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Die EU-Milchmenge drückt in 2018 das Preisniveau

Die Geschäftsführerin der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung, Monika Wohlfarth, sieht verhaltene Aussichten für das Milchjahr 2018. Sie erwartet angesichts der aktuell steigenden Milchanlieferungen in der EU in der zweiten Jahreshälfte niedrige Milchpreise.

Monika Wohlfarth, Foto: dfv
Die Aussichten für die deutschen Milcherzeuger haben sich gegenüber Ende 2017 zwar etwas verbessert, bleiben auf längere Sicht aber "getrübt". Die Geschäftsführerin der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB), Monika Wohlfarth berichtete vergangene Woche (27.2.) in Koblenz, dass derzeit vor allem das ungewöhnlich hohe Niveau der Butterpreise sowie die Käsenotierungen die Milchverwertung insgesamt stützen.

Dem entgegen stehe allerdings eine EU-Milchanlieferung, die voraussichtlich in 2018 um 2,0 Mio. t steigen wird. Der Anstieg dürfte sich dabei auf das erste Halbjahr konzentrieren. In der zweiten Jahreshälfte sei angesichts der dann wieder niedrigeren Milchpreise von einer Stagnation der Milchanlieferungen auszugehen, so Wohlfarth.

Zusätzliche Milchmengen können nur im Export untergebracht werden!

Gleichzeitig zu dieser Entwicklung nehme der Konsum von Milchprodukten und vor allem der von Trinkmilch in der EU tendenziell ab. Die zusätzlichen Milchmengen können der Marktexpertin zufolge nur im Export untergebracht werden. Gleichzeitig wachse aber auch die Milcherzeugung in den USA. Das lasse von dieser Seite ein aggressives Angebotsverhalten am Weltmarkt erwarten. Der starke Euro verteuere außerdem die EU-Exporte. Erschwerend hinzu kommt, dass innerhalb der EU-Staaten der Selbstversorgungsgrad von Importländern zunimmt. Die hohen Bestände an Magermilchpulver belasteten den Markt in der Ländergemeinschaft weiterhin.

Ein Lichtblick ist laut Wohlfarth das erwartete stärkere Wachstum der Weltwirtschaft, woraus sich ein positives Nachfragevorzeichen am Weltmarkt ableiten lasse. Das Angebot aus Neuseeland entwickle sich zudem derzeit rückläufig, was Exporte der EU begünstige. Auch Südamerika exportiere weniger als in der Vergangenheit. Die höheren Rohölpreise dürften der Expertin zufolge ebenfalls die Nachfrage aus den erdölexportierenden Ländern stützen. Auch die Importnachfrage in China werde in diesem Jahr wahrscheinlich wieder steigen.

Wachstum der Milcherzeugung konzentriert sich auf die Nordhalbkugel

Das Milchangebot in den Exportländern sei 2017 insgesamt um 4,3 Mio. t gestiegen, während sich das Plus 2016 auf nur 200.000 t belaufen habe, berichtet Wohlfarth. Das Mengenwachstum konzentrierte sich dabei weitestgehend auf die Nordhalbkugel. Neuseeland habe seine bisherige Höchstproduktion 2014 erreicht, seitdem sei die dortige Produktion nicht mehr gewachsen. Als Ursachen dafür nennt Wohlfarth gestiegene Umweltanforderungen, schlechte Witterungsverhältnisse und niedrigere Milchpreise.

Unterdessen sei auch in China die Milcherzeugung in den vergangenen zwei Jahren leicht gesunken und habe 2017 laut vorläufigen Zahlen 35,7 Mio. t erreicht, nach 36,0 Mio. t im Vorjahr. Seit 2016 wüchsen die chinesischen Importe wieder. Eingeführt werde verstärkt Butter, Käse und vor allem Molkenpulver. Vollmilchpulver scheine das Niveau von 2014 indes nicht mehr zu erreichen. Auch die Importe von abgepackter Trinkmilch, vor allem in kleinen Packungen, hätten zugelegt.

Das Mengenwachstum in Deutschland ist aktuell schwer einzuschätzen

Das Gesamtwachstum innerhalb der EU hat sich 2017 laut Wohlfarth auf 2,7 Mio. t belaufen, Motivator dieses Wachstums seien vor allem die deutlich höheren Milchpreise gewesen. In Deutschland habe die Produktion dabei – im Gegensatz zu der expansiven Entwicklung in anderen Mitgliedsländern – um 61.000 t abgenommen. Wie sich die Entwicklung hierzulande in 2018 gestalte, sei noch ungewiss, so Wohlfarth. Den größten Einfluss dürften die Milchpreise haben. Derzeit sei die Preisspanne sehr groß, was für regional unterschiedliche Anreize zur Leistungssteigerung sorge.

Unter Druck geraten könnte Wohlfarth zufolge nun auch der Markt für Biomilch. Der „massive Zuwachs“ der angelieferten Milchmengen scheint sich hier auch in 2018 fortzusetzen. Es sei unsicher, ob der Markt die wachsenden Biomilchmengen weiterhin zu gleich bleibenden Preisen aufnehme, so die Expertin. Der Anteil an der Gesamtanlieferung belaufe sich derzeit auf 3,0 %. Mehr zur aktuellen Entwicklung am Markt für Biomilch, hier.

Quelle: AgE

Bearbeitet: Berkemeier