Grande commercio – deutsche Färsen für Italien Plus

Rund 4.500 abgekalbte Färsen kauft Francesco Moscardi jedes Jahr auf Zuchtviehauktionen in Deutschland. Die Tiere vermarktet er nach Italien, denn dort verzichten viele Milcherzeuger auf die Aufzucht eigener Rinder. 

Francesco Moscardi betreibt einen Viehhandel und bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie einen Milchkuhbetrieb mit rund 250 Kühen in Norditalien. Die Stallarbeiten übernehmen sein Bruder Andrea und Mitarbeiter, denn Francesco selbst arbeitet hauptsächlich als Viehhändler. Er importiert im großen Stil abgekalbte Färsen. Diese kauft er größtenteils in Deutschland ein, in der Regel auf Zuchtviehauktionen im Nordwesten. Wir haben ihn auf einer Auktion der Rinder-Union West eG (RUW) in Hamm getroffen und ihn gefragt, wo die Tiere landen und was die italienischen Milcherzeuger so an den deutschen Färsen schätzen. 

Francesco (links am Tisch) mit einem seiner Kunden auf der Auktion in Hamm.  (Bildquelle: Foto: Geverink )

Francesco Moscardi im Interview mit Elite 

Name: Francesco Moscardi 
Alter: 45 Jahre 
Wohnort: Provinz von Cremona, Norditalien
Betrieb: 250 Kühe 
Unternehmen: LA NUOVA A.C.B. SRL 
Familienstand: verheiratet, drei Kinder
Elite: Francesco, dich trifft man immer wieder auf deutschen Zuchtrinder-Auktionen. Wie oft kommst du nach Deutschland? 
Francesco: Ich bin eigentlich immer auf den Auktionen von der RUW und Masterrind, also in Hamm, Krefeld, Fließem, Lingen, Verden und Cloppenburg. Manchmal bin ich auch auf der Osnabrücker Auktion. Dadurch bin ich fast jede Woche in Deutschland. In 2019 habe ich ca. 4.500 abgekalbte Färsen in Deutschland gekauft, 90 % davon über Auktionen. 
Elite: Seit wann ist das so und bist nur du für den Handel zuständig? 
Francesco: Meine ganze Familie hatte immer mit Kühen und Handel zu tun, auch mein Schwiegervater ist Viehhändler. Ich bin quasi ein „Voll-Pedigree-Viehhändler“. Wir kaufen schon seit 24 Jahren regelmäßig Färsen aus Deutschland. Wir, das heißt mein Vater, mein Bruder, mein Mitarbeiter und ich. Ich habe schon früh angefangen, im Viehhandel mitzuarbeiten. Irgendwann habe ich das Familienunternehmen dann von meinem Vater übernommen. Er arbeitet noch ein bisschen mit, bleibt mittlerweile aber in Italien. Und mein Bruder Andrea ist hauptverantwortlich für unseren eigenen Milchkuhbetrieb mit 250 Kühen, für den wir jährlich auch rund 50 Abgekalbte zukaufen. Deshalb erledige ich die meisten Geschäfte selbst. Marco, mein einziger fester Mitarbeiter, begleitet mich oft, manchmal teilen wir uns die Auktionen auch auf. Einige Bekannte aus Italien arbeiten mir zudem auf Provisionsbasis zu.
Elite: Du kaufst also nur deutsche Färsen für Italien? 
Francesco: Nein, ich kaufe ungefähr 80 % in Deutschland, den Rest in Luxemburg, Frankreich und Österreich. Insgesamt importieren wir rund 500 abgekalbte Färsen im Monat. Neben Holsteins gehören jährlich auch 150 bis 200 Braunvieh-Kühe dazu, die ich in Kempten zukaufe. Die Färsen bleiben alle in Italien. Viele tragende Rinder exportiere ich aber auch in Drittländer. Bullenkälber und Schlachttiere werden innerhalb Italiens vermarktet. Ich habe sogar schon Schafe, Ziegen und Wasserbüffel gehandelt. 
Elite: Und was schätzt du so am Einkauf in Deutschland? 
Francesco: In Deutschland ist die Organisation sehr gut und ich kann hohe Stückzahlen einkaufen. Wenn ich spontan drei Lkw Tiere benötige, ist das kein Problem. Ich habe guten Kontakt zu den Zuchtverbänden und konnte schon viele Betriebe in Deutschland besichtigen. Außerdem sind deutsche Rinder genetisch für hohe Milchinhaltsstoffe veranlagt. Bei der intensiven Fütterung in Italien erreichen sie oft noch höhere Fett- und Eiweißgehalte. Unsere Herde liegt im Durchschnitt zum Beispiel bei 4,5 %...

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