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Stoffwechsel und Futteraufnahme

Hochleistende Kühe sind anspruchsvoller!

In Schleswig-Holstein beträgt der Anteil an Hochleistungskühen (> 10.000 kg Milch) inzwischen 26 %. Zehn Jahre zuvor lag er noch bei 8 %. Hohe und noch höhere Leistungen werden auch weiterhin im Fokus vieler Betriebe stehen. Jedoch ist unbestritten, dass Leistungssteigerungen eine größere Gefahr an Erkrankungen nach sich ziehen und größere Anforderungen an das Management stellen. Frei nach dem Motto: „Der Mensch beeinflusst bei höherer Leistung das labilere Gleichgewicht der Kuh.“

Mit den meisten Erkrankungen sind Sie als Tierhalter in der Zeit nach der Kalbung konfrontiert. Sie mehren sich mit der zunehmenden genetischen Leistungsfähigkeit, die Futteraufnahme ist jedoch nicht proportional mit der Leistungsfähigkeit in den letzten Jahren (Jahrzehnten) gestiegen! Das liegt daran, dass es bundesweit nur wenige Betriebe gibt, bei denen die Futteraufnahme gemessen werden kann; geschweige denn gibt keinen Zuchtwert für Futteraufnahme, nach dem Sie als Milchviehhalter selektieren könnten. Schade, denn das wäre ein Lösungsansatz für viele Probleme. Nicht umsonst macht Dr. Katrin Mahlkow-Nerge vom LVZ Futterkamp es immer wieder in ihren Vorträgen deutlich: „Wer frisst, bleibt gesund!“

Versuch am LVZ Futterkamp
Am LVZ Futterkamp wurde genau zu diesem Zusammenhang ein Versuch gemacht. Dafür erhielten alle Kühe in den ersten 100 Laktationstagen eine identische, energiereiche Ration (maisbetonte TMR). Täglich wurden von jedem Tier die Futteraufnahme, die Milchmenge, das Gewicht und insgesamt fünfmal während des ersten Laktationsdrittels die Rückenfettdicke erfasst.

Und das kam dabei raus:

  • Kühe mit höherer Vorlaktationsleistung hatten zwar in der Frühlaktation eine größere Futteraufnahme, im Vergleich dazu war aber die Milchleistung höher!
  • Kühe mit höherer Leistung wiesen in den ersten Laktationswochen eine stärker ausgeprägte negative Energiebilanz (NEB) auf, als Tiere mit geringerer Leistung.
  • Dieses größere Energiedefizit muss durch eine entsprechend intensivere Nutzung von Körperfett ausgeglichen werden.
  • Das zeigte sich in der umfangreicheren Abnahme der Rückenfettdicke innerhalb der ersten 100 Tage nach der Kalbung. Bei Kühen mit höherer Leistung reduzierten sie sich um 7 mm, bei Kühen mit geringerer Leistung nur um 4 mm.

Wozu führt das?

Dieser starke und vor allem auch in den ersten Wochen nach der Kalbung schnelle Körperfettabbau führt zum erhöhten Ketoserisiko. Hochleistende Kühe reagieren gravierender auf Fehler im Management als „normal“ leistende!

Was kann man tun?

  • Eine optimale Körperkondition ist bereits im letzten Laktationsdrittel einzustellen, bzw. eine Verfettung zu vermeiden. Dazu gehört auch ein „bewusstes“, ein Ihrer Herde angepasstes Fruchtbarkeitsmanagement. Denn eine Kuh, die „rechtzeitig“ tragend geworden ist, bringt Sie als Milcherzeuger nicht so schnell in die Verlegenheit überkonditioniert in die Trockenstehphase zu gehen.
  • Bedarfsgerechte Fütterung in der Trockenstehzeit, d.h. Energiegehalte > 6,0 MJ NEL/kg TM in der Ration für Frühtrockensteher unbedingt vermeiden.
  • Hygienischer Abkalbeort, qualitativ hochwertiges und schmackhaftes Futter, gepflegte Klauen und bestmöglicher Kuhkomfort v.a. während der Trockenstehzeit. Denn ALLES, was die Futteraufnahme senkt, drängt die Kuh auf kurz oder lang in eine ketotische Stoffwechsellage!
  • Schenken Sie Ihren Trockenstehern und abkalbenden Kühen besondere (!) Aufmerksamkeit, um Probleme und Erkrankungen rechtzeitig beseitigen zu können.


Quelle: Dr. Katrin Mahlkow-Nerge