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EuroTier 2018

Die Messe-Highlights der Redaktion

Die Eurotier 2018 ist vorbei. Natürlich war auch die Elite Redaktion in Hannover unterwegs und hat sich umgesehen. Hier finden Sie die Highlights aus Sicht der Redaktion!

Das Messegelände in Hannover betraten bei der diesjährigen EuroTier rund 155.000 Besucher. Das Rekordergebnis von 2016, als insgesamt 163.000 Gäste gekommen waren, wurde also nicht übertroffen. Laut der DLG stieg insbesondere das Interesse bei Ausstellern und Besuchern aus dem Ausland. So seien insgesamt 59 % der 2.597 Aussteller und 46.500 Fachbesucher aus dem Ausland gekommen. Die meisten davon aus den Niederlanden, China, Russland, Polen, Italien, Spanien, Österreich, der Ukraine, Frankreich, der Türkei sowie Belgien und Dänemark. Aber auch aus Nord- und Südamerika sowie aus dem Nahen und Fernen Osten seien weit mehr Besucher angereist als bei der letzten EuroTier.

DLG-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Grandke sieht damit die Rolle der Fachmesse als führende internationale Plattform für Innovationen und Strategien für die Nutztierhaltung bestätigt.

Auch wir von der Redaktion Elite waren auf der Messe unterwegs, um uns mit Ausstellern, Wissenschaftlern und Besuchern auszutauschen. Hier sind einige Eindrücke von Produkten, die unsere, die unsere Aufmerksamkeit besonders geweckt haben:

Die gelben Hygiene-Nuckel für Kälber

Werden die Tränkeeimer und Nuckel nicht regelmäßig gereinigt, können sich darauf gefährliche Bakterien festsetzen und Kälbern Gesundheitsprobleme bereiten.

Förster Technik hat sich auf seinem Gebiet mit der Verbesserung der Kälbergesundheit auseinandergesetzt und den Tränkenuckel „Yello Teat“ zur Messe mitgebracht. Das Material der Yello Teat-Nuckel beinhaltet einen antibakteriellen Stoff. Dadurch sollen bis zu 99% weniger Bakterien an diesen Nuckeln anhaften als auf herkömmlichen Produkten. Diese Wirkung wurde von einem unabhängigen Prüflabor nachgewiesen. Die Nuckel sind etwa 10 cm lang und haben eine 4 mm Lochung und sind mit allen Tränkeautomaten kompatibel.

Meine Meinung: Kälber sollten gesund und fit ins Leben starten, damit sie sich zu leistungsstarken Kühen entwickeln können. Erkanken sie während der Tränkephase, bedeutet das mehr Zeitaufwand für die Pflege und erhöhte Kosten für Medikamente. Zudem verursachen kranke Kälber den Landwirten emotionalen Stress. Wenn ein kleines Detail wie ein antibakterieller Kälbernuckel den Bakteriendruck verringert, kann es damit die Gefahr von Erkrankungen bei Kälbern senken - das bedeutet jedoch nicht, dass Sie auf die Eimerreinigung verzichten können.

Sophie Oehler


Ein virtueller Weidezaun für Kühe

Eine konsequente Weidehaltung und hohe Milchleistungen schließen sich u.a. dann nicht aus, wenn den Kühen regelmäßig neuer Aufwuchs zur Verfügung steht. Dies lässt sich z.B. durch eine regelmäßige Zuteilung von Weideflächen (Portionsweiden) erreichen. Doch das ständige Abstecken der Flächen bedeutet einen hohen Arbeitsaufwand.

In Norwegen hat sich vor einigen Jahren die Firma "Nofence Grazing technology" gegründet, die Zäune abschaffen will. Das virtuelle Zaunsystem Nofence, das auf der EuroTier präsentiert wurde, soll die Kühe allein über ein Halsband hüten. Damit wären Zäune überflüssig.

Das solarbetriebene Halsband, das über das Mobilfunknetz kommuniziert, enthält ein GPS-Tracking-System, das Positionsdaten liefert. Wenn die Kuh das vorher mithilfe einer App festgelegte Terrain verlässt, vibriert das Halsband und gibt kurze, schrittweise lauter werdende Töne von sich. Verlässt die Kuh dennoch die Warnzonen, wird ein elektrischer Schock ausgelöst (deutlich geringer als bei einem Weidezaun). Schlägt die Kuh alle Warnungen in den Wind, erhält der Milchkuhhalter eine Nachricht, dass die Kuh ausgebrochen ist. Bisher wird das System in Norwegen hauptsächlich in Ziegenherden eingesetzt. Erste Versuche mit Rindern waren laut Hersteller aber schon erfolgreich.

Meine Meinung: Wird die digitale Welt auch die Weidehaltung revolutionieren? Das ist schwer zu sagen. Dennoch sind die Ansätze der norwegischen Firma interessant. Vor allem für unwegsames Gelände und weitläufige Grünlandregionen könnte Nofence die Weidehaltung erleichtern und optimieren. In abgelegenen Regionen, wie den Alpen, könnte sie zudem die Sicherheit der Tiere erhöhen und das Auffinden der Rinder und Kühe erleichtern. Wie gut dieses System dann auch bei Rindern tatsächlich funktioniert, muss die Praxis zeigen.

Birte Ostermann-Palz


Endlich lahme Kühe automatisch erkennen?

Lahme Kühe werden oft zu spät behandelt. Das kostet nicht nur Milch, sondern ist auch kritisch in Bezug auf Tierwohl. Zwei Hersteller versprechen nun, innerhalb des kommenden Jahres Produkte zur automatischen Lahmheitserkennung auf den Markt zu bringen:

dsp Agrosoft stellt mit cbs (Cow Body Scan) eine Infrarotkamera vor, die bestimmte Punkte auf dem Rücken einer laufenden Kuh vermisst und daraus eine Bewegungskurve ableitet. Anhand dieser soll das System erkennen, ob eine Kuh lahm geht. Daneben soll die Kamera auch Körperkondition und Körpermaße von schwarz- und rotbunten Kühen analysieren können. Eine erste Anlage läuft auf dem Versuchsbetrieb in Köllitsch, die Markteinführung ist für Mitte des kommenden Jahres geplant. Einen Preis hat der Hersteller noch nicht ausgewiesen.

Auch Afimilk aus Israel will 2019 einen Pedometer auf den Markt bringen, der die Lahmheitserkennung beherrscht. Anders als bei der Kamera ist in dem Pedometer keine neue Technik verbaut, sondern das Unternehmen will die ohnehin anfallenden Aktivitätsdaten mit einem neuen Algorithmus sicherer zuordnen können und so eine Diagnose ermöglichen. In Europa vermarktet Afimilk seine Produkte über Partner, in Deutschland ist es LemmerFullwood.

Meine Meinung dazu: Auch leicht lahme Kühe sollten sofort behandelt werden, damit die Lahmheit sich nicht verschlimmert. Im Arbeitsalltag müssen mit der begrenzten Zeit oft zu viele Aufgaben erledigt werden. Da fallen solche Behandlungen oder auch das Scoring der Tiere manchmal hinten über. Von einer automatisierten Lahmheitserkennung erhoffe ich mir, dass die Kühe "von selbst" den Weg auf eine Behandlungsliste finden und somit auch schneller und konsequenter behandelt werden - so baut sich ein Lahmheitsproblem über die gesamte Herde gar nicht erst auf!

Christine Stöcker-Gamigliano


Lüftungssystem für die Kälbergruppe - und das Melkkarussell?

Das österreichische Unternehmen Vetsmarttubes hat ein Lüftungssystem vorgestellt, mit dem eine Kälbergruppe mit Frischluft versorgt werden soll. Dazu sitzt ein Ventilator unter dem Dach und zieht von oben Frischluft an. Anders als bei der Schlauchbelüftung wird die Luft nicht über Schläuche, sondern über einen "Ball" kreisförmig im Stall verteilt. Weil sich im "Neobooster" genannten Gerät eine weitere, kreisförmige Einlage befindet, welche die Löcher öffnet oder verkleinert, ist eine Sommer- und eine Winterbelüftung möglich. Die Größe des Lüfters soll variabel sein, sodass mit einer kleineren Ausführung ein Kälberiglu oder mit einer größeren z.B. ein Melkkarussell belüftet werden könnte. Weitere Informationen gibt es hier.

Meine Meinung dazu: Es ist gut, dass die Hersteller ihre Produkte optimieren und mithilfe verbesserter Software den Nutzwert steigern möchten. Manchmal fehlt mir dabei aber, dass auch einmal in neue Richtungen gedacht wird. Stellvertretend für alle Unternehmen, die trotz etablierten Geschäftsmodelllen querdenken und neue Ideen weiterentwickeln, hat mir dieses Lüftungskonzept gefallen, das runde Gebäude besser belüften will. Wie alle Neuheiten muss es sich in der Praxis beweisen - dennoch ist eine weitere Alternative, mit den zunehmend heißen Sommern umzugehen, sicher eine gute Idee!

Christine Stöcker-Gamigliano


Kolostrum: Alles in einem Gefäß (DLG-Silbermedaillie)

Die Firma Förster hat einen drei Liter Plastikbehälter entwickelt, in dem Kolostrum gelagert, eingefroren, aufgetaut, erwärmt und getränkt werden kann. Der „All in one colostrum feeder“ erspart dem Tierhalter einige Arbeitsschritte und reduziert das Kontaminationsrisiko der frisch ermolkenen Biestmilch, da kein Behälterwechsel durchgeführt werden muss. Der Behälter hat eine große Öffnung und kann somit einfach mit Biestmilch befüllt werden. Eine Heizspirale erwärmt die Biestmilch innerhalb von zwei bis drei Minuten von 20 Grad Celsius auf 38 Grad. Das Auftauen dauert 20 bis 25 Minuten. Zum Verabreichen der Biestmilch konnte ein Kälbernuckel oder ein Softdrencher aufgesetzt werden. Der Prototyp ist zum Patent angemeldet worden.


Thermometer mit bluetooth (DLG-Silbermedaille)

Ein zweites Tiergesundheitstool der Fa. Förster ist das smartThermometer. Es sieht aus wie ein normales Fieberthermometer, das allerdings über eine bluetooth-Verbindung die gemessenen Werte auf ein Mobilphone übertragen kann. Dort können die Daten innerhalb des „smart calf systems“ mit anderen Daten zum Tier verknüpft werden. In einer weiteren Ausbaustufe soll die Verknüpfung mit einer automatischen Tiererkennung möglich sein.


Kuhkontrolle mit Virtual-Reality Brille (DLG- Innovationspreis)

Eine Innovation stellte die Fa. Nedap aus den Niederlanden vor. Sie entwickelten eine Virtual-Reality-Brille „CowControl“, mit der Tierhalter durch den Stall gehen können. Die Brille erkennt jede Kuh, die angesehen wird und zeigt deren Reproduktionsdaten an. Mit der eigenen Stimme oder einem Fingerschnipsen im Sichtfeld werden weitere Daten eingegeben, verarbeitet und angezeigt. Möglicherweise werden auf diesem Wege in Zukunft Brunsten eingegeben und Trächtigkeiten überprüft.


Zitzendesinfektion erfolgreich?

Die CleanCard (Fa. Amfora) ist ein einfaches Instrument, um die Desinfektion von Flächen zu beurteilen. Nach dem Aufsprühe von frischem Leitungswasser wird die Karte über die Oberfläche gezogen und zeigt innerhalb von 30 Sekunden an, ob die Oberfläche ausreichend desinfiziert ist oder nicht. „Was auf Oberflächen funktioniert , kann auch an frisch desinfizierten Zitzen z.B. vor dem antibiotischen Trockenstellen durchgeführt werden,“ erklärt Frau Dr. Hildebrandt, CEO bei Amfora.

Meine Meinung dazu: Die Entwicklung zu mehr Diagnostik und digitaler Datenverarbeitung ist der richtige Weg in der systematischen Tiergesundheitsüberwachung. Wenn die zahlreich eingereichten Patente dann auch in der Praxis angekommen sind, ist das vielversprechend.

Dr. Marion Weerda


Optimierte Sandbettwabe

Das bayerische Unternehmen Oberleitner Windschutz GmbH hat seine Sandbettwaben für Tiefboxen weiterentwickelt. Grund dafür waren auch die Wünsche und Kritik aus der Praxis, wie etwa, dass es besser wäre, wenn es die Möglichkeit geben würde, den verfüllten Sand ggf. auch austauschen zu können. Dafür muss man die Wabenmatten herausheben können – das war bei der alten, verschraubten Ausführung der Wabe nicht möglich, ohne die Wabenmatte zu schädigen – jetzt schon.

So wird die neue Sandbettwabe "Sanda" schwimmend verlegt, also zwei Wabenmatten "lose" voreinander in die Liegefläche, ohne jegliche Verschraubung. So geht das Einbauen schnell und es besteht die Möglichkeit, die Matten unbeschadet wieder hoch zu nehmen. Pro Liegebox werden vier Wabenmatten verlegt.

Die Wabenstruktur ist jetzt außerdem kleinmaschiger, der Boden der Waben fast vollständig geschlossen. So wird verhindert, dass stehende Kühe mit den Klauen Sand unter die Gummistruktur drücken können. Zudem wird die nun firmeneigene Wabenmatte nicht mehr in Italien sondern in Deutschland hergestellt. Gleich geblieben ist laut Geschäftführer Franz Oberleitner die bewährte Materialzusammensetzung und Haltbarkeit. Verformbarkeit/Elastizität der Matratze sowie die Dauertrittbelastung der neuen Wabenmatte "Sanda" sind 2018 DLG-geprüft und anerkannt.

Meine Meinung dazu: Ich schätze es sehr, wenn eine Firma sich offen für die Wünsche und Kritik an Produkten seitens der Tierhalter zeigt. Das heißt für mich, dass ein Hersteller Kritik tatsächlich zeitnah mit hinein in die Produktion einfließen lässt und diese dahingehend optimiert. Deswegen habe ich mich gefreut, die Weiterentwicklung der mir bekannten Sandbettwabe auf dem Stand von der Fa. Oberleitner zu sehen.

Katrin Berkemeier


DeLaval P500 Parallelmelkstand
Entspannt(er) im Side by Side

Um eine hohe Durchsatzleistung im Melkstand zu erreichen, müssen sich Kühe in der Melkanlage wohlfühlen. Nur wenn die Tiere möglichst wenig "gestresst" sind, eine nahezu vollständige Euterentleerung erreicht. Doch allzuoft müssen sich großrahmige Milchkühe in Parallelmelkständen "zusammenquetschen", die Ausmaße der Parkflächen sind durch Metallbügel (Front- und Seitenabgrenzer) vorgegeben.
Delaval hat sich hierzu Gedanken gemacht und mit dem P500 Parallelmelkstand ein interessantes Konzept entwickelt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Side by Side-Melkständen "verschwinden" die Seitenabgrenzer / Einweiser sobald die Kühe eingeparkt haben. So haben die Kühe tewas mehr Bewegungsfreiheit (können "flowten"). Durch einen platzsparenden Frontaustrieb verringert sich zudem der Platzbedarf in der Gebäudehülle sichtlich. Auch fungieren die Seitenabgrenzer am Melkende als "Rausschmeißer" (die Kühe erhalten einen Klaps aufs Hinterteil). Das ermöglicht einen schnelleren Gruppenwechsel. DeLaval SynchroControl bietet die Möglichkeit, alle Arbeitsschritte, die mit dem Zu- und Abtrieb der Kühe verbunden sind, automatisch zu steuern.

Meine Meinung dazu: Es muss nicht immer digitaler SchnickSchnack sein, manchmal genügt auch eine gute Idee und etwas Mechanik, um den Komfort für Tier und Mensch zu verbessern. In diesem konkreten Fall kann dies u.a. auch zu einem effizienten (stressfreieren) Melkbetrieb führen.

Gregor Veauthier


Die Begegnungen und Gespräche sind das wahre Messe-Highlight!

Das eigentliche Highlight der Messe waren jedoch die interessanten Gespräche und Begegnungen. Wenn so viele Experten und Praktiker aufeinandertreffen wie auf der Eurotier, trifft man buchstäblich an jeder Ecke inspirierende Menschen, z.B. die beiden jungen Betriebsleiter aus Norddeutschland am TopTier Treff. Im Gespräch mit ihnen wird eins ganz schnell klar: Die beiden sind hochmotiviert und teilen ihre besten Fütterungstipps miteinander. Dieser Zusammenhalt macht Lust auf die Zukunft in der Milchbranche!

Sophie Oehler

In diesem Sinne haben wir auch in diesem Jahr die EuroTier genutzt, um mit den Absolventen unserer mittlerweile sechs Elite Herdenmanager-Kurse ein Bier zu trinken. Eine gute Gelegenheit, sich auch über die Jahrgänge hinaus fachlich auszutauschen und die Messe gemeinsam Revue passieren zu lassen!

Christine Stöcker-Gamigliano

(lesen Sie auch den neuen Redaktionsblog "Mehr Digitalisierung in der Kälberaufzucht").