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Von der Notaufnahme in den Kuhstall

Elisabeth Roidl ist gelernte Krankenschwester, managt aber heute 50 Kühe. Mit den „Spätfolgen“ ihrer Krankenhauszeit arbeitet sie noch heute – mit viel Tempo bringt sie den Betrieb voran!

Auf dem Weg in den Kuhstall hält Elisabeth Roidl noch schnell bei den Kälbern an und kontrolliert die Eimer. Im Roboterraum greift sie direkt zum Wasserschlauch, um den Roboter abzuspritzen. Dabei sagt die kleine, drahtige Frau mit den blonden Haaren lachend: „Den Dreck kann ich einfach nicht sehen! Deswegen mache ich eben sauber.“
Die quirlige 67-Jährige ist eigentlich gelernte Krankenschwester. Bis sie 32 Jahre alt war, schlug ihr Herz für die Notaufnahme. Doch als sie ihren Mann und seine Kühe kennenlernte, überlegte sie nicht lange und steckte all ihr Herzblut in den Hof mit mittlerweile 50 Kühen und Direktvermarktung. Mit 38 stieg sie dann Vollzeit im Betrieb ein. Und das mit der gleichen Leidenschaft wie für ihre Patienten in der Notaufnahme. „Die Notaufnahme hat ein kleines Trauma hinterlassen“, sagt denn auch Elisabeth, „es muss immer etwas los sein und alle müssen ständig in Bewegung sein.“ Langeweile kennt sie nicht, denn sie sprudelt nur so vor Ideen und Tatendrang.

Den Betrieb beständig weiterentwickeln

Am liebsten packt sie selbst mit an, so steht sie nun jeden Tag im Stall bei ihren Kühen im Boxenlaufstall, dort kümmert sie sich vor allem um die Kälber, die Liegeboxen und den Roboter, dabei spielt Sauberkeit und Tierwohl eine wichtige Rolle für sie.  Der Boxenlaufstall war ihr erstes Projekt, als sie auf den Betrieb zog. 1991 stellten sie von Anbindehaltung auf 50 Kühe im Boxenlaufstall um. Damals noch mit einem Melkstand, mittlerweile schon mit einem Melkroboter. 
Die Milch sowie die Eier aus drei Mobilställen und noch weitere Leckereien vermarktet die Familie mittlerweile über eine Milchtankstelle mit Regiomat. Auch eine Biogasanlage ist dank Elisabeths Engagement Teil des Betriebskonzept.   

Die Direktvermarktung bereitet Elisabeth Roidl viel Freude, denn sie liebt den Kontakt zu Menschen.  (Bildquelle: Exler)

Als nächstes ist eine neue Maschinenhalle geplant, denn auch auf dem Betrieb der Familie Roidl schreitet die Technisierung voran. Elisabeth mag nicht nur Kühe, sondern auch große Maschinen. Deshalb holte sie mit 45 Jahren den LKW-Führerschein nach, um ihren Mann in der Außenwirtschaft zu unterstützen. Mittlerweile schaut sie aber lieber den anderen Familienmitgliedern beim Trecker fahren zu, um mehr Zeit zum Planen zu haben. 

Bullen selbst vermarkten

Tierwohl ist ein wichtiges Thema für Familie Roidl. Viele Kühe und Kälber haben Namen und Elisabeth kennt die passenden Geschichten zu jedem einzelnen Tier. Die komplette Nachzucht bleibt auf dem Betrieb, auch die Bullen mästet die Familie selbst. „So können wir sicher gehen, dass es den Tieren gut geht“, sagt Elisabeth Roidl. Da es mit der Direktvermarktung gut läuft, überlegt sie nun, ein Kühlhaus zu bauen, um auch eigenes Fleisch direkt vermarkten zu können. 

Elisabeth Roidl und Nichte Regina schauen sich ein Kalb an. Zu jedem Kalb auf dem Betrieb gibt es eine eigene Geschichte, die gerne auf dem Hof erzählt wird.  (Bildquelle: Exler)

Ihre Inspiration nimmt sie aus verschiedenen Vorträgen oder Besuchen bei Berufskollegen mit. Bei der Umsetzung ihrer Projekte tüftelt ihr Mann dann die Details aus und ist für das technische und handwerkliche Knowhow verantwortlich. Und zusammen mit der Hilfe von Freunden und Familie setzen die beiden letztendlich alles in die Tat um. 
Auch wenn sie eigentlich schon in Rente ist, will sie den Betrieb weiterhin unterstützten, bevor ihn Nichte Regina zusammen mit ihrem Freund übernimmt. „Die beiden sollen sich hier verwirklichen können, dabei ist es am besten aus dem Bauch heraus zu entscheiden“, sagt sie und schaut zu Regina, „und am wichtigsten ist es, neugierig und interessiert zu bleiben – und das ist sie sowieso!“


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