Dem genetischen Potenzial gerecht werden

Am 11.10. fand auf dem Familienbetrieb Derboven in Warpe die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft LebensLinien statt. An diesem lehrreichen Tag ging es nicht nur um die Zucht von Holstein-Kühen mit hoher und leistungsstarker Nutzungsdauer. Sondern auch darum, wie man unsere Kühe versorgen müssen, damit sie ihr genetische Potenzial ausschöpfen können.

Die praktischen Themen Zucht und Fütterung rahmten am Tag der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft LebensLinien (ALL) die Pflicht der Jahreshauptversammlung ein. Im Fokus steht dabei bei der ALL immer die Kuh und ihre Lebensproduktivität. Der züchterische Aspekt ist dabei seit über 25 Jahren Ausgangspunkt und Hauptinteresse, das die 245 ALL-Mitglieder aus Deutschland, den Niederlanden, Polen, Österreich und der Schweiz verbindet.

Die Interessengemeinschaft für nachhaltige Lebensproduktivität

Ziel aller Mitgliedsbetriebe ist es nachhaltig zu züchten. Die ALL-Zuchtziele sind eine hohe Nutzungsdauer in Kombination mit hoher Lebenstagsleistung. Diese sollen die Kühe durch einen konstitutionsstarken Körperbau, eine gewisse Spätreife, die eine Leistungssteigerung von Laktation zu Laktation ermöglicht, eine überdurchschnittliche Fruchtbarkeit und Laufstalltauglichkeit erreichen.
Ein ganz besonders Augenmerk haben die ALL-Mitglieder dabei auf alternative Blutführungen zur derzeitigen Population gelegt, um dem stark verbreiteten, fast nur noch leistungsorientierten englinigen Vorgehen vieler Betriebe in der Anpaarung entgegen zu wirken.
Entsprechend dieser genannten Zuchtziele zeichnet eine unabhängige Kommission aktuell verfügbare Vererber mit einem ALL-Gütesiegel aus. Hier finden Sie die aktuelle Übersicht der ALL-Vererber. Als einfache Hilfsmittel zur Verfolgung der Zuchtziele bietet die ALL eine Zuchtwertampel und eine Outcrossampel auf ihrer Website an. Mehr Informationen zur ALL unter www.all-rind.de
Mitglied werden kann jeder, der an den ALL-Zielen interessiert ist! Die ALL ist eine unabhängige Gemeinschaft, die acht Zuchtverbände LTR, Masterrind, RBB, Rinderallianz, RSH, RUW, VOST und ZBH sowie DLQ sind ihre Kooperationspartner.

Das Potential nutzen können, heißt dem Bedarf der Kühe gerecht zu werden

Das ein gutes Pedigree von alleine nichts leistet ist klar. Es ist die Basis, das Potential einer jeden Kuh. Damit die Tiere dies vom Kalbesalter an ausleben und umsetzen können, müssen sie ihrem Bedarf an Fütterung und Haltung entsprechend versorgt werden.
Und ob das tatsächlich auf den Betrieben umgesetzt wird, dass erzählen uns die Tiere ganz genau. Man muss sie nur beobachten, um sie zu verstehen. Wie das geht hat Nico Vreeburg, Tierarzt und Senior Consultant der Beratungsorganisation Vetvice aus den Niederlanden, im Rahmen der ALL-Veranstaltung in seinem Fachvortrag „Fütterungssignale“ gezeigt. Ein paar Tipps von Nico Vreeburg!

Nico Vreeburg, Tierarzt und Senoir Consultant der Beratungsorganisation Vetvice aus den Niederlanden, erklärte im Fachvortarg und Workshop "Fütterungssignale" unter anderem den Nutzen von Kotwaschen. Die Zielgröße für den unverdauten Rest einer Ration liegt bei etwa 30 %. Einfach abzulesen, wenn man einen Liter Kotprobe zieht und den ausgewaschenen Rest wieder zurückfüllt! (Bildquelle: Elite Magazin)


Als erstes muss immer die Situation erfasst werden: Welche Signale sieht, riecht, hört und fühlt man? Danach erst überlegt man, woran könnte das liegen, was man beobachtet hat.
Wie erzählen uns die Kühe, wie viel sie fressen und verdauen konnten?
  • Die Pansenfüllung ist zu erkennen an der linken Körperseite, sie soll, von hinter der Kuh aus geschaut, eine apfelgleiche Form haben (Score 3,5). Hier sehen wir, wie viel die Kuh in den letzten 24 Stunden gefressen hat. Die Hungergrube ist dabei der Schlüsselpunkt. Ist sie eingefallen, ist der Pansen leer. Ein Warnsignal! Die Kuh hat nicht ausreichend gefressen!
  • Die Bauchfüllung ist an der rechten Körperseite zu erkennen, sie soll ein birnengleiches Aussehen zeigen. Ist die untere Bauchhälfte deutlich ausgeprägt, ist das gut. Die Därme sind voll – die Kuh hat in der letzten Woche gut gefressen.
  • Die Körperkondition zeigt dagegen, wie gut die Kuh in den letzten Monaten gefressen hat.
  • Der Kot am Boden zeigt uns, was die Kühe aktuell fressen und verdauen konnten. Kot an der Kuh, was in der letzten Woche los war! Die Kuh muss dünnen Kot gehabt haben. Ist es nur 1 Kuh von 100 ist das ok, doch wenn es ein Viertel der Herde betrifft war etwas grundlegend falsch!
  • Glänzender Kot bedeutet Schleim vom Dickdarm. Dieser wurde produziert, um noch vorhandene Nährstoffe fermentieren zu können – doch fermentiert werden muss im Pansen, nicht im Dickdarm! Ein Hinweis darauf, dass zu viele Nährstoffe unverdaut aus Pansen und Dünndarm in den Dickdarm gelangen: Etwas in der Ration stimmt nicht. Zum Beispiel könnte es Maissilage sein, die nicht genügend durchsiliert ist, die Maisstärke ist noch nicht genügend aufgeschlossen.
  • Wie einfach Kühe selektieren können, hängt auch mit der Partikellänge der Grundfutterfasern und der genutzten Rasse zusammen. Wenn die Fasern länger als die Breite der Zunge sind, dann können die Kühe besonders leicht selektieren: Fleckvieh etwa hat eine sehr breite Zunge (6-8 cm), Holsteins verfügen über ein Mittelmaß von 4-5 cm und die Zunge der Jerseys ist mit 3-4 cm Breite am schmalsten.
  • Jede Kuh muss die Möglichkeit haben, 10 bis 14 Mahlzeiten pro Tag aufnehmen zu können und dabei jeweils etwa 2,5 kg TM von guter Qualität aufnehmen. Diese Regelmäßigkeit ermöglicht es, den Pansen-pH auf dem gesunden Maß von 5,7 halten zu können.
  • Das Ziel ist es daher, dass jede Kuh 22 Stunden am Tag ungehindert fressen und saufen kann! Die Zeit, die eine Kuh täglich für das Melken unterwegs ist sollte deswegen maximal zwei Stunden betragen.

  • Die Pansenfüllung ist zu erkennen an der linken Körperseite, sie soll, von hinter der Kuh aus geschaut, eine apfelgleiche Form haben (Score 3,5). Hier sehen wir, wie viel die Kuh in den letzten 24 Stunden gefressen hat. Die Hungergrube ist dabei der Schlüsselpunkt. Ist sie eingefallen, ist der Pansen leer. Ein Warnsignal! Die Kuh hat nicht ausreichend gefressen!
  • Die Bauchfüllung ist an der rechten Körperseite zu erkennen, sie soll ein birnengleiches Aussehen zeigen. Ist die untere Bauchhälfte deutlich ausgeprägt, ist das gut. Die Därme sind voll – die Kuh hat in der letzten Woche gut gefressen.
  • Die Körperkondition zeigt dagegen, wie gut die Kuh in den letzten Monaten gefressen hat.
  • Der Kot am Boden zeigt uns, was die Kühe aktuell fressen und verdauen konnten. Kot an der Kuh, was in der letzten Woche los war! Die Kuh muss dünnen Kot gehabt haben. Ist es nur 1 Kuh von 100 ist das ok, doch wenn es ein Viertel der Herde betrifft war etwas grundlegend falsch!
  • Glänzender Kot bedeutet Schleim vom Dickdarm. Dieser wurde produziert, um noch vorhandene Nährstoffe fermentieren zu können – doch fermentiert werden muss im Pansen, nicht im Dickdarm! Ein Hinweis darauf, dass zu viele Nährstoffe unverdaut aus Pansen und Dünndarm in den Dickdarm gelangen: Etwas in der Ration stimmt nicht. Zum Beispiel könnte es Maissilage sein, die nicht genügend durchsiliert ist, die Maisstärke ist noch nicht genügend aufgeschlossen.
  • Wie einfach Kühe selektieren können, hängt auch mit der Partikellänge der Grundfutterfasern und der genutzten Rasse zusammen. Wenn die Fasern länger als die Breite der Zunge sind, dann können die Kühe besonders leicht selektieren: Fleckvieh etwa hat eine sehr breite Zunge (6-8 cm), Holsteins verfügen über ein Mittelmaß von 4-5 cm und die Zunge der Jerseys ist mit 3-4 cm Breite am schmalsten.
  • Jede Kuh muss die Möglichkeit haben, 10 bis 14 Mahlzeiten pro Tag aufnehmen zu können und dabei jeweils etwa 2,5 kg TM von guter Qualität aufnehmen. Diese Regelmäßigkeit ermöglicht es, den Pansen-pH auf dem gesunden Maß von 5,7 halten zu können.
  • Das Ziel ist es daher, dass jede Kuh 22 Stunden am Tag ungehindert fressen und saufen kann! Die Zeit, die eine Kuh täglich für das Melken unterwegs ist sollte deswegen maximal zwei Stunden betragen.

Mehr Tipps und Erklärungen zu allen wichtigen Kuhsignalen, finden Sie in der Buchserie "Kuhsignale"!

Das Familienkonzept Derboven

Das Interesse für Zucht hält die große Familie zusammen – aber damit alle vom Betrieb leben können, müssen die 500 Kühe effizient Milch produzieren. Daran wird jeden Tag im Jahr gearbeit! Eine weitere Aufgabe der sich die Derbovens gewidmet haben ist die Öffentlichkeitsarbeit. Sie haben sich dazu entschlossen der Öffentlichkeit Einblicke in ihren Betrieb zu gewähren, da sie wissen, dass Menschen nur akzeptieren, was sie auch verstehen.
Die neuste Entwicklung auf dem Betrieb ist die eigene Hofkäserei. Hier verarbeitet Cathrin Derboven bisher etwa 3.000 kg Milch pro Woche zu Käse- und Frischkäseprodukten. Zukünftig sollen bis zu 6.000 kg pro Woche in der modernen Anlage veredelt werden. Weitere Informationen zum Betrieb finden Sie in der Bildergalerie und auf www.rzb-derboven.de !

 


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