Buschfeuer

Die Not der australischen Milcherzeuger

Die anhaltenden Buschbrände in Australien haben schwere Auswirkungen auf die Milchkuhbetriebe. Das Risiko für Produktionsausfälle, Tierverluste und verkohltes Land ist hoch. Bereits tausende Tiere mussten notgetötet werden.

Die Buschfeuer im Südosten Australiens wüten seit Wochen. Mehr als zehn Millionen Hektar Land sind dabei bereits verbrannt, eine Fläche so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Mindestens 25 Personen haben in den Bränden ihr Leben verloren. Über eine halbe Million Wildtiere sind allein im Bundesstaat New South Wales durch die verheerenden Brände schon verendet. Das Feuer ziehen durch die Milchregionen des Landes im Süden des Bundesstaats New South Wales und im östlichen Gippsland im Nachbarstaat Victoria. Dort haben die Milcherzeuger bereits eine dreijährige Dürre hinter sich, die das Land besonders brandanfällig gemacht hat.

Die Buschfeuer sind immer noch nicht unter Kontrolle. (Bildquelle: Robert Miller)

Der Branchenverband Dairy Australia berichtet, dass etwa ein Drittel des Milchaufkommens in Australien in betroffenen Regionen produziert wird. Erwartet werden derweil schwerwiegende Auswirkungen auf die laufende Produktion. „Bereits vor den Bränden war die Lage angespannt, besonders in der Region rund um Bega im Süden von New South Wales.
Obwohl viele australische Betriebe mit Notstrom-Aggregaten ausgestattet sind, kam es aufgrund von Straßensperrungen zu Engpässen mit Kraftstoff. Manche Betriebe konnten ihre Kühe 48 bis 60 Stunden nicht melken“, erklärte Analyst Matt Dalgleish vom Marktbeobachtungsunternehmen Mercado. Zudem sei auch die Versorgungskette von den Betrieben zu den Molkereien durch die Straßensperrungen unterbrochen. Verschiedene australische Medien berichten von Farmern, die die Milch wegschütten müssen, da die Milchtanker viele Betriebe nicht anfahren können. Viele Molkereien haben angekündigt, die Farmer auch für nicht angelieferte Milch zu bezahlen, um sie zu unterstützen.

Nottötungen und Stromausfälle auf den Betrieben

Viele Tiere sind verendet oder an den Folgeschäden der Feuer gestorben, eine genaue Zahl ist bislang nicht abzuschätzen. Neun Prozent der australischen Rinder leben in den von den Bränden bedrohten Regionen. Viele Landwirte müssen von Feuer verletzte Tiere nottöten. Bis Montag, 6. Januar, waren schon knapp 4.000 Tiere notgetötet worden, berichtet ABC News. Die Regierung hat 100 Tierärzte zu Verfügung gestellt, die den Landwirten helfen sollen, die überlebenden Tiere zu sichten und bei den Nottötungen zu unterstützen. Viele Kühe könnten in den nächsten Wochen noch verenden. Denn auch, wenn Tiere überleben, ist die Gefahr hoch, dass sie als Folge von Rauchvergiftung oder Hitzestress sterben.

Feuerschutz unter den Wasserspränklern im Wartebereich auf der Farm von Robert Miller. (Bildquelle: Robert Miller)

Auf der Farm von Robert Miller nah Milton (New South Wales) haben die Brände knapp die Hälfte seines Weidelands zerstört. Am 1. Januar waren knapp die Hälfte seiner 400 Färsen verendet. „Es ist sehr emotional und stressig, wenn das Feuer dein Zuhause bedroht. Und dann muss man auch noch seine eigenen Tiere nottöten… unsere Lebensgrundlage“, sagte er in einem Interview mit ABC News. Futter für die überlebenden Tiere sei knapp, da viele Straßen immer noch gesperrt seien. Aufgrund der vorherigen Dürre seien außerdem die finanziellen Reserven aufgebraucht. Durch die Brände kam es zudem auf vielen Betrieben zu Stromausfällen.
Der Familienbetrieb der Familie Wilson nah Corryong (Victoria) ist hingegen knapp der Katastrophe entkommen. Die Brände zogen durch die unmittelbarer Nähe der Farm. Noch sind sie nicht gelöscht und sind immer noch eine große Bedrohung für den Betrieb. Wir haben knapp 20 Tiere, viele Zäune, einen Heuschober und viele Silageballen verloren. Das ist aber nichts im Vergleich dazu, was andere Betriebe verloren haben, erzählt Tochter Georgia Wilson im Interview mit Elite. Der restliche Betrieb sowie das Wohnhaus blieben vor den Flammen verschont.

Die Farm der Familie Wilson in Corryong hat 20 Tiere, viele Zäune und Fläche verloren. (Bildquelle: Georgia Wilson)

Die Kühe konnten sie trotz Stromausfall mithilfe von Notstrom-Aggregaten melken. Die Milch allerdings musste Familie Wilson wegschütten, da die Straße in beide Richtungen gesperrt war und kein Durchkommen für die Milchtanker war. Der nah gelegene Betrieb ihrer Verwandten väterlicherseits brannte komplett ab. Es ist alles sehr emotional und schwer auszuhalten, aber wir werden es irgendwie schaffen, sagt sie. Eine Entspannung ist jedoch nicht in Sicht, erklärt sie. Die Feuer brennen immer noch und es wird erwartet, dass sich die verschiedenen Brände zu einem großen Feuer zusammenschließen. Das wird noch schwieriger zu kontrollieren sein."
Finanzhilfe von der Regierung erwarten sie, sobald die Feuer unter Kontrolle gebracht sind. In der Zwischenzeit erhalten sie viele Spenden, unter anderem Heu von Farmern aus ganz Australien.

Wiederaufbau wird lange dauern und viel kosten

Die australische Agrarministerin Bridget McKenzie erklärte, die Priorität läge nun auf der Sicherung der Futterlieferungen und verendete Tiere zu beseitigen. Viele Betriebe sind neben frischem Futter zudem auf frisches sauberes Wasser angewiesen. Außerdem müssten viele Landwirte jetzt ihre beschädigten Betriebe wieder aufbauen und Zäune erneuern und gleichzeitig die Katastrophe psychisch verarbeiten.

Viele Tiere sind vor dem Feuer geflüchtet und müssen wieder eingefangen werden. (Bildquelle: ABC, Matt Roberts)

Analyst Matt Dalgliesh rechnet außerdem damit, dass es Schwierigkeiten mit entlaufenden Tieren geben könnte, die die Brände überlebt haben. Einige Farmer hatten zuvor ihre Tore geöffnet und die Tiere laufen lassen als die Flammen die Betriebe niederbrannten. Zugleich seien Futter-Engpässe vorprogrammiert. Das die Brände und Rettungsmaßnahmen für die eigenen Tiere vielen Farmern ihre finanziellen Mittel genommen haben, erschwere es ihnen enorm nach den Bränden wieder in die Tierproduktion einzusteigen. „Es wird sehr viel Geld kosten, die Milchkuhherden neu aufzubauen.“ Laut Reuters hat die Milchindustrie in Australien durch die Brände bis dato Verluste von mehr als 3,3 Milliarden australische Dollar (ca. 2 Mrd €) erlitten.
Die Feuer in Australien werden durch die anhaltende Dürre im Vorjahr begünstigt. 2019 war in Australien das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1910 gewesen. Insgesamt fielen knapp 40 Prozent weniger Niederschlag als im Durchschnitt. Für das Wochenende rechnen die Behörden mit einer weiteren Verschärfung der Lage. Dann sollen die Temperaturen und Windgeschwindigkeiten wieder ansteigen. In gefährdeten Gebieten in Victoria wurden 240.000 Bewohner aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Die größten Brandherde in Australien liegen in den Milchregionen in den Bundesstaaten New South Wales und Victoria (Bildquelle: dpa)

Quellen: ABC News, Reuters, The Dairy News, ZDF, dpa, eigene Recherchen


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