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Anhaltend feste Tendenz auf dem Milchmarkt

Hohe Preisnotierungen für Butter, Milchpulver und Spotmarktmilch werden auch die anderen Teilmärkte mit nach oben ziehen. Das wird die Milchauszahlungspreise weiter nach oben treiben. Sie werden dem Verlauf der Rohstoffwerte folgen, schätzt der Kieler Agrarökonom Prof. Holger D. Thiele.

Nach Einschätzung des Kieler Agrarökonomen Prof. Holger D. Thiele spricht vieles dafür, dass sich im weiteren Jahresverlauf der deutsche Milchmarkt weiter fest tendiert, die erhöhten Preisnotierungen für Butter, Milchpulver und Spotmarktmilch im ganzen Sortiment ankommen werden. Neue Kontrakte, ob sie Konsummilch, Käse oder die Industrieerzeugnisse beträfen, würden sich dieser Entwicklung anpassen müssen. Dann würden auch die Auszahlungspreise den Verlauf der Rohstoffwerte nachvollziehen, erklärt Thiele.

Jüngsten Preisanstieg nicht vorhergesehen

Zur aktuellen Lage stellte der Kieler Agrarökonom fest, dass sich lediglich die Erlöse aus dem Verkauf von Butter und Milchpulver gegenüber den Jahren 2009 und 2010 deutlich verbessert hätten. Der seit Mitte Dezember eingetretene kräftige Anstieg der Butter- und Milchpulverpreise sei für alle am internationalen Markt orientierten Prognoseinstrumente nicht vorhersehbar gewesen, so Thiele. Noch bis November hätten die vom Weltmarkt vorliegenden Informationen eine verhaltene bis rückläufige Tendenz der Preise erwarten lassen.

Spotmarkt reagiert am schnellsten

Thiele wies darauf hin, dass alle Teilbereiche des Milchmarktes mittel- und langfristige Schwankungen mitmachten, wenn auch oftmals zeitversetzt, aber mit gleicher Häufigkeit. Der Spotmarkt, an dem Milch, Rahm oder Konzentrate als flüssige Rohstoffe gehandelt würden, reagiere am schnellsten und am heftigsten auf Angebots- und Nachfrageschwankungen. Der Agrarökonom erinnerte daran, dass der Absturz am Spotmilchmarkt schon im dritten Quartal 2007 erfolgt sei. Bei Butter und Magermilchpulver habe die Wende von der Hausse zur Baisse etwas später eingesetzt, aber ebenfalls im Herbst 2007. Das historisch niedrigste Niveau sei dann in allen Segmenten des Milchmarktes erst 2009 erreicht worden. Auch die Kehrtwende der Preisnotierungen (nach oben) hat sich zuerst am Spotmarkt und dann bei Milchpulver und Butter eingestellt.

Jahresbeginn 2011 „aus dem Rahmen gefallen“

Wie der Kieler Agrarökonom klarmacht, gehören zu den langfristigen Trends auch immer wieder kurzfristige Schwankungen. Das hänge mit dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage innerhalb eines Jahres zusammen sowie mit saisonalen Milchanlieferungen beziehungsweise den saisonalen Nachfrageverschiebungen. Zur normalen Saisonalität gehörten niedrigere Preise für Butter und Milchpulver in der Zeit von Januar bis Mai und höhere für den Rest des Jahres. Ebenso gehöre zur normalen Saisonalität, dass die meisten Molkereien ein neues Kalenderjahr mit niedrigeren Auszahlungspreisen begönnen und höhere Preise im weiteren Verlauf zahlten. Dafür gebe es dreierlei Ursachen:

  • Niedrigeren Erlösen, wenn zu Jahresbeginn die Nachfrage schwach ausgeprägt ist und die Molkereien vermehrt Milch zu Butter und Magermilchpulver verarbeiten oder am Spotmarkt absetzen müssen.

  • Steuerung des Milchangebots mit dem Ziel einer gleichmäßigeren Auslastung der Verarbeitungskapazitäten.

  • Kaufmännische Vorsicht bei allen Kostenpositionen zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres.