Jahrespressekonferenz Milch NRW

Stabile bis steigende Milchpreise

Verbraucherwünsche und politische Rahmenbedingungen beeinflussen den deutschen Milchmarkt. Die Landesvereinigung Milchwirtschaft NRW erwartet dennoch für 2020 stabile bis leicht steigende Milchpreise.

"Wirtschaften im Spagat zwischen Ökonomie, Gesellschaft und Politik" - so lässt sich die derzeitige Situation am Milchmarkt beschreiben. Im Rahmen der ersten Jahrespressekonferenz 2020 der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e.V in Krefeld haben Geschäftsführer Dr. Rudolf Schmidt, die beiden Vorsitzenden Wilhelm Brüggemeier und Hans Stöcker sowie Pressesprecher Frank Maurer Zahlen zum Milchmarkt 2019, Perspektiven für 2020 und weitere Entwicklungen in der Branche präsentiert.

Milchmarkt 2019: Umwelt- und Naturschutzvorgaben sind die neue Quote

Der Strukturwandel sorgte auf im Jahr 2019 für einen Rückgang an Milchkuhhaltungen in Deutschland. Letztlich ist dadurch die Milchmenge nur noch leicht angestiegen. Das wiederum hat den Milchpreis auf einem relativ stabilen Niveau gehalten.
  • Milcherzeugung: Aktuell werden in NRW auf 5.300 Milchkuhbetrieben rund 400.000 Kühe gehalten. Seit 1980 haben rund 88 % der Milchkuhhalter das melken eingestellt. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich die Milchanlieferung im Jahr 2019 in NRW vorläufig leicht ansteigend (+7,6%), in Deutschland dagegen leicht abnehmend und in der EU ebenfalls leicht ansteigend.
  • Milchpreise: Insgesamt liegen die Notierungen für Butter, Magermilchpulver und Schnittkäse weit weg von Höchstpreisen. Dennoch liegt die durchschnittliche Notierung für Magermilchpulver über dem Niveau der vergangenen Jahre. Der Auszahlungspreis für Milch erreicht einen Durchschnitt von 33,2 Cent je kg. Obwohl die Volatilität am Milchmarkt seit 2006 groß ist, ist die Entwicklung in den letzten zwei Jahren relativ stabil.
  • Absatzentwicklung: Der Absatz von Konsummilch im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist erneut deutlich gesunken - bei allerdings gleichzeitig steigenden Tendenzen für Bio- und Weidemilch. Wie es bereits in den benachbarten Niederlanden deutlich wurde, ist auch die Milchproduktion in Deutschland zunehmen an Fläche und gesetzliche Vorgaben gebunden. Umwelt- und Naturschutzvorgaben lassen sich als die neue Quotenregelung" bezeichnen, die zukünftig zu einer Stabiliserung bis hin zu einem Rückgang der Milcherzeugung in Deutschland führen könne.Das schrumpfende Konsumverhalten werde zunehmend auch vom Markt für Milchalternativen beeinflusst. Dazu plädiert Stöcker: Mit Blick auf die pflanzlichen Milchalternativen ist es die Aufgabe der Milchwirtschaft, über das Gute der Milch zu sprechen." Steigende Tendenzen weisen dagegen Bio-Trinkmilch und Weidemilch auf. Allerdings verwies Stöcker auf den sehr geringen Anteil dieser Produkte an der Gesamtmilchmenge. Der Absatz für Butter, Käse, Quark etc. ist stabil, eine Abwärtstrend muss lediglich Joghurt verzeichnen.
  • Weltmarkt: Weltweit betrachtet ist die Milchproduktion relativ stabil, mit rund 0,2 bis 0,3% fällt der Anstieg geringer aus als in Vorjahren. Auch in Zukunft seien keine größeren Produktionssteigerungen zu erwarten. Während die Milcherzeugung in den USA und in Russland stabil bis leicht steigend ist, weisen Australien (-7,8 %) und Neuseeland (-0,96 %) deutliche Rückgänge auf. Aufgrund der aktuellen Situation (Dürre und Brände) kann auch für 2020 ein weiterer Rückgang der Milchproduktion in Australien angenommen werden. Durch den deutlich reduzierten Viehbestand in Folge von Umweltauflagen ergibt sich auch für die Niederlande ein deutliches Minus. Während die Milcherzeugung in Deutschland von 2017 auf 2018 mit 1,7% noch leicht angestiegen ist, ist sie mit -0,4 im Jahr 2019 sogar leicht rückläufig. EU-weit betrachtet ist die erzeugte Milchmenge in 2019 mit + 0,40 % stabil geblieben.
  • Import/Export: Bei Betrachtung des Außenhandels mit Milchprodukten nach Drittländern zeigen die Zahlen, dass der Export fast aller Milchprodukte ansteigend ist. Die Nachfrage aus China bleibt im Gegensatz zum enormen Zuwachs beim Schweinefleisch-Export stabil.

Brexit: Keine größeren Verwerfungen zu erwarten

Die Sorge um Brexit-Auswirkungen bei britischen, deutschen und europäischen Milcherzeugern sei natürlich nicht klein zu reden. Dennoch erwarte Schmidt keine größeren Verwerfungen auf dem Milchmarkt. Aufgrund des relativ hohen Selbstversorgungsgrades ist der Export von Milchprodukten aus Deutschland in das Vereinigte Königreich überschaubar. Lediglich bei Butter und Käse ist das Vereinigte Königreich auf deutliche höhere Importmengen angewiesen. Im Hinblick auf Zölle sei auch aus Sicht der britischen Nahrungsmittelversorgung auf moderate Regelungen zu hoffen. Insgesamt macht die dortige Milcherzeugung einen Anteil von neun Prozent an der gesamten EU-Milcherzeugung aus.

Produktvielfalt: Milch mit mehr Wert?

Die Vielfalt an Milchprodukten nimmt weiter zu, vor allem auch aufgrund gesellschaftlicher Forderungen. Allein bei Konsummilch gibt es neben konventioneller Milch, Biomilch und Weidemilch zahlreiche weitere Nischenprodukte. Die Qualität sei bei allen Produkten gleichmäßig hoch. Die Unterschiede seien eher in Haltungsbedingungen etc. zu finden. Genau diese Unterschiede werden auf Seiten der Verbraucher besser bezahlt. Der Preisunterschied zwischen Verbraucherpreisen für konventionelle Konsummilch und Biotrinkmilch ist in den letzten zwei Jahren relativ konstant bei rund 30 Cent geblieben. Lediglich die Verbraucherpreise für Weidemilch schwanken. Die Preise müssen sich in Zukunft finden, hier ist noch Spielraum, erklärt Schmidt. Vergleicht man die Endverbraucherpreise zwischen den verschiedenen Lebensmitteleinzelhändlern, zeigen sich die Unterschiede besonders in den Nischenprodukten. Die Preise für konventionelle Frischmilch ist stabil auf demselben Niveau, egal ob Aldi, Edeka oder Lidl. Bei Biomilch, Weidemilch und anderen speziellen Produkten wird eine Preisdifferenz je nach LEH deutlich.
Grundsätzlich sei davon auszugehen, dass der Anteil von Nischenprodukten weiter wächst. Darauf seien auch die Molkereien eingestellt, da sie sich nach dem Markt richten, bestätigte Hans Stöcker. Kommen die Produkte aber aus der Nische, wie beispielweise GVO-freie Milch oder zunehmend auch Biomilch, geraten die Preise unter Druck. Das Kriterium GVO-frei beispielsweise sei nur in Deutschland und Österreich relevant und habe sich mit Blick auf die Produktionskosten zu einem Nachteil für uns entwickelt. Generell stelle sich die Frage, ob Milch mit Mehrwert auch wirklich zu mehr Wert führt. Denn trotz der höheren Verbraucherpreisen bekämen die Milchproduzenten die erhöhten Produktionskosten nicht entsprechend vergütet.

Ausblick: Stabile bis steigende Milchpreise

  • Aufgrund politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedinungen werde der Strukturwandel in der Milchkuhhaltung zunehmen, bzw. mindestens weiter anhalten. Vor allem Betriebe, die vor einem Generationswechsel und hohen Investitionen stehen, würden zunehmend die Milchproduktion zunehmend aufgeben.
  • Bisher wurde die Menge aufgebender Betriebe immer durch aufstockende Betriebe aufgefangen. In Zukunft sei eher eine Seitwärtsbewegung der Milchproduktion zu erwarten.
  • Politische Unsicherheiten wie beispielsweise der Brexit belasten weiter den Milchmarkt.
  • Kälber und Fleich, die Koppelprodukte der Milchproduktion, stehen unter Preisdruck und belasten die Betriebe zusätzlich.
  • Für das kommende Jahr seien stabile bis leicht steigende Milchpreise zu erwarten. Möglicherweise werde sich der Auszahlungspreis tendenziell über 33 Cent einpendeln. Zumindest erwarten wir nicht die großen Risiken, prognostizierte Schmidt.
  • Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner geforderte Sektorstrategie 2030" sei auf einem gutem Weg und soll voraussichtlich kommende Woche auf der grünen Woche in Berlin veröffentlicht werden. Ziel der Strategie sei vor allem eine einheitliche Standardsetzung und eine verbesserte Branchenkommunikation.

Viele Landwirte hätten aktuell nackte Angst um ihre Existenz." Das hätten die zahlreichen Demonstrationen in 2019 veranschaulicht, resümierte Rudolf Schmidt. Die beeindruckende Beteiligung an den Protesten habe gezeigt, dass es um die Zukunft des gesamten ländlichen Raum geht. Es bleibe zu hoffen, dass das Signal angekommen ist und den Urproduzenten der Zukunft wieder mehr Luft zum Atmen gegeben werde.

Die Sprechergruppe: Pressprecher Frank Maurer, die Vorsitzenden Wilhelm Brüggemeier und Hans Stöcker sowie Geschäftsführer Dr. Rudolf Schmidt. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)


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