Forschung

Kuh produziert Milch mit Insulin

Erstmals gelang es Forschern menschliche DNA in Kuh-Embryos „einzubauen“, jetzt produziert eine transgene Kuh das Hormon Insulin.

Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine transgene Kuh menschliches Insulin in ihrer Milch produziert. Diese Errungenschaft könnte  schon bald den Mangel an Medikamenten und die hohen Kosten für Menschen mit Diabetes beseitigen.
Forscher der University of Illinois at Urbana-Champaign (UIUC) haben jetzt nach eignen Angaben eine alternative Produktionsmethode für Insulin gefunden. Laut ihrer Publikation im Biotechnology Journal haben sie eine Kuh gezüchtet, die das menschliche Insulin produziert - ausschließlich in ihrem Eutergewebe, von wo aus das Hormon in die Milch gelangt. Im übrigen Körper der Kuh wird das Hormon Insulin nicht ausgeschüttet.
Zuvor hatten die Wissenschaftler ein Segment menschlicher DNA in die Zellkerne von zehn Rinderembryonen eingesetzt. Die Embryos wurden anschließend in die Gebärmutter von Empfänger-Kühen eingepflanzt. Letztlich wurde ein transgenes Kalb ausgetragen und geboren. Da mehrere Versuche, das mittlerweile zur Kuh herangewachsene transgene Kalb trächtig zu bekommen (einschließlich künstlicher Befruchtung, In-vitro-Fertilisation und natürlicher Paarung) erfolglos geblieben sind, wurde die Laktation zwischenzeitlich hormonell ausgelöst.

100 genveränderte Kühe genügen

Um das Insulin der Kuh nutzen zu können, muss es aber zunächst noch aus der Milch gefiltert und gereinigt werden. Ein Liter Milch liefert etwa ein Gramm Insulin. Es können daraus etwa 28.818 Insulineinheiten produziert werden. Die Wissenschaftler möchten nun die Kuh klonen, um eine größere Herde zu erhalten. Etwa 100 Kühe sollen ausreichen, um den gesamten Insulinbedarf der USA zu decken.

Insulin wir knapp

Menschen mit Typ-1-Diabetes sind auf die Verabreichung von Insulin angewiesen. (Bildquelle: pixabay/peter-facebook)

Menschen mit Typ-1-Diabetes können das Hormon Insulin nicht selbst in ausreichender Menge produzieren, um ihren Blutzucker zu stabilisieren. Sie sind auf die Verabreichung von Insulin angewiesen, das mithilfe von genmanipulierter Hefe oder Bakterienstämmen künstlich produziert. In vielen Ländern gibt es jedoch heute bereits jetzt eine Insulinknappheit. In den kommenden Jahrzehnten könnte diese sich noch verschlimmern, weil laut Prognosen schon bald 783 Millionen Menschen unter Typ-1-Diabetes leiden werden.
Quelle: Biotechnology Journal, doi: 10.1002/biot.202300307
 


Mehr zu dem Thema