Warum sind die Biomilchpreise eigenständig und stabil?

Die Biomilchpreise haben sich von der Entwicklung am konventionellen Milchmarkt abgesetzt und halten sich die letzten Jahre auf hohem Niveau stabil. Das war nicht immer so. Wie das erreicht werden konnte, erklärt Rüdiger Brügmann von Bioland e.V.

.
Rüdiger Brügmann ist verantwortlich für den bundesweiten Biomilch-Preispiegel, der im Jahr 2003 als Grundlage für den Informationsfluss und die Transparenz im Biomilchmarkt von Bioland eingeführt wurde. Die Auswertung wird monatlich auf www.biomilchpreise.de veröffentlicht.
1 Durchschnittliche Milchpreise in Deutschland bis 2017
.
Rüdiger Brügmann ist verantwortlich für den bundesweiten Biomilch-Preispiegel, der im Jahr 2003 als Grundlage für den Informationsfluss und die Transparenz im Biomilchmarkt von Bioland eingeführt wurde. Die Auswertung wird monatlich auf www.biomilchpreise.de veröffentlicht.
1 Durchschnittliche Milchpreise in Deutschland bis 2017

In 2018 wurde ein Jahresdurchschnittspreis von 48,4 Cent für Biomilch erreicht, in den ersten Monaten von 2019 sind die Preise leicht auf das Niveau von 47,5 Cent gesunken. (Bildquelle: Bioland)

Milcherzeugervertretungen und Molkereien arbeiten partnerschaftlich

Dass sich die Biomilchpreise ab dem Jahr 2004 zunehmend eigenständig entwickelten führt Rüdiger Brügmann auf die stetigen Aktivitäten der Bioliefergruppen und deren Biomilchvertreter zurück. Ein Rückblick:
  • Für bundesweite Treffen und den gemeinsamen Austausch der regionalen Biomilchvertreter wird seit 2001 die Fachmesse BioFach als gemeinsame Plattform genutzt. Wie sich die verschiedenen regionalen Gruppen dabei anfangs organisierten war unwichtig, bedeutsam war und ist, dass gewählte Vertreter der Biomilchlieferanten mit ihren Molkereien in Gespräche und Verhandlungen eintreten. Die meisten der Molkereien (auch die genossenschaftlich organisierten) akzeptieren diesen Wunsch nach Mitsprache und Transparenz.
  • 2003 wurde das überverbandliche Aktionsbündnis Biomilch" gegründet und vom Bioland e.V. die Koordinationsstelle Biomilch eingerichtet, die die Grundlage für den Informationsfluss und die Transparenz im Biomilchmarkt legte, schreibt Rüdiger Brügmann.
  • Durch einen gemeinsamen Warnstreik, Kündigungswellen und eine Resolution wurde weiterer Druck auf die Molkereien aufgebaut, sodass sich zunehmend Milchverarbeiter dazu bereit erklärten, den Biomilchzuschlag abzuschaffen und eigene Biomilchpreise auszuwerten und zu verhandeln. So konnten sich die Biomilchpreise in der Krise 2009 zwar noch nicht so unabhängig wie heute von den konventionellen Milchpreisen bewegen, aber das Preisniveau deutlich höher halten.
  • Ende 2007 wurden die großen Biomilcherzeugergemeinschaften Nord und Süd gegründet.
  • Durch ein Projekt Preisgestaltung bei der Bio-Milch, in dem im Zeitraum 2010 bis 2012 Vertreter von Handel, Molkereien und Bioverbänden gemeinsam mit der Uni Göttingen arbeiteten, konnte gezeigt werden, dass die Nachfrage und damit der Markt für Biomilch eigenständig wächst.
  • In der Milchkrise 2015/16 am konventionellen Markt konnte sich Biomilch dann als abgekoppelt erweisen, der Preis stieg sogar leicht an.

Fazit 1: Preise müssen verhandelt werden. Die Vernetzung von Milcherzeugern ist dafür wichtig. Aus Sicht der Bio-MEG Süd ist es für ein wirksames Verhandeln von Preisen und der Diskussion von Entwicklungen und Zielen notwendig, dass die Vertreter der Milcherzeuger einen tiefen Informationsstand über den Markt haben. Dies ist in der MEG möglich, da sie nicht nur Verträge mit Privatmolkereien hat, sondern auch die Interessen ihrer Mitglieder in genossenschaftlichen Lieferstrukturen vertritt. Auch die Transparenz der Preise ist wichtig. Ziel der Bio-Milcherzeugergemeinschaften ist es, die Abliefermentalität" hinter sich zu lassen und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Molkereien die Preis- und Mengenentwicklung mit zu gestalten. Die Preisstabilität bei Biomilch ist auf dieses veränderte Miteinander zwischen den Marktpartnern zurückzuführen. Weiterhin ist ausschlaggebend, dass Biomilch auch im Discount noch hochpreisig verkauft wird. Die Preisdifferenz zur Markenware ist gering. Das ist der entscheidende Unterschied zu konventioneller Milch, die im Discount-/Handelsmarkensegment unter dem Wert angeboten wird.

Strenge und konsequente Mengenregulierung seitens der Molkereien

Mit dem Ende Milchquote ist eine Orientierung und Mengensteuerung für die Molkereien weggefallen. Um das Entstehen von Übermengen zu verhindern, machen laut Rüdiger Brügmann praktisch" alle Biomilchmolkereien inzwischen regelmäßig Mengenabfragen und Mitteilungen in ihren Rundschreiben und auf Versammlungen zu den eigenen Entwicklungen und Bedarfsmengen. Bein einigen Molkereien kommen zudem Vereinbarungen zu Mengenregulierungen, festgelegt in Lieferverträgen, hinzu. Wollen Milcherzeugerbetriebe wachsen, müssen sie das ihrer Molkerei mitteilen, teilweise beantragen und sich genehmigen lassen. Sollten Übermengen entstehen, so greifen unterschiedliche Preissysteme. Oberstes Ziel ist es aber, dass Übermengen erst gar nicht produziert werden. Diese Mengen- und Preisregelungen werden zwischen Molkereien und den Vertretern der Bioliefergruppen einvernehmlich besprochen und vereinbart. Bei reinen Biomolkereien ist das einfacher, als bei Gemischtmolkereien, die dieser Entwicklung teilweise noch hinterherhinken.
Zur Mengenplanung gehört gleichermaßen, neue Lieferanten (i.d.R. Umstellerbetriebe) nur aufzunehmen, wenn Kapazitäten frei werden oder durch wachsende Nachfrage geschaffen werden können.
Fazit 2: Themen wie Mengen, Bedarf und Überschuss müssen offen angesprochen werden. Molkereien und Lieferanten stehen hier in der Verantwortung. Dazu gehört auch, dass Instrumente zur Mengensteuerung Bestandteil von Lieferverträgen sind.
Den vollständigen Artikel als pdf können Sie unter dem folgenden Link herunterladen:
Hintergrund-Infos zum Biomilchmarkt: In keinem EU-Land wird mit 1.118 Mio. kg Milch pro Jahr (in 2018, Zuwachs zum Vorjahr +19%) so viel Biomilch erzeugt wie in Deutschland. Der Anteil an der Gesamtmilchproduktion liegt bei etwa 3,5 %. Die meiste Biomilch wird mit jeweils rund 50 % der Gesamtmenge in Bayern erzeugt. Mit 46 Molkereistandorten (2017) ist eine Erfassung von Biokuhmilch mittlerweile bundesweit möglich. Rund 85% der Biomilch wird von 18 Molkereien erfasst und etwa 90 % der Biomilch wird in Deutschland verbandsgebunden erzeugt. In den Jahren 2005/2006 ist die Nachfrage nach Biomilchprodukten stärker angewachsen, sodass zunehmend Biomilch aus Dänemark und Österreich importiert wurde. Im Jahr 2017 lag die Importquote bei rund einem Drittel.
Quelle: biomilchpreise.de


Mehr zu dem Thema


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen