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Milchmengen, Preise und Vertragslaufzeiten besser abstimmen

Milchwerk Hochwald

Kleine und mittlere Milcherzeuger sehen in den vorhandenen genossenschaftlichen Lieferbeziehungen zur Molkerei Vorteile. Großbetriebe wünschen sich dagegen mehr Freiheiten. Das ist das Ergebnis einer Befragung, die kürzlich in Berlin vorgestellt wurde.

In Münster diskutierte der Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband (WLV) auf dem auf dem Milchforum der Agrar Unternehmertage das Thema „Lieferbeziehungen zwischen Milcherzeuger und Molkerei – Was muss angepackt werden?“

Karsten Schmal, Vorsitzender des Milchausschusses beim DBV und selbst Milcherzeuger (185 Kühe), sieht bei den Lieferbeziehungen zwischen Landwirt und Molkerei dringenden Nachholbedarf. Der "Milchpräsident" forderte mehr Absicherungsmöglichkeiten für den eigenen Milchpreis. "Gut die Hälfte der Milchbauern wünscht sich dies!" Für die meisten Milcherzeuger sei ein direktes Engagement an der Terminbörse aber undenkbar, ohne die Hilfe eines Marktpartners (z.B. einer Molkerei). Hier forderte er mehr Engagemenet ein, denn ohne solche Maßnahmen würden die Milchproduzenten auch weiterhin ungeschützt jeglichen Marktschwankungen ausgesetzt, befürchtet Schmal. Immerhin böten bereits einzelne Molkereien Preisabsicherungsmodelle für ihre Mitglieder über die Leipziger Terminbörse an.

Liefermenge und Preis absprechen!

Desweiteren forderte Schmal Absprachen zwischen Molkereien und Landwirten bezüglich der Milchmengenlieferung und Preisen während bestimmter Zeiträume (Anmerkung: eine gewisse Sympathie für A- und B-Preise lässt sich aus den Worten des Milchpräsidenten heraushören). Bleibt die Branche weiter untätig, bestünde das Risiko, dass letztlich der Staat steuernd eingreift, warnte der Milchpräsident. In diesem Fall könnten sogar bestehende gesetzliche Verankerungen gekippt werden und die genossenschaftliche Arbeitsweise und damit letztlich auch die Abnahmepflicht der Genossenschafts-Molkereien in Frage gestellt werden.

Klaus Stöcker, aktiver Milcherzeuger aus dem Bergischen Land und Mitglied im Führungskreis von FrieslandCampina, erklärte, dass die Molkereien durchaus die Auswirkungen eines instabilen Milchmarktes auf die Mitglieder dämpfen wollen, allerdings die enormen Preisschwankungen alleine nicht ausschalten könnten. Immerhin hat der niederländische Molkereikonzern in seiner Satzung verankert, dass in außergewöhnlichen Situationen Milchmengen begrenzt werden können. Bereits zwei Mal wurde in der jüngsten Vergangenheit dieses Steuerungsinstrument genutzt. So bekommen niederländische Milcherzeuger aktuell nur 10 % des Milchpreises für ihre Übermilch ausgezahlt.

Positionspapier zur Krisenbewältigung

Wilhelm Brüggemeier, Vorsitzender des Milchausschusses im WLV, plädierte dafür, die Krisen-Prävention selbst anzugehen. Dazu legte er ein Positionspapier vor, das möglichst bald an den WLV-Vorstand weiter geleitet werden soll. Erklärtes Ziel ist zwischen den Marktbeteiligten "Augenhöhe zu erreichen":

  • Marktsignake schneller weitergeben durch Verbesserung der Kommunikation zwischen Milcherzeugern, Milcherzeugergemeinschaften und Molkereien
  • Anpassung der Lieferbedingungen zwischen Molkereien und Landwirten (Andienungspflicht und Abnahmegarantie im Kern erhalten, aber neu gestalten)
  • Veränderung der Preisgestaltung für Rohmilch (interne Verwertung berücksichtigen)
  • verstärkte Abstimmung der großen Molkereigenossenschaften über Nachhaltigkeitsprogramme (im Rahmen der Interessengemeinschaft Milch)
  • Beenden des Wettrennens um höhere Auflagen und Standards.

Umfrage: Welche Erwartungen haben die Milchbauern an die Gestaltung der Milch-Lieferbeziehungen?

Der Deutsche Bauernverband, der Genossenschaftsverband und der Deutsche Raiffeisenverband haben Bundestagsabgeordnete und Vertreter aus Bundes- und Landesagrarministerien zum parlamententarsichen Milchfrühstück nach Berlin eingeladen. Dabei wurden unter anderem die Ergebnisse einer Umfrage präsentiert über die Erwartungen der Landwirte an die Gestaltung der Milch-Lieferbeziehungen. Die Befragung wurde von der Christian-Albrechts-Universität unter der Führung von Prof. Sebastian Hess durchgeführt. Ergebnisse:

  • Es besteht kein einheitliches Meinungsbild unter den Milcherzeugern hinsichtlich einer möglichen Neugestaltung der Lieferbeziehungen zu den Molkereien.
  • Grundsätzlich herrscht breite Akzeptanz für die typischen genossenschaftlichen Lieferbeziehungen.
  • Viele kleine, mittlere und auch Wachstumsbetriebe befürworten das genossenschaftliche Liefermodell (mit Andienungs- und Abnahmepflicht, Rückvergütung und 24 Monaten Kündigungsfrist) und sehen darin Vorteile.
  • Die meisten größeren Betriebe würden eine alternative Gestaltung der Lieferbeziehungen bevorzugen.

Bloß keine staatlichen Vorgaben …

Der Bauernverband sieht sich in den Ergebnissen der Umfrage in seiner Positionierung bestätigt, so DBV-Milchpräsident Karsten Schmal. Er bekräftigte allerdings auch, dass staatliche Vorgaben für die Lieferbeziehungen im Milchsektor nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen würden. Vielmehr sollte es im Interesse des Sektors sein, selber marktgerechte Vereinbarungen zwischen Molkereien und Landwirten zu treffen. Diese sollten aber dem uneinheitlichen Meinungsbild sowohl unter den Molkereien als auch unter den Milcherzeugern gerecht werden. Landwirte und Molkereien müssten künftig Absprachen treffen hinsichtlich Mengen, Preise und Laufzeiten von Liefervertraägen. Hierbei bedürfe es verschiedener Ansätze, eine Einheitslösung könne es nicht geben, so Schmal. Milcherzeuger benötigen praktikable Möglichkeiten zur Preisabsicherung und Molkereien verlässliche Angaben über künftige Anlieferungsmengen. Preissignale des Weltmarktes müssen früher beim Landwirt ankommen.

Genossen sehen sich zu Unrecht am Pranger

Die Vertreter des deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) und des Genossenschaftsverbandes sehen sich zu Unrecht am Pranger. Die Molkereigenossenschaften würden sich schließlich den Herausforderungen des unsicheren Milchmarktes stellen und mit ihren Mitgliedern die Möglichkeiten der Preisabsicherung sowie die Ausgestaltung der Lieferbeziehungen diskutieren, so die Statements der Verbandsvertreter. Man sei bestrebt, die unterschiedlichen Erwartungen der Mitglieder in den demokratischen Entscheidungsprozessen auszugleichen.

Staatsekretär Dr. Hermann Onko Aikens aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin wies darauf hin, dass ein ähnlicher politscher Kraftakt zur Unterstützung, wie unlängst in der Milchkrise erfolgt, in Zukunft nicht mehr selbstverständlich sein werde. Die Branche müsse jetzt die notwendigen Schlüsse aus der letzten Milchpreiskrise ziehen um sich vor künftigen Krisen zu schützen.

Quelle: Wochenblatt für Landwirtschaft&Landleben (16.02.2017), AgE, Gemeinsame Presseerklärung von DBV, DRV und Genossenschaftsverband

Autor: Anna Schworm

Schlagworte

Milchkrise; Lieferbeziehungen

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