MRSA

Krankenhauskeime auch im Kuhstall?

MRSA-Erreger können bei Kühen Mastitis auslösen und Infektionen beim Menschen verursachen.

Antibiotika sind wichtige Arzneimittel, um bakterielle Infektionen zu behandeln. Werden Bakterien resistent gegen Antibiotika, sind Infektionen schlechter behandelbar. Dies hat eine längere Krankheitsdauer und höhere Sterbe- bzw. Abgangsraten zur Folge. Methicillin resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind gegen mehrere Antibiotika resistent, sie wurden als sogenannte „Krankenhauskeime“ bei Menschen bekannt.

MRSA-Erreger können in der Milch, bei Jungtieren und in der Umwelt von Milchviehbetrieben vorkommen. (Bildquelle: Orb)

Ein bestimmter MRSA-Typ ­(Sequenz Typ (ST) 398) kommt häufig bei Nutztieren vor, er kann bei Kühen Mastitis verursachen. Dies ist problematisch, da MRSA-Keime gegen die meisten beim Rind zugelassenen Antibiotika resistent sind. Insbesondere die weit verbreitete Therapie mit Cloxacillin zum Trockenstellen ist bei der Bekämpfung von MRSA nicht wirksam. Um das Vorkommen und die Ver­breitung von MRSA in Milchvieh­betrieben genauer zu erforschen, wurden deutschlandweit 3.782 Proben von 20 Milchviehbetrieben auf das Vorkommen von MRSA untersucht. Die Betriebe wurden anhand von positiven MRSA-Befunden in Mastitisproben ausgewählt.
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Mängel in der Melkhygiene

Insgesamt wurden bei 7,9 % (47/597) der Kühe MRSA in einem oder mehreren Viertelgemelksproben nachgewiesen. Die durchschnittliche Zellzahl in den Viertelgemelken mit MRSA-Nachweis lag deutlich über dem Mittel aller Proben (345.000 vs 114.000 Zellen/ml). Somit ist davon auszugehen, dass MRSA-Keime, genauso wie nicht resistente S. aureus, Mastitis verursachen können.
In allen 20 Betrieben wurden Mängel in der Melkhy­giene festgestellt, in fünf Betrieben wurden MRSA in Zitzenbechern gefunden. Dies deutet darauf hin, dass die MRSA möglicherweise während des Melkens von Kuh zu Kuh und von Viertel zu Viertel übertragen werden.

 Jungtiere sind mögliche Infektionsquelle

Die MRSA-Nachweisrate in Nasentupfern von Tränkekälbern betrug 22,7 % (46/203) und bei abgesetzten ­Kälbern 9,1 % (17/187). In Nasentupferproben von Färsen lag die Nachweisrate bei 8,9 % (17/191) und in Tupferproben aus dem Schenkelspalt der Färsen bei 6,5 % (11/170). Jungtiere können somit eine mögliche Infektionsquelle für Kühe darstellen. Die hohe Nachweisrate bei den ­Tränkekälbern deutet darauf hin, dass MRSA über die vertränkte Milch übertragen werden könnten.
In 25 % der Staubproben aus den Kuhställen wurden MRSA nachgewiesen. Auf fünf der 20 Betriebe wurden auch Schweine gehalten, MRSA konnte aber nur in zwei Schweineställen nachgewiesen werden. Ob Schweine ein mögliches „MRSA-Reservoir“ für Kühe darstellen, konnte nicht aufgeklärt werden. 

42 % der Mitarbeiter „infiziert“

In sieben Betrieben wurden 14 Nasentupfer vom ­Personal gesammelt. Davon waren sechs Proben (42,9 %) MRSA positiv. In Einzelfällen können MRSA ST398 ernsthafte Infektionen beim Menschen verursachen. Da Personen mit Kontakt zu Nutztieren ein erhöhtes Risiko haben, mit MRSA ST398 besiedelt zu sein, sollten sich solche Personen vor medizinischen Eingriffen testen lassen. MRSA können vor Operationen aus dem Nasenraum entfernt werden, um eine Übertragung in Wunden zu verhindern.
Um das Risiko für die MRSA-Einschleppung in den ­Betrieb zu minimieren, sind folgende Biosicherheitsmaßnahmen zu empfehlen:
  • Direkten und indirekten Kontakt zwischen Kühen und Schweinen oder anderen Tierarten vermeiden.
  • Keine Färsen oder Kühe zukaufen (geschlossene Herde).
  • Externe Personen keinen direkten Kontakt zu den Jungtieren und Kühen ermöglichen, insbesondere nicht im Melkstand.
Quelle: Arne Schnitt et al., 2020 (Bundesinstitut für Risikobewertung)


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