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Starke Kälber haben keine Grippe!

Fütterung, Haltung und vor allem die Umstellung während des Absetzens haben großen Einfluss auf die Immunabwehr und somit die Gesundheit von Kälbern. Erst wenn diese Faktoren optimiert sind, ist ein angepasstes Impfschema sinnvoll.

"Wir können die Welt nicht heil impfen", ist Dr. Jürgen Rothert, einer der Praxisinhaber von agro prax, überzeugt. In unserem Tierärzteteam suchen wir deshalb bei Problemen im Kälberstall in erster Linie nach Schwachstellen in der Fütterung und Haltung. Die Impfung gehört bei der Bekämpfung der Rindergrippe unterstützend natürlich dazu. Dies reicht aber alleine nicht aus, Infektionen mit der Kälbergesundheit in den Griff zu bekommen.

Wir betreuen Betriebe von 50 bis 1.500 Kühen. Bei jedem Besuchstermin schreiben wir auf, wie viele Kälber mit Grippe oder anderen Jungtiererkrankungen aufgefallen sind. So wissen wir genau, wann der kritische Wert von 10% Jungtiererkrankungen (Zeitraum von der Geburt bis zum Absetzen) überschritten wird. Ein Kalb, das in der Aufzucht zweimal an einer Grippe erkrankt ist, gibt als Kuh im Jahr 700kg weniger Milch. Und das wollen wir mit unserer Arbeit unbedingt verhindern.

Sechs Kälber in der Gruppe

In Problembetrieben gehen wir dann auf Spurensuche. Diese Punkte werden dabei u.a. betrachtet:

  • Haben die Kälber vier Liter Kolostrum in den ersten vier Lebensstunden bekommen? Wir überprüfen die Biestmilchqualität mithilfe eines digitalen BRIX-Refraktometers (Ziel > 22% BRIX) und auch den Gesamteiweißgehalt im Blutserum (> 8% BRIX).
  • Ist die Einstreu ausreichend, trocken und sauber?
  • Gibt es ein Mikroklima für die jungen Kälber?
  • Ist der Luftaustausch ausreichend?
  • Stehen möglichst nicht mehr als sechs bis acht Kälber in einer Gruppe?
  • Wird die Milch ad libitum getränkt?
  • Ist passender Kälberstarter vorhanden und sind die täglichen Starteraufnahmen hoch genug?

Die meisten Kälber erkranken erfahrungsgemäß nach dem Absetzen, weil übergangslos von Milch auf Grundfutter umgestellt wird. Daraufhin entsteht eine erhebliche Energielücke, die das Abwehrsystem der Tiere schwächt. In der Fütterungsberatung legen wir besonderen Wert auf die klar definierte Umstellungsphase und schulen unsere Landwirte, Schwachstellen zu erkennen.

Unspezifische Abwehr stärken

Wenn Fütterung und Haltung soweit optimiert wurden, wie es die baulichen Bedingungen ermöglichen, wählen wir das passende Impfschema aus. In mehr als der Häfte der von uns betreuten Betriebe impfen wir die Kälber in der ersten Lebenswoche mit einem BRSV-Lebendimpfstoff in die Nase. BRSV ist ein weit verbreitetes Virus, das einerseits Wegbereiter für weitere Viren (z.B. Pl3) und Bakterien (z.B: M.haemolytica) ist, aber auch allein schwere Grippesymptome verusachen kann. Die intransale Impfung wird nach vier Wochen durch eine intramuskuläre Nachimpfung verstärkt (Boosterung) und verbessert neben der spezifischen Immunabwehr (Antikörper gegen BRSV) auch die unspezifische Abwehr. Die geimpften Kälbergruppen sind dann deutlich besser vor Infektionserregern aller Art geschützt.

Quelle: Annette Prohl, PhD und Dr. Jürgen Rothert, agro prax, Ankum