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Kommentar

Branchenorganisation Milch: Vollkommen überflüssig

Angeblich sollen sich einige große Molkereien und der Bauernverband mit der Einführung einer Branchenorgansisation Milch anfreunden können. Deren Aufgaben sollten eigentlich die bestehenden Verbände bislang schon erledigen. Deshalb macht solch eine neue Organisation auch überhaupt keinen Sinn!

Dem Vernehmen nach haben beim Milchstrukturgespräch in Berlin fünf große genossenschaftliche Molkereien aus dem nordwestdeutschen Raum (die rund die Hälfte des Milchaufkommens in Deutschland abdecken: Ammerland, Arla Foods, Deutsches Milchkontor, Royal FrieslandCampina und Hochwald), ihre Bereitschaft zur Bildung eines Branchenverbandes signalisiert. Geladen hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mal wieder Spitzenvertreter des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), des Milchindustrie-Verbandes (MIV), des Verbandes der Privaten Milchwirtschaft (VBPM) sowie des Deutschen Bauernverbandes (DBV).

Ein Branchenverband hat typischerweise zum Ziel, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die (Milch)Branche zu verbessern. Ureigenste Aufgaben eines solchen Wirtschaftsverbandes sind denn auch

  • als eine Interessenvertretung der Mitgliedsunternehmen/Branchen gegenüber staatlichen Stellen zu agieren,
  • gemeinsame technische und rechtliche Standards der Branche zu erarbeiten,
  • den Mitgliedern (Unternehmen) Unterstützung und Beratung anzubieten.

Eigentlich erledigen diese Aufgabe ja schon die oben aufgeführten Verbände (DRV, MIV, VBPM und DBV). Auch treffen sich Vertreter der genannten Institutionen bereits regelmäßig zum Meinungsaustausch (in der Regel enden die Gespräche aber leider ohne konkrete Ergebnisse). Welchen Sinn macht es da überhaupt noch, sich in einem weiteren branchenübergreifenden Verband zusammen zu schließen?

Offenkundige Probleme in Angriff nehmen

Laut dem Bauernverband (DBV) ist ein Branchenverband Milch „ein unverzichtbarer Schritt, um endlich die offenkundigen Probleme im Molkereisektor in Angriff zu nehmen und die brachliegenden Potentiale zu heben“. Die neue Organisation sollte sich insbesondere mit Fragen des Exports und mit Instrumenten zur Risikoabsicherung befassen. Eine Branchenorganisation könne zudem dazu dienen, finanzielle Mittel der Europäischen Union zur Absatz- und zur Innovationsförderung in Anspruch zu nehmen. Dies sei notwendig, weil der deutsche Molkereisektor davon bislang keinen Gebrauch machen.

Bloß keine Diskussion über Liefermengen und Verträge erwünscht

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) soll angeblich ebenfalls zähneknirschend Gesprächen zur Gründung der neuen Organisation zugestimmt haben – unter der Bedingung, dass nicht über die Lieferbeziehungen (Andienungspflicht) zwischen Molkereien und Milcherzeugern diskutiert wird.

Image- und Absatzförderung – die Wiederauferstehung der CMA?

So what? Die Molkereien wollen anscheinend kein Geld in Brüssel abrufen (sonst hätten Sie es ja schon längst getan), auch soll über Milchmengen und Milchpreise in dem Branchenverband nicht diskutiert werden. Was bleibt dann noch? Mit etwas geschickter PR kann die Branchenorganssiation vielleich helfen, von den eigenen Problemen abzulenken (in allen Molkereien und in den Einzelverbänden rumort es kräftig, da viele Mitglieder sich von ihren Funktionären nicht mehr so richtig verstanden fühlen). Und dann gibts ja noch die Image- und Absatzförderung … hier wird das alte Modell der CMA wieder aus der Schublade gezogen! Die Idee einer nationalen Marketingorganisation wird anscheinend wieder hoffähig. Ob da etwas zählbares heraus kommt? Das darf bezweifelt werden, immerhin  haben vor Jahren die deutschen Molkereien kräftig mitgeholfen, die ZMP/CMA zu Fall zu bringen.

Nur eine weitere Diskussionsplattform

Der Bundesverband der Milcherzeuger BDM kritisiert, dass die neue Branchenorganisation eine reine Diskussionsplattform sein dürfte. Gesprächsplattformen (u.a. Krisengipfel) gibt es bereits genügend! „Mit den Landesvereinigungen der Milchwirtschaft, in denen sich bereits alle Marktbeteiligten treffen, hat man eigentlich schon ein Netzwerk, das diese Funktion erfüllt“, erklärt BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. Recht hat er!

Fakt ist: Es braucht keine weitere Organisation in Deutschland sondern vielmehr neue (Vermarktungs)Konzepte und mehr Miteinander! Hätten in der Vergangenheit alle Verbände in der Milchbranche stets zielgerichtet und konstruktiv miteinander gearbeitet, dann würde sich die Situation im Milchland Deutschland aktuell nicht so desaströs darstellen!

Gregor Veauthier