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Wellness oder Stress - sollen Kühe auf die Weide?

Am Versuchszentrum Futterkamp in Schleswig-Holstein ist ein Versuch angelaufen, in dem der Einfluss der Weidehaltung auf Hochleistungskühe getestet werden soll. Ziel der Untersuchung sei es, die Vor- und Nachteile beider Systeme im Hinblick auf Tierwohl, Kosten und Leistung miteinander zu vergleichen.

Weidehaltung bestimmt weitgehend das Image der Milchbranche in der Gesellschaft. „77 Prozent der Deutschen können sich ein Bild ohne weidende Kühe nicht vorstellen“, so erläuterte unlängst Arno Krause vom Grünlandzentrum Niedersachsen. „Wenn der aktuelle Trend sich fortsetzt, wird die Weidehaltung weiter abnehmen“, warnte der Grünlandzentrum-Geschäftsführer.

Aber wie gut ist es wirklich für Milchkühe, wenn sie einen Teil des Tages auf der Weide verbringen? Wie wirkt sich der tägliche Gang auf die Weide auf die Leistung, das Verhalten und das Wohlbefinden der Kühe aus? Und ist die Mehrarbeit überhaupt lohnenswert? Auf all diese Fragen soll ein aktueller Versuch der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Antworten finden.

120 Tage auf der Weide

36 Hochleistungskühe der Herde des Lehr- und Versuchszentrums (LVZ) Futterkamp im Kreis Plön gehen seit wenigen Tagen täglich sechs Stunden auf die Weide. Den Tieren wird zudem im Stall morgens und abends eine Mischration aus Gras- und Maissilage, Getreide und Rapsschrot angeboten. Die Weide wird als Standweide genutzt, sodass den Kühen über die gesamte Weideperiode nur das Gras einer Fläche zur Verfügung steht.

Weitere 36 Tiere bleiben komplett im Laufstall mit hohem Kuhkomfort. Die Tiere beider Gruppen sind in ihrer Milchleistung vergleichbar. Der Versuch soll vier Monate andauern, denn nach 120 Tagen im Jahr auf der Weide gilt Milch als Weidemilch.

Während des gesamten Zeitraums wird kontinuierlich überprüft, wie viel die Tiere fressen und trinken und wie viel sie wiegen. Außerdem wird einmal im Monat die Körperkondition der Tiere bewertet. Es wird zudem protokolliert, wie viel Milch die Kühe geben und welche Inhaltsstoffe diese hat. So wollen die Experten herausfinden, wie sich Weidehaltung auf das Wohlbefinden der Tiere auswirkt.

Wirtschaftlichkeit im Fokus

Ein zweiter Aspekt des Versuchs ist die Wirtschaftlichkeit der Weidehaltung. Die Landwirtschaftskammer geht davon, dass Milchkühe auf der Weide weniger Milch geben als im Stall (die ersten Daten bestätigen diese Hypothese), weil es für die Tiere anstrengender ist, vom Boden zu fressen. Und wer weniger frisst, produziert weniger Milch. Natürlich können auch die Weidetiere abends im Stall Mischfutter fressen.

Außerdem - so die Hypothese der Landwirtschaftskammer - bedeutet der tägliche Weidegang für die Herdenbetreuer mehr Arbeit, da sie die Kühe täglich auf die Weide bringen müssen. Ob das wirklich stimmt, soll der Versuch aufzeigen, denn wegen des Weidegangs muss schließlich auch weniger Gras einsiliert werden.

Die Ergebnisse des Versuchs soll Landwirten, die darüber nachdenken, Weidemilch zu produzieren, bei ihrer Entscheidung helfen.

Einen Bericht des NDR über das Forschungsprojekt finden Sie hier

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Label „PRO WEIDELAND“

Um Weidehaltung als naturnahe Haltungsform mit ihren positiven Einflüssen auf Umweltschutz, Tierwohl und Biodiversität zu stärken und die Vielfältigkeit der Produktionssysteme in der Milchwirtschaft zu erhalten, führte das Grünlandzentrum Niedersachsen bereits 2015 das Label „PRO WEIDELAND“ ein. Das Label regelt die Vorgaben für Weidemilch, für die es EU-weit keine einheitlichen Kriterien gibt. Bei Verbrauchern gelte es als Label der Wahl für Weidemilch und sei das einzige, das einen De-Facto-Standard geschaffen habe, erläuterte der Grünlandzentrum-Geschäftsführer Kruse. Hinter dem Label steht als Abbild der Gesellschaft eine große Gemeinschaft aus Stakeholdern, zu der Vertreter aus Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz sowie Wissenschaft und Politik zählen.

Quelle: LWK Schleswig-Holstein, NDR

Bearbeitet: Veauthier