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Ungeliebte Zwillinge

Zwillingsträchtigkeiten nehmen bei steigenden Milchleistungen zu und können viele Probleme mit sich ziehen. Eine rechtzeitige Diagnose und ein entsprechendes Management der Kühe sind wichtig.

Stefan Borchardt

Tierarzt

Geburtsschwierigkeiten, entsprechende Folgekrankheiten oder Fruchtbarkeitsstörungen und lebensschwache oder unfruchtbare (Kuh-)Kälber sind nur einige Probleme, die mit Zwillingsgeburten einhergehen können. Um Tiergesundheit und Leistung sicherzustellen, benötigen die betroffenen Kühe und Kälber besondere Aufmerksamkeit.Die meisten Untersuchungen gibt es von Holsteinkühen. Verschiedene Ergebnisse zeigen: 
  • Heute gibt es mehr Zwillinge als früher (fast 5 % aller Trächtigkeiten).
  • Besonders unilaterale Zwillinge (d. h. in einem ­Gebärmutterhorn) führen häufig zu Aborten und Schwergeburten.
  • Zwillingsträchtigkeiten entstehen zu 95 % durch Doppelovulationen, das heißt, dass zur Brunst mehr als ein Follikel ovuliert.
  • Die Trächtigkeitsdauer ist bei Zwillingsgeburten ungefähr sieben Tage kürzer. Dennoch gibt es eine große Streuung (Übersicht 1).

Die Trächtigkeitsdauer ist bei Zwillingsgeburten ungefähr sieben Tage kürzer. Dennoch gibt es eine große Streuung. (Bildquelle: Orb)

Mehr Milch, mehr Zwillinge

Der steigende Anteil von Zwillingsträchtigkeiten lässt sich mit der ebenso angestiegenen Milchleistung erklären: Hochleistende Kühe fressen entsprechend viel Futter, was zu einer intensiven Durchblutung der Leber führt. In der Leber werden vor allem auch die Sexualhormone verstoffwechselt, wie z. B. Progesteron. Durch die starke Durchblutung werden die Hormone schneller verstoffwechselt. Als Folge ist das Niveau im Blut niedriger. Bei einem ge­rin­gen Progesteron-Gehalt im Blut kommt es wiederum vermehrt vor, dass mehrere Follikel zeitgleich ovulieren. Schließlich können diese Doppelovulationen in Zwillingsträchtigkeiten resultieren (Übersicht 2). 

Bei steigenden Milchleistungen kommt es vermehrt zu Doppelovulationen, woraus zu 95 % Zwillingsträchtigkeiten entstehen. (Bildquelle: Orb)

Zeit für TU und Kuh

Um Zwillinge bei der Trächtigkeitsuntersuchung (TU) festzustellen, gilt: Ausreichend Zeit nehmen! Ein Hinweis für Zwillinge können zwei Gelbkörper (Ergebnis einer Doppelovulation) sein. Als Besonderheit kann es auch eine sogenannte „Twin Line“ geben, bei der die Fruchthüllen direkt aneinander liegen. Durch das erhöhte Risiko für Fruchtverluste ist eine Kontroll-TU in jedem Fall empfehlenswert.
Wer weiter auf hochleistende Kühe züchten möchte, muss Zwillinge in Kauf nehmen. Vorbeugend gibt es wenig bzw. kaum Möglichkeiten. Zum Teil können bestimmte Hormonprogramme (z. B. Double-Ovsynch; Einsatz von Progesteron) das Risiko für Zwillinge mindern. Letztlich bleibt aber vor allem die Identifikation und das Management dieser Kühe entscheidend. Sinnvolle Maßnahmen, um die Kühe zu unterstützen und eine produktive Laktation sicherzustellen, sind zum Beispiel:
  • Sieben Tage früher trockenstellen (und gesondert markieren)
  • Stoffwechsel prophylaktisch unterstützen (z.B. Kexxtone 21 Tage vor der Kalbung)
  • Calcium-Bolus zur Geburt
  • Propylenglykol in den ersten fünf Tagen nach der Geburt
  • Geburtshilfe!

Neues eLearning zu Zwillingsträchtigkeiten

Mehr Tipps und Wissenswertes zum Thema Zwillinge gibt es auch in unserem neuen eLearning „Das Problem: Zwillingsträchtigkeiten". Darin nennt Tierarzt Dr. Stefan Bochardt, Freie Universität Berlin, die Ursachen sowie den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand und zeigt Möglichkeiten der Diagnostik auf. Zudem erklärt er Prophylaxepläne, um die negativen Wirkungen von Zwillingen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu mindern.