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Endoparasitosen Teil 1

Kälberdurchfall: Erreger richtig bekämpfen

Endoparasitosen kommen in der Kälber- und Jungrinderaufzucht häufig vor. Wann und wo die wichtigsten Erreger vorkommen und welche Folgen das im Stall haben kann, ist hier für Sie zusammengestellt.

Cryptosporidiose

Infektiöse Durchfallerkrankungen bei Kälbern werden in den ersten Lebenswochen fast ausschließlich durch Rotaviren, Coronaviren, Escherichia coli und/oder Cryptosporidium parvum verursacht. Somit ist die Cryptosporidiose eine klassische Neugeboreneninfektion (häufig 1.-3. Lebenswoche). Kälber infizieren sich dabei kurz nach der Geburt durch die orale Aufnahme von Oozysten aus der Umwelt. Sie scheiden nach nur wenigen Tagen für 1 bis 2 Wochen massiv bereits infektiöse Oozysten mit dem Kot aus. Schon wenige Oozysten können zu einer Darmentzündung führen, die meist mit schleimig-wässrigem Durchfall einhergeht. Anschließend kommt es zur Selbstheilung und langsamen Regeneration, sowie zur Ausbildung einer belastbaren Immunität. Auch schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle treten auf.

Therapie: Als einziges Medikament zum Einsatz gegen Cryptosporidium-Infektionen ist in Deutschland Halofuginon (Halocur) zugelassen. Feldstudien zeigen, dass bei frühzeitig beginnender Anwendung eine gewisse Reduktion der Oozystenausscheidung und des Durchfalls erreicht werden kann. Bei erkrankten Kälbern steht jedoch die symptomatische Behandlung (ausreichend parenterale Elektrolytzufuhr) im Vordergrund.

Metaphylaxe und Prophylaxe: In betroffenen Betrieben ist das wichtigste Bekämpfungsziel, den Infektionsdruck und die Kälberverluste niedrig zu halten. Dies kann jedoch nur durch mehrere, ineinandergreifende Maßnahmen erreicht werden. Dazu zählen unter anderem:

  • die regelmäßige mechanische Reinigung und anschließende Desinfektion von Stall und Kälberboxen mit einem Hochdruck-Dampf (Heißwasserdampf >130 °C) bzw. einem speziellen Desinfektionsmittel oder
  • das Abflammen der Boxenflächen,
  • die tägliche Reinigung der Tränkeeimer mit kochendem Wasser sowie
  • der Wechsel von Arbeitskleidung und Schuhwerk beim Betreten des Kälberstalls.
  • Auch die Kälberhaltung in Iglus ist eine ausgezeichnete Maßnahme um Cryptosporidiose vorzubeugen.

Bei wiederholten Cryptosporidiose-Ausbrüchen ist der metaphylaktische Einsatz von Halocur zu erwägen. Dabei sollten alle neugeborenen Kälber den Wirkstoff ab dem 1. Lebenstag einmal täglich über 7 Tage oral erhalten. Auch die Verabreichung von besonders gutem Kolostrum stellt eine überlegenswerte Maßnahme dar. Aufgrund des hohen Gehalts mütterlicher Antikörper wird die Vermehrung der Cryptosporidium-Stadien beeinträchtigt, woraus meist ein milder Krankheitsverlauf resultiert. Normales Kolostrum hat diese Schutzwirkung allerdings nicht.

Stallkokzidiose (Stall-Eimeriose)

Die Erreger der Stallkokzidiose sind die beiden hochpathogenen Arten Eimeria bovis und Eimeria zuernii. Kälber infizieren sich durch Sporen aus der Umgebung. Zwei bis drei Wochen nach einer Infektion mit E.bovis bzw. E.zuernii sind Oozysten im Kot des Kalbes festzustellen. Infektionen mit den beiden genannten Eimeria-Arten treten in der Regel erst nach Beginn der Gruppenhaltung auf. Da Kälber erst gegen Ende der 2. Lebenswoche zu Gruppen zusammengestallt werden und die Erreger zum Wachstum etwa 2 bis 3 Wochen benötigen, treten starke Infektionen mit klinischem Verlauf selten vor der 4. bis 6. Lebenswoche auf.

Mäßig infizierte Kälber setzten dünnbreiig-wässrigen Kot ab. Hochgradig infizierte Tiere scheiden blutigen, mit Schleimhautfetzen durchsetzten, flüssigen Kot aus. Kälber, die eine schwere E.bovis- oder E.zeurnii-Kokzidiose überstanden haben, bleiben in der Regel Kümmerer.

Metaphylaxe und Prophylaxe: Hauptziel der Kokzidiose-Bekämpfung ist es, starke Infektionen der Kälber zu verhindern und gleichzeitig eine Immunitätsausbildung zu ermöglichen. Maßnahmen zur Reduktion des Infektionsdrucks im Stall sind:

  • Rein-Raus-Verfahren,
  • mechanische Reinigung der Spaltenböden (2x wöchentlich),
  • thermische Desinfektion mit dem Hochdruck-Dampfstahlgerät,
  • keine Tiefstreuhaltung,
  • regelmäßiger Einstreuwechsel,
  • Verringerung der Gruppengröße sowie
  • keine wiederholte neue Zusammenstellung von Tiergruppen.

Sobald einzelne Kälber einer Gruppe erste Kokzidiose-Symptome zeigen, sollten alle Kälber der Gruppe schnellstmöglich medikamentös behandelt werden. Damit können das Auftreten oder der Schweregrad der Erkrankung sowie die Oozystenausscheidung wesentlich reduziert werden. Da die Wirkstoffe auf Eimeria-Stadien innerhalb der Tiere wirken, ist es aus strategischer Sicht sinnvoll, Kälber etwa 2 Wochen nach Zusammenbringen in eine neue Tiergruppe oder nach Einstallen in eine kontaminierte Stallabteilung zu behandeln (also vor dem Auftreten klinischer Symptome).
 

Quelle: Dr. Christian Bauer (Justus-Liebing-Universität Gießen)