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Hohe Milchleistungen bei teurem Kraftfutter nicht rentabel

Hohe Milchmengenleistungen (≥ 10.000 kg Milch/Kuh) sind, bei sehr hohen Kraftfutterkosten (≥ 30 €/dt), nicht ökonomisch günstiger als niedrigere Milchleistungen (≤ 10.000 kg Milch/Kuh). Die hohen Kraftuttermengen kompemsieren die zusätzlichen Milcherlöse.

Steigernde Milchleistungen erfordern einen zunehmenden Kraftfuttereinsatz, um den Energie- bzw. Nährstoffbedarf der Kühe zu decken. Da das Futteraufnahmevermögen der Kuh begrenzt ist, erfordern sehr hohe Milchmengenleistungen auch sehr hohe Kraftfutteranteile an der Gesamtration.

Setzt man voraus, dass beispielsweise eine Kuh täglich 11,5 kg Trockenmasse (TM) in Form von Rauhfutter aufnimmt, ergeben sich die im Nachfolgenden aufgelisteten Kraftfuttermengen (fehlender  Energiebedarf, der aus dem Kraftfutter gedeckt werden muss):

  • bei 7.000 kg Milch sind ca. 17 bis 20 dt Kraftfutter/Kuh und Laktation erforderlich
  • bei 9.000 kg Milch zwischen 26,5 bis 30 dt Kraftfutter
  • bei 11.000 kg Milch zwischen 36 bis 40 dt ( ≈ 10 kg Kraftfutter/Kuh und Laktationstag).

Die Ergebnisse sind eindeutig: Für Milchmengenleistungen von ca. 11.000 kg Milch/Kuh und Laktation wird im Mittel ein Kraftfutteranteil von ≥ 45 % an der Gesamt-Ration benötigt.

Kraftfutterkosten

Für den Vergleich wurden folgende Futtermittelpreise gegenübergestellt (TM = Trockenmasse; FM = Frischmasse; MLF = Milchleistungsfutter):

1. Variante (= geringe Kraftfutterkosten):

  • Kraftfutter (MLF): 25,50 €/dt mit 6,7 MJ NEL/kg FM (7,6 MJ NEL/kg T) und somit 3,81 ct/MJ NEL;
  • Grassilage: 3,50 €/dt mit 1,9 MJ NEL/kg FM und somit 1,84 ct/MJ NEL;
  • Maissilage: 3,80 €/dt mit 2,1 MJ NEL/kg FM und somit 1,81 ct/MJ NEL.

2. Variante (= hohe Kraftfutterkosten):

  • Kraftfutter (=MLF): 28,50 €/dt und somit ca. 4,254 ct/MJ NEL;
  • Gras-/Maissilage (wie in 1. Variante).

3. Variante (= sehr hohe Kraftfutterkosten):

  • Kraftfutter (=MLF): 30 €/dt und somit ca. 4,48 ct/MJ NEL;
  • Gras-/Maissilage (wie in 1. Variante).

Bei niedrigen Kraftfutterpreisen (≤ 26 €/dt) nehmen die Futterkosten mit zunehmender Produktivität nur vergleichsweise langsam zu (Übersicht 1). Die Zunahme der Kraftfutterpreise auf über 28 €/dt MLF (2. Variante) führt bereits zu einer deutlichen Erhöhung der Futterkosten, die sich mit weiter steigernden Kraftfutterkosten erwartungsgemäß weiter verstärkt (3. Variante).

Die generelle Aussage, dass eine höhere Produktivität (Milchleistung) der Kühe in jedem Fall Vorteile hat, ist bei sehr hohen Kraftfutterkosten nicht zutreffend.

Zu Bedenken ist zudem, dass bei Hochleistungstieren, insbesondere in der Phase des Leistungspeaks (≥ 50 kg Milch/Kuh und Tag), leider auch zunehmende Energiedefizite, regelmäßig höhere Erkrankungshäufigkeiten sowie steigende Tierarztkosten in Verbindung mit höheren Reproduktionsraten zu beobachten sind, wie umfassende Auswertungen im Einzugsbereich der TiHo Hannover ergaben.

Fazit: Sehr hohe Milchmengenleistungen (≥ 10.000 kg Milch/Kuh und Laktation) sind, bei sehr hohen Kraftfutterkosten (≥ 30 €/dt), nicht ökonomisch günstiger als niedrigere Milchleistungen (≤ 10.000 kg Milch/Kuh und Laktation), vor allem bei begrenzten Erlösen aus dem Milchverkauf.

Quelle: Prof. Dr. Wilfried Brade (FBN Dummerstorf); Dr. Edwin Brade, (Paretz)