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Fütterung

Trockensteher einphasig füttern

Die Energie- und Nährstoffversorgung in der Transitphase gilt es dem Milchleistungsniveau der Herde anzupassen. Bei hohen Milchleistungen ist es daher möglich, die Tiere einphasig zu füttern.

In vielen Betrieben hat es sich etabliert, die Trockenstehphase in zwei Bereiche aufzuteilen. In der ersten Phase füttert man auf einem niedrigen Energieniveau, während man in der zweiten Phase das Tier durch Zulage von Kraftfutter auf die Laktation vorbereitet. Damit will man erreichen, dass die Kondition während der Trockenstehpahse erhalten bleibt und dass sich die Pansenfunktionen allmählich an die Laktation anpassen können. Der Nachteil: Innerhalb eines kurzen Zeitraumes findet ein erheblicher Futterwechsel statt. Das hat zur Folge, dass die Pansenfermentation vor dem Kalben nicht optimal verläuft. Dies verstärkt sich noch durch den wachsenden Fötus, der den Pansenraum einengt und damit die Futteraufnahme zusätzlich senkt.

Um diese Nachteile zu vermeiden und auch aus der Erkenntnis heraus, dass bei hohen Herdenleistungen die alten Angaben zur Energieversorgung nicht mehr ausreichen, zeichnet sich neuerdings ein Trend zur einphasigen Fütterung der Trockensteher ab.  Auf diese Weise lässt sich die Ration sowohl an die Ansprüche der Altmelker, die mittlerweile nicht mehr selten mit 25 bis 28 kg Milch trocken gestellt werden, als auch an die höheren Anforderungen der frischkalbenden Kühe anpassen.

Praktikabilität nachgewiesen

Dass diese Methode in der Praxis funktioniert, beweist eine große Zahl an Betrieben, die mit hoher Milchleistung und sehr guter Fruchtbarkeit auf eine einphasige Fütterung umgestellt haben. Auswertungen zeigen, dass nach zweijährigem Anwenden der einphasigen Fütterung Ketose und Gebärparese keine Rolle mehr spielen. Besonders mit Rationen ohne Grassilagen haben die Betriebe gute Erfahrungen gemacht. Der Grund dafür:  Es fallen alle physiologischen Risiken weg, die unterschiedliche Qualitäten der Grassilage mit sich bringen. Hierzu gehören der NH3-Gehalt, aber auch unterschiedliche Buttersäure- und Amingehalte, die zum Problem werden können. Darüber hinaus kommt die Problematik überhöhter Kaliumgehalte in den Grassilagen dazu. Sie können sich aufgrund der Milchfiebergefahr negativ auf die Gesundheit der hochtragenden Kühe auswirken.

Damit eine einphasige Trockensteherfütterung funktioniert, sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Kondition in der Trockenstehpahse sollte bei einem BCS von 3,0 bis höchstens 3,5 liegen. In Rückenspeckdicke ausgedrückt sind dies maximal 20 bis 25 mm. Die Vorbereitung auf das Trockenstellen beginnt spätestens im letzten Laktationsdrittel. Dies ist auch der Grund, warum die einphasige Fütterung in Betrieben mit Milchleistungen über 30 kg Melkdurchschnitt pro Tier und Tag  nahezu problemlos funktioniert. Denn Tiere mit hohen Milchleistungen „verfetten“ kaum und bekommen beim abrupten Trockenstellen auch über 25 kg Milch pro Tag keine Probleme.
  • Es ist zu empfehlen, vom 14. Bis zum 2. Tag vor dem Kalben sowohl Ketose als auch den pH-Wert im Harn zu bestimmen. Auf diese Weise lassen sich Gegenmaßnahmen rechtzeitig vornehmen.
  • Die einmalige Stimmulationstränke (Energietunk) nach dem Kalben sollte man auch bei einer einphasigen Fütterung beibehalten.
  • Viele Betriebe, die die einphasige Fütterung anwenden, setzen am ersten Tag nach dem Kalben eine Calciuminfusion ein, zum Beispiel 500 ml Calciumglukonikum (24%ig). Man sollte vor allem Kühe ab der dritten Laktation oder solche mit Schwergeburten oder Zwillingsgeburten behandeln.
  • Das Mineralfutter ist dem Grobfutter anzupassen und muss bei den Mengen- und Spurenelementen dem Bedarf entsprechen.
     

Quelle: Prof. Dr. M. Hoffmann (LKV Sachsen)