtsforschung, Rechtsberatung, Information und Rechtsdurchsetzung zur Förderung eines lauteren Geschäftsverkehrs und eines fairen wirtschaftlichen Wettbewerbs beizutragen. Als unabhängige Institution der deutschen Wirtschaft fördert die Wettbewerbszentrale die Eigenverantwortung der Unternehmen gegenüber Gesellschaft und Konsumenten für einen funktionierenden und lauteren Wettbewerb.

Die Wettbewerbszentrale ist kein Lobby- oder Interessenverband. Sie ist kein Verbraucherschutzverband, stellt aber im Interesse der Wirtschaft auch die Einhaltung der Verbraucherschutzbestimmungen sicher.

UPDATE: Jetzt "meckert" auch die Verbraucherzentrale

Mitte Mai hat auch die Verbraucherzentrale (VZ) Baden-Württemberg hat die Werbung für die „faire Milch" der süddeutschen Milchvermarktungsgesellschaft MVS kritisiert. Die Angaben auf der Verpackung, die Milch stamme „aus ihrer Region" und „die heimische Produktion spart unnötige Transportwege", träfen nicht zu, teilt die Verbraucherzentrale offiziell mit. Sie mahnte daher diese Werbung ab. Die Milchvermarktungsgesellschaft sagte die Unterlassung bereits zu. Die Milch der MVS, die in Stuttgart verkauft wird, stamme überwiegend aus dem Allgäu, versichert die Verbraucherzentrale. Zur Abfüllung werde sie ins hessische Schlüchtern transportiert und habe so allein rund 385 Kilometer hinter sich. Auf dem Weg zum Supermarkt könne daraus leicht das Doppelte an Transportkilometern werden.

Zu den Lieferanten der MVS zählen nach eigenen Angaben knapp 160 Milchbauern aus Oberbayern, dem Allgäu, Tirol, Baden-Württemberg, Mittel- und Oberfranken sowie Nordrhein-Westfalen.