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Vorsicht, hier kommt SARA

Magere Kühe, Lahmheiten, schlechte Futtereffizienz: Wo dies zum Problem wird, liegt Pansenazidose vor. Mit energiereichen Rationen und einem immer anspruchsvolleren Fütterungsmanagement rückt diese Übersäuerung des Pansens stärker in den Fokus. Im Zuge der TMR-Fütterung ist besonders die sogenannte subakute Pansenazidose (SARA) wichtiger geworden.

Bei einer subakuten Pansenazidose (SARA) sinkt der pH-Wert immer wieder auf Werte von 5,5 oder geringer und kehrt dann wieder auf Werte von 6,0 und darüber zurück. SARA ist somit eine wiederkehrende Übersäuerung, die die effektive Pansenverdauung immer wieder unterbricht und das Tier wiederholt mit Milchsäure angreift. Begünstigt wird eine subakute Pansenazidose durch folgende Risikofaktoren:

Rationskalkulation

  • Strukturierte Rohfaser unter 10 %
  • Futterrationen mit hohem Anteil schnell abbaubarer Kohlenhydrate
  • Fehlkalkulation der TS-Aufnahme

Haltungssystem

  • Zu weites Tier-Fressplatz-Verhältnis (> 1:1,2)
  • Mangelnder Kuhkomfort (mehr als 20 % der Kühe stehen in der Box)
  • Ungünstiges Stallklima

Tierfaktoren

  • Rangkämpfe in der Herde
  • Lahmheiten
  • Prädisposition für Stoffwechselerkrankungen (hohe Körperkondition)

Technische Faktoren

  • Zu langes Mischen im Futtermischwagen
  • Strukturkomponenten zu lang oder zu kurz (z.B. Stroh < 3 cm bzw. > 5 cm)
  • Ungenaue Mischung der TMR

Folgen schwer abschätzbar

Die Auswirkungen einer subakuten Pansenazidose lassen sich nur schwer erfassen, da sie sich mit zeitlichem Abstand darstellen (wie z.B. bei Lahmheiten in Folge von Klauenrehe) oder in einem Erkrankungskomplex mitwirken, wie zum Beispiel bei Stoffwechselerkrankungen. Die Verringerung der Futtereffizienz wird auf etwa 10 % geschätzt. Gründe dafür sind der schlechtere Energieumsatz und die geringere Bildung vom Protein im Pansen. Gerade bei Frischmelkern kann SARA die negative Energiebilanz (NEB) zu Beginn der Laktation verstärken, was das Auftreten von Stoffwechselerkrankungen wie Ketose oder Milchfieber begünstigt. Da die NEB die Immunabwehr beeinträchtigt, ist zudem mit einem höheren Vorkommen von Infektionserkrankungen wie Mastitiden oder Gebärmutterentzündungen zu rechnen.

Durch die zentrale Rolle des Pansens im Stoffwechsel des Rindes haben subakute Pansenazidosen mithin Einfluss auf die Gesamtgesundheit des Tieres, auch wenn dies im Einzelfall nur schwer nachzuweisen ist. Die Kosten, die Pansenazidosen verursachen, können daher auch nur vorsichtig abgeschätzt werden. Eine Reduktion der Futtereffizienz wird aber alleine Kosten bei der Fütterung in Höhe von etwa 30 ct pro 100 kg Milch verursachen. Es kann in Folge von vermehrten Lahmheiten, Stoffwechselerkrankungen und Infektionen zu Verlusten kommen, die mit insgesamt 1,00 bis 2,00 € pro 100 kg Milch veranschlagt werden müssen.

Quelle: Dr. med. vet. Joachim Kleen, Uplengen