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Ökologische Milchviehhaltung

Sind Bio-Milchkühe wirklich gesünder?

Die Gesunderhaltung der Kühe durch eine möglichst artgerechte Haltung und Fütterung ist ein wichtiges Ziel der ökologischen Landwirtschaft. Doch trotz dieser Bemühungen liegt die Zahl klassischer Erkrankungen wie Mastitis oder Stoffwechselstörungen auf ähnlich hohem Niveau wie in konventionellen Herden. Das konnte nun im Rahmen einer bundesweiten Studie festgestellt werden.

Das Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) deckte im Rahmen einer dreijährigen Untersuchung Defizite in der Gesundheit von ökologisch gehaltenen Milchkühen auf. Gleichzeitig macht sie jedoch deutlich, dass durch gezielte Managementänderungen Verbesserungen erzielt werden können. Zur Studie wurden bundesweit 106 Laufstallbetriebe mit über 20 Kühen herangezogen, die seit mindestens zwei Jahren ökologisch wirtschaften.

Der Gesundheitsstatus der Kühe wurde auf allen Öko-Betrieben umfassend aufgenommen. Dazu wurden sämtliche Daten aus den Stallbüchern und der Milchleistungsprüfung herangezogen. Viertelgemelksproben wurden zytobakteriologisch untersucht und die Körperkondition der Kühe bewertet. Melkroutine, Haltungssystem und stallbauliche Voraussetzungen sowie das Fütterungsmanagement sind ebenfalls mit eingeflossen. Anhand dieser Daten wurden Schwachstellen aufgedeckt und betriebsindividuelle Optimierungsstrategien entwickelt. Hier die Ergebnisse:

  • Mastitis: Im Durchschnitt aller Herden litten nach der ersten Datenerhebung 16,9 % der Kühe unter einer klinischen Mastitis. Zwischen den einzelnen Herden wurden jedoch große Unterschiede festgestellt. Während in manchen Herden kaum Antibiotika zur Behandlung notwendig waren, kamen andere nicht ohne aus. Hier machten sich vor allem die unterschiedlichen Hygienestandards im Stallbereich und beim Melken bemerkbar. Durch gezielte Maßnahmen konnte der durchschnittliche Anteil der behandelten Mastitisfälle auf 13,5 % gesenkt werden. Als kurzfristige strategische Maßnahme wurden Trockensteller herangezogen, mittelfristig sorgten Verbesserungen in der Stall- und Euterhygiene für sinkende Zellzahlen.
  • Mastitis-Neuinfektionsrate: Wie in konventionell wirtschaftenden Betrieben lag die Neuinfektionsrate auch auf den Biobetrieben während der Trockenstehphase auf sehr hohem Niveau. Durchschnittlich infizierten sich in dieser Zeit 28 % der Kühe mit Mastitis, diese Rate schwankte jedoch von Betrieb zu Betrieb. Hier machte sich vor allem das jeweilige Niveau der Stallhygiene bemerkbar.
  • Zellzahl: Der große Unterschied zwischen den einzelnen Betrieben setzte sich auch bei den Zellzahlen fort. Hier lag der Durchschnitt bei 272.000 Zellen/ml, während die besten Betriebe 92.000 Zellen/ml aufweisen konnten und die schlechtesten 761.000 Zellen/ml. Das entspricht ebenfalls dem Niveau von konventionellen Herden. Eine Senkung der durchschnittlichen Zellzahlen auf 250.000 konnte durch gezielte Verbesserungen in der Hygiene erreicht werden. Dazu zählte unter anderem ein häufigeres Einstreuen des Liegebereichs, die Trennung von Fress- und Liegebereich und die Optimierung der Euterhygiene. Entscheidend war dabei die Kombination der einzelnen Maßnahmen. Der Anteil der Kühe über 100.000 Zellen/ml konnte so von 57 auf 51 % gesenkt werden.
  • Stoffwechselgesundheit: Labmagenverlagerungen und Azidosen traten kaum auf. Ein häufiges Problem hingegen war ein Energiemangel in der frühen Laktationsphase. Der Anteil der Kühe mit Verdacht auf Energiemangel in den ersten 100 Laktationstagen lag im 1. Untersuchungsjahr bei über 15 %. Gründe dafür waren eine zu geringe Energiedichte im Futter, eine zu geringe Futteraufnahme nach der Kalbung und eine zu energiereiche Fütterung in der Trockenstehphase.
  • Gebärparese: In der ökologischen Milchviehhaltung treten Gebärparesen relativ häufig auf. 6,3 % aller Tiere waren zu Beginn der Studie davon betroffen. Durch eine calcium- und kaliumarme Fütterung in der Trockenstehphase und der Verabreichung eines Calcium-Bolus konnte die Krankheitshäufigkeit auf 4,9 % gesenkt werden.

Quelle: Jürgen Beckhoff (Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt)