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Automatisierung im Milchviehstall

Automatisches Fütterungssystem
Automatische Fütterungssysteme (AFS) gehören inzwischen zum Stand der Technik. In den letzten fünf Jahren verdreifachte sich in Bayern die Anzahl auf ca. 160 Anlagen. Foto: Stöcker

So lautete das Motto des Info-Tages der Mitte Februar an der LfL Bayern, Institut Tier und Technik, statt fand. An zwei Tagen erhielten Milchkuhhalter Tipps zur Planung und dem täglichen Einsatz von automatischen Melk- und Fütterungssystemen.

AMS richtig planen

In Bayern melken inzwischen über 2.000 AMS, mehr als die Hälfte aller neu installierten Melkanlagen sind Melkroboter. Doch die Technik schafft neue Herausforderungen bei der Planung von Stallgebäuden. Es gilt, den Spagat zwischen den unterschiedlichen Anforderungen von Technik, Tieren und  Menschen sowie einer kostengünstigen Bauweise zu schaffen. Jan Harms und Bernhard Haidn von der LfL Bayern gab den Zuhörern wertvolle Tipps auf den Weg:

Planung im richtigen Maßstab: Bei der Planerstellung sollten maßstabsgetreue Kühe und die richtige Anzahl (Vollbelegung) eingezeichnet werden. "Sonst schaut ein Stall schnell großzügiger aus, als er ist", so Harms. Immer noch passiert es, dass zu wenige und zu schmale Übergänge gebaut werden, um Investitionskosten zu sparen. Doch gerade das schränke die Leistungsfähigkeit des AMS sehr ein. Der erste Übergang sollte 4-8 Liegeboxen nach dem Wartebereich eingeplant werden. Sind Tränken vorhanden müssen 3,5-4,5m Breite vorhanden sein; zudem sollten die Tränken so angeordnet werden, dass die Kühe längs in Übergangsrichtung stehen. Damit der Tierverkehr am AMS reibungslos verläuft, hat sich am AMS-Eingang ein Abweisbügel in einer halben Kuhlänge bewährt. Der Austrieb sollte möglichst geradlinig sein und eine Kuhlänge betragen.

Warum ein "Dreck-PC" Sinn macht: Um die Wege für den Menschen optimal zu planen rät Harms: "Nehmen Sie einen braunen Stift um alle Wege mit Gummistiefeln einzuzeichnen, und einen grünen Stift, wo Sie mit sauberer Kleidung laufen können." Außerdem hilft ein "Dreck-PC" in unmittelbarer Nähe zum AMS, die Daten schnell abrufen und eintragen zu können. Damit kann das größere Stallbüro so angeordnet werden, dass es mit Außenluft belüftet werden kann und daraus Stall oder Wartebereich überblickt werden.

Leistungsgruppen erst ab drei AMS

"Eine Umstellung von der hoch- in die niedrigleistende Gruppe ist erst um den 200. Laktationstag sinnvoll, bei 150 Tagen haben die Kühe noch zu viel Milch", sagt Harms. Daher sind Leistungsgruppen erst ab drei AMS möglich. Damit kann auch der Tierumtrieb individuell geregelt werden. Denn im Verlauf der Laktation ändern sich für Tier und Landwirt die Ansprüche (freier Zugang zum Grundfutter in der Hochleistung, wenig Nachreibeaufwand am Laktationsende). Harms zeigte folgenden Lösungsansatz, der mithilfe von Bypass-Toren auch bei einem AMS funktionieren kann:

  • > 30 Liter Milch: freier Kuhverkehr
  • < 30 Liter Milch: eingeschränkter Kuhverkehr; nur Kühe ohne Melkberechtigung dürfen frei laufen
  • < 18 Liter Milch: Kuh muss immer über das AMS gehen

AFS sparen Zeit, aber ...

Automatische Fütterungssysteme (AFS) gehören inzwischen zur Stand der Technik. In den letzten fünf Jahren verdreifachte sich in Bayern die Anzahl auf rund 160 Anlagen. Claudia Leicher von der LfL Bayern zeigte, dass ein AFS im Vergleich zum Mischwagen den Arbeitszeitbedarf für das Füttern um 2 bis 7 Akh/Kuh und Jahr reduzieren kann.
AFS werden - bezogen auf die Technik - häufig kostengünstig angeboten, wenn die Futterküche in möglichst kompakten Ställen integriert ist und alle Futterachsen miteinander verbunden sind. Allerdings sind solche Gebäude dann häufig mit deutlichen Nachteilen behaftet in puncto gesamte Gebäudekosten, Brandschutz, Lüftung, Erweiterbarkeit, Zugänglichkeit für den Menschen und Entmistung und Hygiene.

"Für kleinere Betriebe bis 80 Kühe kann der Einstieg in die automatische Fütterung kostengünstig mit stationärem Mischbehälter und automatischem Verteilsystem geschafft werden", so Bernhard Haidn, LfL Bayern.

Altgebäude sinnvoll weiter nutzen

Mit dem Einsatz von Futterbändern können Bestandsgebäude, die mit einem Futtermischwagen nicht befahrbar wären, automatisch mit Futter beschickt werden. Zudem kann das Gebäude optimaler für Liege- und Laufflächen ausgenutzt werden und bietet somit mehr Kuhkomfort. Christian Schmidt vom AELF Schweinfurt rechnete vor, dass alleine durch das Fehlen von 3 m Futtertischbreite (50 m Länge) bei Baukosten von 200 €/m² rund 30.000 € Investitionskosten eingespart werden können.

Klaus Hoffmann, Bauberater am AELF Schweinfurt, stellte eine gelungene Umbaumaßnahme eines alten Anbindestalls zum tiergerechten Jungviehstall vor. Der alte Stall wurde zur Liegehalle mit Hochboxen und Fressgang umgebaut, der Futtertisch wurde direkt angrenzend neu dazu gebaut und überdacht. Um den mittigen Querkanal weiter nutzen zu können wurde ein Wendeschieber eingebaut. Dieser brachte dazu die Vorteile einer besseren Frostbeständigkeit und einer geringeren Güllemenge je Schub mit sich.

Text: Felicitas Greil

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AMS, AFS, Automatische Melksysteme, Automatische Fütterung, Bayern, LfL Bayern, Milchkühe, Milchkuhstall, Milchviehstall, automatisieren

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