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Arla / Allgäuland-Käsereien

Staatsanwalt ermittelt gegen Allgäuland

Die Allgäuland-Käsereien kommen nicht zur Ruhe. Nicht nur, dass jetzt die Staatsanwaltschaft wegen Insolvenzverschleppung ermittelt, jetzt will Arla auch die Produktion von Frischprodukten unter den Marken Allgäuland und Bergbauern einstellen.

Gegen die Allgäuland-Käsereien wird wegen des Anfangsverdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Ravensburg auf Anfrage der „Südwest Presse“ (Samstagausgabe). Dem Blatt zufolge war eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Ulm eingegangen und an die Behörde in Ravensburg weitergeleitet worden. Die überschuldete Allgäuland-Käsereien GmbH war im November 2011 vom deutsch-skandinavischen Molkerei-Konzern Arla Foods zum symbolischen Preis von einem Euro aufgekauft worden.

Der letzte Allgäuland-Aufsichtsratsvorsitzende Kuno Rumpel sagte der Zeitung, das Unternehmen habe schon 2002 die Milchpreiszahlungen an seine Bauern nicht mehr aus dem operativen Geschäft erwirtschaften können. Die Unternehmensführung habe die Liquidität nur durch zweifelhafte Stützgeschäfte mit Tochterfirmen aufrecht halten können. Nach dem Scheitern von Sanierungsversuchen sei Allgäuland spätestens im Frühjahr 2011 hoffnungslos überschuldet gewesen. Gegenüber der "Südwest Presse" spricht Rumpel von einem "Verschiebebahnhof" mit Tochterunternehmen. Dazu habe beispielsweise die Molkerei-Zentrale Südwest eG gehört. So kaufte laut Rumpel die MZ Südwest der Allgäuland GmbH leer stehende Betriebe ab und vermietete sie an die Muttergesellschaft zurück. Später nahm sie Kredite auf, um die Geschäfte zur Stabilisierung der Mutter zu finanzieren. Laut Rumpel flossen so zwischen 2003 und 2006 rund 18 Mio. Euro an die GmbH nach Wangen.

Das Aus für die weiße Linie

Die Bergbauern-Produkte sollen vom Markt verschwinden.
Ebenfalls für Unruhe unter den Milchlieferanten sorgt die Nachricht, dass der neue Allgäuland-Eigentümer Arla Foods die Produktion von Frischprodukten unter den Marken Allgäuland und Bergbauern einstellt. Voraussichtlich schon ab Februar soll der Verkauf von Frischmilch-Produkten eingestellt werden. Damit wird die sogenannte „weiße Linie“, also Quark, Joghurt, Milch und Sahne von Allgäuland nicht mehr produziert. Der Vorsitzende Arla-Konzern hat diese Entscheidung aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht begründet: „Die weiße Linie ist ein Verlustgeschäft. Die verkauften Mengen sind zu klein“, so Torben Olsen von Arla Foods Deutschland im Radio RSA. Weiterhin setze man bei Arla Foods aber voll auf die sogenannte „Gelbe Linie“, also Käseprodukte“. Deshalb soll künftig die gesamte Milchmenge von 250 Mio. kg pro Jahr zu Käse verarbeitet werden.

Von besonderer Brisanz ist diese Entscheidung auch deshalb, weil die Bergbauern im August 2011 einer Fusion mit Arla zunächst nicht zugestimmt hatten. Sie befürchteten, dass Arla ihre „besondere Milch vermischen, verpanschen, einen so genannten „Mountain Cheese“ machen und diesen in die ganze Welt verschicken“ will. Nach der letztlich doch noch erfolgten Zustimmung der Genossenschaft zur Fusion (80 % stimmten dafür), haben rund 200 Bergbauern von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht und den Allgäulandverbund verlassen.