Antibiotikafrei Milch produzieren?

Seit 53 Monaten verzichtet das Team von Rosy-Lane Holsteins LLC auf Antibiotika bei laktierenden Kühen. Das erreichen sie durch sorgfältiges Management und ein ausgefeiltes Behandlungskonzept.
Lloyd Holterman führt gemeinsam mit seiner Frau Daphne und den Partnern Tim Strobel und Jordan Matthews einen Milchkuhbetrieb mit 1.004 Kühen im Süden Wisconsins. Seine Herde hat derzeit eine durchschnittliche Milchleistung von 13.712 kg. Die Abgangsrate beträgt 23%, die Lebensleistung 54.000 kg. Die Tierarztkosten konnte das Team von Rosy-Lane Holsteins LLC in den vergangenen zehn Jahren um zwei Drittel senken (von 96$-Cents/50 kg Milch auf 32$-Cents/50 kg Milch; siehe Übersicht 1) – nicht zuletzt, weil sie bei melkenden Kühen auf Antibiotika verzichten.
Die Behandlung der erkrankten Kühe basiert auf einem anderen Prinzip: „Dehydrieren, Rehydrieren“. Kühe mit Mastitis (Flocken, geschwollenes Viertel) erhalten innerhalb von ein bis zwei Stunden nach der Diagnose eine Infusion mit hypertoner, d.h. höher konzentrierter, Kochsalzlösung (2 l, 7,2%). Diese mobilisiert die Flüssigkeit im Körper, damit Toxine ausgeschwemmt werden. Anschließend muss (!) die Kuh jedoch mit genügend Wasser versorgt werden, um den Stoffwechsel zu stabilisieren. Auf Rosy-Lane werden die Kühe dann zwei Mal gedrencht (18 l Wasser mit 250 g Hefepulver sowie Mineralstoffen; 36 l Wasser pur). Die Behandlung wiederholt sich drei Tage lang. Kühe mit schwerer Mastitis (Fieber, Blutvergiftung) erhalten am ersten Tag der Behandlung zusätzlich einen Elektrolytmix ins Blut und einen weiteren Drench. 75% der Kühe genesen innerhalb weniger Tage. Zeigt sich nach drei Tagen jedoch keine Besserung, wird die Kuh mit Elektrolyten stabilisiert und gemerzt.
Ein fast identischer Behandlungsplan besteht für Kühe mit einer Gebärmutterentzündung.

Vorbeuge gewinnt an Wichtigkeit

Dieses Vorgehen ist konsequent, bedingt aber ein engmaschiges Management. Wer auf „einfache Lösungen“ verzichtet, muss vorbeugend investieren:
  • Maximale Futteraufnahme: Ein großes Managementziel des Betriebs besteht darin, dass die Kühe für jedes kg aus der TMR aufgenommene Trockenmasse (TM) 1,7 Liter Milch produzieren sollen. Die guten Bedingungen ermöglichen es relativ einfach, günstig an hochwertiges Futter zu gelangen. Die kostenoptimierte Ration besteht zu 53% aus Kraftfutter (geschroteter Mais, Proteinmischung, Baumwollsamen) und zu 47% aus Luzerne- und Maissilage. Die TM-Aufnahme beträgt im Schnitt 26 kg. Mit der Software „TMR-Tracker“ überprüfen zwei Personen (sieben Arbeitsstunden!) jeden Morgen, ob die Ration korrekt gemischt und ausgebracht worden ist. So lassen sich die täglichen Abweichungen auf unter 2% drücken. Zur Unterstützung des Stoffwechsels erhalten alle Kühe Monensin (gleicher Wirkstoff wie in Kexxtone), die Trockensteher eine angesäuerte Ration (saure Salze).
  • Kontrollierte Kalbung: Färsen stehen 60 Tage trocken, Kühe 53 Tage. Die Kühe kalben „Just in time“ ab, werden also erst unter der Geburt aus der Vorbereitergruppe (65 Liegeplätze, max. 64 Kühe) in die Abkalbebox umgestallt. Dort dürfen die Angestellten sie acht Stunden lang nicht berühren! Erst, wenn die Geburt darüber hinaus andauert, ist Geburtshilfe erlaubt. Ältere Kühe erhalten einen Kalzium-Bolus.
  • Die Gruppe der Frischabkalber ist konsequent unterbelegt (58 Liegeplätze, 56/besser 48 Kühe). Auch frisch abgekalbte Kühe werden nur dann „angefasst“, wenn Aktivität und Milchleistungsentwicklung sich nicht...