Energie 

Mit Eigenstrom Melken und Füttern

Eine Milchkuh verbraucht ungefähr 500 kWh Strom im Jahr. Wie kann dieser Verbrauch umweltfreundlich gestaltet werden?  

Auf vielen Milchkuhbetrieben wird über Photovoltaik und/oder Biogas elektrische Energie erzeugt, die bisher überwiegend noch ins Netz eingespeist wird. Eine Überlegung ist es die Energie als Strom selbst zu nutzen, doch dafür muss sie speicherbar sein.  

Eigene Energie einzusetzen bedarf einer intelligenten Steuerung

Familie Demmel aus Königsdorf errichtete im Jahr 2020 einen Stall für bis zu 90 Kühe mit zwei Merlin Melkroboter von Lemmer Fullwood. Besonders wichtig ist ihnen die Tiergesundheit und die Arbeitseffizienz. Mit Biogas und Photovoltaik erzeugen sie viel Strom, den sie selbst nutzen möchten.
Doch neben den beiden AMS, der Milchkühlung und der Reinigung der Roboter, ist auch der weitere Stromverbrauch entsprechend hoch. Zusätzlich wird Strom für den Futtermischwagen und die beiden Hoftrucks benötigt, da diese alle elektronisch angetrieben werden. Dies wirkt sich aber positiv auf die Tiergesundheit aus, denn die elektrischen Antriebe sind leiser und verursachen keine Abgase im Stall. 
Eine mögliche Lösung bietet das FullEnergy Konzept, das Lemmer Fullwood seinen Milcherzeugern anbietet. Es besteht aus mehreren Komponenten und sorgt für einen möglichst effizienten Energieeinsatz.
  • Eiskühlung: Besonders bei der Milchkühlung wird auf Eigenenergie gesetzt. Diese wird genutzt, um einen Eisspeicher zu bilden, der die Milch beispielsweise nachts kühlt. Über den Tag hinweg wird mit eigner Energie ein Eis erzeugt, so dass die Milch über einen bestimmten Zeitraum ohne weiteren Strom gekühlt werden kann.
  • Schnelle Heißwasserreinigung: Eine Heißwasserreinigung dauert nur 6 bis 8 Minuten und funktioniert ohne Chemikalien. Diese Art der Reinigung arbeitet nach dem Prinzip der Hitzedesinfektion. Alle milchführenden Teile werden für mindestens zwei Minuten auf 77 Grad erhitzt. Zur Erzeugung von dem 98 Grad heißem Wasser können erneuerbare Energien oder auch bereits vorhandene Prozesswärme (bspw. Biogas) genutzt werden. Dadurch kann das Wasser vor Reinigungsbeginn auf bis zu 80 Grad erhitzt werden und nur die letzten 18 Grad müssen aus Netzbetrieb gewonnen werden. Dabei besitzt das System eine intelligente Steuerung und kann so den optimalen Startzeitpunkt sowie den minimalsten Energieverbrauch bestimmen.
Diese intelligente Steuerung ist das Herzstück des FullEnergy-Konzepts. Sie übernimmt als sogenanntes „Smart-Grid“ die Steuerung eines intelligenten Stromnetzes vernetzt und steuert die Stromerzeuger und elektrischen Verbraucher.
Die auf dem Milchkuhbetrieb erzeugte elektrische Energie kann auch in einem Lithium-Ionen-Akku gespeichert werden, so ist auch an regnerischen Tagen genügend Strom vorhanden. Familie Demmel besitzt beispielsweise einen 140 kW Akku, bei einem Strombedarf von ca. 70 kW Stunden pro Tag würden sie also ungefähr zwei Tage mit diesem Speicher auskommen. Durch diese automatischen Systeme kann die Eigenenergie viel effizienter und gezielter genutzt werden.

AMS und Fütterung zu 75% selbst „angetrieben“

Auch Familie Koch aus Aubing nahe München melkt mit einem Merlin-Roboter von Lemmer Fullwood. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung investierte die Familie auch in eine automatische Fütterung. 
Besonders von Vorteil sind hierbei die Möglichkeit für viele individuelle Futtermischungen und der geringe Platzbedarf am Futtertisch. Dieser kann mit der automatischen Fütterung viel schmaler geplant werden.
Ihre Energie gewinnt Familie Koch ausschließlich durch Photovoltaik. Mit ihren zwei Anlagen (30 kW und 105 kW) produzieren sie bereits 75% ihres gesamten Stromverbrauchs selbst und betreiben damit unter anderem den Melkroboter und die Fütterung.
Ziel ist es aus Sicht des Anbieters von Melk- und Stalltechnik einmal alle elektrischen Systeme im Stall intelligent miteinander zu verknüpfen, mit betriebseigener Energie zu versorgen und daraus ein Energiemanagementsystem zu entwickeln, welches den Stromverbrauch an die Herde anpasst.  
Die beiden Milchkuhbetriebe zeigen, dass es jetzt schon möglich ist, die Melk- und Stalltechnik (ausschließlich) mit betriebseigener Energie zu versorgen. Mit der Weiterentwicklung intelligenter Energie-Managementsysteme dürfte sich ein Weg zu energieautarken Milchkuhbetrieb auftun.


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