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Gesundheitsmanagement

Wann und warum Gesundheitsdaten erfassen?

Wird die Gesundheit der Kühe dokumentiert, können Sie langfristig Zeit und Geld für die Behandlung einsparen. Deswegen: Gesundheitsdaten sammeln, dokumentieren, auswerten und nutzen! Tipps, welche Daten Sie wann dokumentieren sollten.

Viele Rinderkrankheiten bedingen sich gegenseitig und können sich bis weit in die Laktation hinein wie eine Lawine aufbauen. Kommen Kühe z.B. nicht gut durch die Trockenstehphase, können sie Milchfieber, Ketosen und allgemein schlechte Abwehrkräfte entwickeln. Damit steigt das Risiko von vorzeitigen Merzungen in der Frühlaktation sowie das Risiko von Infektionen und organischen Funktionsstörungen in der Hochleistungszeit. Diese Probleme können sich bis in die Altmelkerphase hinein ziehen und hier wiederum die gesundheitsbedingten Abgänge erhöhen.

Die Bedeutung eines guten Gesundheitsmanagements wurde in Rendsburg bei einer Infoveranstaltung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Rinderzucht Schleswig-Holstein diskutiert. Wer gesunde Kühe managen will, muss fachgerecht dokumentieren, erklären Sabrina Diestelow (LVZ Futterkamp) und Dr. Regina von Leesen (RSH). Die beiden Wissenschaftlerinnen berichten, dass erfassste Daten oft nicht genutzt werden, weil Landwirte teilweise nur den Zeitaufwand sehen, weniger den langfristigen Nutzen. Dabei lohnt es die Nutzung von Gesundheitsdaten. Denn mit Zahlen und Fakten finden Sie die Ursachen für Krankheiten schneller als über Ihr Bauchgefühl!

Um welche Daten geht es?

Gesundheitsdaten sind alle Zahlen und Daten, die eine Aussage über die Gesundheit Ihrer Kühe geben. Dazu gehören: MLP-Daten, Tierarztdiagnosen und Befunde der Klauenpfleger sowie Labordaten. Auch Daten, die Sie als Landwirt selber oder mit technischen Hilfsmitteln erheben, gehören dazu, z.B. der BCS. Wenn Sie diese Daten kennen und in Ihre Entscheidungen mit einbeziehen, können Sie die Kuhgesundheit und damit die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs langfristig verbessern.

Eine wichtige Quelle für Gesundheitsdaten ist der MLP-Bericht, den es in einigen Bundesländern auch online einzusehen gibt. Dieser enthält Milchmenge, Fett- und Eiweiß-Gehalt, Fett-Eiweiß-Quotient sowie Harnstoff- und Zellzahlgehalte in der Milch der einzelnen Kühe. An diesen Zahlen können Sie bereits erste Tendenzen über den Gesundheitsstatus Ihrer Kuh ablesen. Der Fett-Eiweiß-Quotient beispielsweise sollte zwischen 1,0 und 1,4 liegen. Liegt er niedriger, könnte der Pansen übersäuert sein. Liegt er höher als 1,4, ist die Kuh ketotisch. Das Ketoserisiko besteht bei Frischmelkern immer, deswegen sollten Sie bei dieser Kuhgruppe grundsätzlich einen Bluttest durchführen.

Technische Hilfsmittel einsetzen

Außerdem können Sie die tägliche Milchmenge Ihrer Kühe über eine Milchmengenmessung im Melkstand beobachten. Einem geschulten Melker fallen Leistungsunterschiede zwischen den Melkzeiten auf. Fällt die Leistung ab, ist das meist ein erster Hinweis auf eine gestörte Kuhgesundheit. Ein kritischer Kontrollpunkt bei der Milchmenge ist außerdem der Wechsel von der zweiten in die dritte Laktation. Die Kühe sollten in der dritten Laktation deutlich mehr Milch geben als in der zweiten. Ist dieses nicht der Fall, ist dieses ebenfalls ein Hinweis für Störungen in der Kuhgesundheit.

Auch Aktivität und Wiederkauverhalten der Kühe sind sehr nützliche Indikatoren. Bei der Erfassung ist der Einsatz von Messtechnik mehr als hilfreich – diese Daten kann man systematisch nicht manuell erfassen. Wichtig ist es, dass die Daten von den Erfassungsprogrammen leicht überschaubar und verständlich ausgewertet werden und Berichte auch über das Smartphone abgerufen werden können. Sonst entstehen im Stallbüro schnell Papierberge und die Daten gehen ungenutzt unter.

Darüber hinaus gibt es Daten, die Sie als Landwirt selber erheben können (und auch sollten). Der BCS hilft bei der langfristigen Beurteilung der Körperkondition. Wenn Sie ihn manuell erfassen, sollten Sie die Daten auch einpflegen, z.B. in eine Exceltabelle. Damit können Sie Veränderungen bei einzelnen Kühen auf einen Blick erkennen. Es gibt auch automatische BCS-Erfassungssysteme, die in der Praxis jedoch noch nicht weit verbreitet sind. Für die BCS-Bewertung eignen sich z.B. diese drei Zeitpunkte: Kurz vor der Kalbung, nach der Hochleistungsphase und vor dem Trockenstellen. Wichtig dabei ist, dass es immer dieselbe Person ist, die die Kühe einschätzt.

Dokumentieren Sie zudem analog zum Klauenpfleger die Klauenbefunde, am besten dokumentieren Sie diese digital. In der Regel geben die Klauenpfleger Klauenberichte aus. Wenn nicht, sollten Sie diese einfordern oder während der Kauenpflege mitschreiben. Zudem sollten Sie Ihre Kühe immer wieder auf Technopathien untersuchen, mindestens jedoch gezielt zweimal während der Laktation. Finden Sie an Widerrist, Karpal- und Sprunggelenken kahle Stellen, Wunden oder Schwellungen? Dann dokumentieren Sie auch diese Veränderungen!

Gesundheitsdaten mit Zielen abgleichen

Alle gesammelten Einzeldaten über die Gesundheit der Kuh sollten Sie stets verschriftlichen. Um dabei Papierberge im Stallbüro zu vermeiden, empfehlen sich dafür digitale Programme. Ganz wichtig ist beim Gesundheitsmanagement: Stets strategisch arbeiten. Das bedeutet für die Dokumentation: Alle machen das gleiche und haben dieselben Abläufe bei der Dokumentation. Nur so kann jede einzelne Kuh kontrolliert werden.

Und wie nutzen Sie diese Daten am besten? Stellen Sie Zielzahlen auf. Für die Zellzahlen kann das Ziel z.B. maximal 170.000 Zellen/ml sein. Vergleichen Sie die Zielwerte mit den tatsächlichen Werten aus dem MLP-Bericht. Dann können Sie standardisierte Entscheidungen treffen, und z.B. Kühe mit chronisch hohen Zellzahlen über 170.000 aussortieren und somit die Herdenzellzahl langfristig senken.

Das wichtigste bei der Erfassung und Dokumentation von Gesundheitsdaten bleibt jedoch: Man muss es auch machen! Denn nur, wer seine Entscheidungen auf Zahlen und Fakten basiert, kann zielgerichtet die Ursachen von Krankheiten bekämpfen und damit langfristig die Produktionskosten senken.

Quelle: Sabrina Diestelow, Dr. Regina von Leesen,

"Gesundheitsmanagement - Grundvorausssetzung für die wirtschaftliche Milchviehhaltung", Infoveranstaltung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Rinderzucht Schleswig-Holstein am 19.11.2018 in Rendsburg.