Elite Dairy Tour 2020

Bei Milchprofis zu Besuch – das war‘s!

Wie man hohe Leistungen im Kuhstall erreicht, lässt man sich am besten von Herdenmanagern der Spitzengruppe erklären! Das war die Elite Dairy Tour 2020. 

Wie lässt sich bei 250 Kühen der Zellgehalt unter die 100.000er-Marke drücken? Wie erreicht man ein Tagesgemelk von 40 Litern? Was muss getan werden, dass eine Melkroboterbox täglich 2.500 kg Milch melkt? 12.000 kg Milch pro Kuh und Jahr bei Weidegang, wie geht das? Warum laufen in manchen Herden so viele 100.000 kg Kühe?
Immer wieder hören wir in der Redaktion von solchen Superlativen. Kürzlich haben wir uns deshalb auf den Weg gemacht, um die Rezepte und Strategien zu finden, die hinter diesen außergewöhnlichen Leistungen stecken. Wir haben uns vorgenommen, Menschen nach ihren Erfolgsstrategien zu befragen, die hinter diesen hervorragenden Herdenleistungen stehen. Dazu sind wir einmal quer durch Deutschland gereist und haben bei insgesamt 13 Milchkuhbetrieben vorbeigeschaut, die zu den Besten in Deutschland gehören.
Das entscheidende Kriterium bei der Auswahl der Milchkuhbetriebe war aber nicht (allein) die Milchleistung, vielmehr legten wir Wert darauf, dass die Betriebsleiter das Optimum aus ihren Kuhherden herausholen. Wir wollten von den Milchprofis wissen, welche Maßnahmen im Herdenmanagement die Herden(-leistungen) in den vergangenen Jahren vorangebracht haben und ob sie ihre Zukunft auch weiterhin in der Milchproduktion sehen.

Hochleistende Fleckviehkühe bei Familie Kraus.  (Bildquelle: Veauthier)

Es gibt nicht das „eine“ System!

Um es vorwegzunehmen: Es war ungeheuer beeindruckend! Wir haben ausnahmslos hervorragend gemanagte Kuhherden vorgefunden, die sich durch hohe Milchleistungen bei einer gleichzeitig sehr guten Tiergesundheit auszeichnen (definiert u.a. durch hohe Lebenstagsleistungen und eine lange Nutzungsdauer). Auffällig war auch, wie vielfältig doch die Milchproduktion in Deutschland ist.
Es gibt nicht das eine System, das sich per „copy & paste“ von Betrieb A zu Betrieb B übertragen lässt (z.B. Holstein, eine maisbetonte Fütterung und ein neuer, geräumiger Kuhstall). Egal ob Holstein, Fleckvieh oder Braunvieh, egal ob Grünland oder Ackerbauregion, egal ob Altgebäude oder neuer Kuhstall, ob in einer alten Fischgräte, im Melkkarussell oder mit dem AMS gemolken wird, überall lässt sich wirtschaftlich Milch produzieren.
Geld mit der Milch verdienen, diesen Punkt haben die erfolgreichen Betriebsleiter immer wieder als ein Argument angeführt, warum sie Kühe halten und auch weiterhin halten wollen. Wenn die Produktion rund läuft, dann wirft die Milchproduktion auch etwas ab, sicherlich nicht immer genug, um die Vollkosten vollständig zu decken, aber doch so viel, um den Familien der Unternehmer ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen, ihre Mitarbeiter angemessen zu vergüten und auch noch den Betriebszweig Milchproduktion weiterzuentwickeln.

Viel Kuhkomfort in allen Betrieben = entspannte, leistungsfähige und gesunde Kühe!  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck )

10 von 13 Herden über 11.000 kg

Voraussetzung dafür ist eine hohe Milchleistung, gepaart mit einer guten Tiergesundheit. So lag die Herdenleistung in allen von uns besuchten Betrieben oberhalb der 10.000 kg-Schwelle, oftmals sogar über 11.000 kg Milch pro Kuh und Jahr – auch in reinen Fleckviehherden!
Aufgefallen sind uns insbesondere die hohen Lebenstagsleistungen, teilweise von über 20 kg Milch, sowie die Vielzahl von Kühen mit mehr als 80.000 kg Lebensleistung. Absolut beeindruckend war die Herde der Familie Kleemann im ostfriesischen Burhafe, in deren Herde (165 Kühe) 13 Hunderttonner mitlaufen. Aber auch wenn die Lebenstagsleistung mal nicht ganz so hoch ausfällt, dann liegt dies nicht an zu vielen Zwangsabgängen bzw. einer suboptimalen Tiergesundheit, sondern vielmehr an der bewusst getroffenen Entscheidung der Herdenmanager, aus rein wirtschaftlichen Gründen eine ältere Kuh durch eine Jungkuh zu ersetzen.
Der gute Gesundheitsstatus der Herden bzw. die geringe Anzahl an Zwangsremontierungen spiegelt sich auch in zwei weiteren Faktoren wieder: die nur verhältnismäßig kleinen (Stroh-)Abteile zur Unterbringung kranker Kühe (zumeist ziemlich leer) sowie in den vielen Zuchtvieh-Verkäufen. Die Erlöse aus den Tierverkäufen können zu einem nicht unerheblichen Teil zur Wirtschaftlichkeit des Betriebszweiges Milch beitragen.

Durch stetige Optimierungen lässt sich auch in Altgebäuden viel Milch melken.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Immer 120% geben!

Das ist uns sonst noch aufgefallen:
  • Die Leidenschaft für Milchkühe und der „besondere“ Blick auf die Tiere. Oft wird diese Begeisterung für Kühe auch auf die nachrückenden Generationen übertragen.Die Abwesenheit von Stress im Kuhstall sowie Konstanz und Gleichmäßigkeit bei allen Arbeitsabläufen!
  • Es werden immer 120% angestrebt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Eine Kuh, die zu lahmen beginnt, wird sogleich begutachtet (nicht erst am nächsten Tag), es gibt keine schlecht eingestreuten oder feuchten Liegeboxen. Die Futterqualität im Trog ist immer top! Schlechte Futterpartien werden schon im Silo, vor dem Beladen des Mischwagens, aussortiert. Zudem wird extrem viel Wert auf bestes Grundfutter gelegt. So wird beim Einsatz eines Lohnunternehmers die Qualität im Silo regelmäßig überwacht und bei Bedarf der Häckslerfahrer „ermahnt“. In einigen (wenigen) Betrieben wird aber auch eigene Erntetechnik vorgehalten. Besonders in grünlandreichen Lagen lässt sich so die optimale Futterqualität ernten.
  • Reproduktions- bzw. Anpaarungsentscheidungen werden in der Regel auf Einzeltierbasis getroffen, selbst in Herden mit mehreren Hundert Kühen. Auch dort zählt letztlich das Auge des Herrn! Auch werden Anpaarungen ganz bewusst getroffen, oft tierindividuell. Unterschiedliche Auffassungen gibt’s allerdings beim Thema Genomics. Während die einen die rein datenbasierte Zucht ablehnen, schwören die anderen darauf.
  • Gefüttert wird nicht mehr in Leistungsgruppen, sondern nur noch eine Ration für alle Melkenden. Der Wegfall des Futterwechsels ließ in vielen Herden die Leistung steigen.
  • Dreimaliges Melken ist ein Thema bei den hohen Milchleistungen, insbesondere aus Sicht des Tierwohls.
  • Die Jungviehaufzucht erfolgt sehr intensiv (ad-libitum-Tränke, Trocken-TMR). Die Zunahmen liegen nicht selten schon während der Tränkeperiode bei 1.000 g.
  • Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit externen Spezialisten (Beratern und Tierärzten). Die Offenheit, alle Aspekte der Milchproduktion immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, sich fortzubilden und immer wieder selbst zu hinterfragen.

Körperstarke, tiefe Kühe bei Familie Kleemann in Ostfriesland.  (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Unser Fazit: 

Beeindruckt haben uns das enorme produktionstechnische Know-how sowie das überragende Herdenmanagement, das sich in gesunden Kuhherden mit hohen Lebensleistungen widerspiegelt. Auffällig war auch das „Brennen” für die Kühe und die Milchproduktion, die klaren Visionen; zu sehen, mit welch großem Optimismus die Unternehmer in die Zukunft schauen – aller klimatischen und ordnungspolitischen Widrigkeiten zum Trotz!  

Die Betriebe: 

Making of… 

Unterstützt wurde die Elite Dairy Tour 2020 von: 

Sponsoren (Bildquelle: Elite)


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