Herdenmanagement

So sieht eine optimale Abkalbebox aus!

Eine Kuh stressfrei, hygienisch und zügig zur Abkalbung zu bringen – darum geht es bei der Planung eines Abkalbestalles, aber auch des Stalles für Kühe in Vorbereitung auf die Abkalbung.

Es gibt nicht „den“ perfekten Abkalbestall! Jede Gestaltung ist von der Tierzahl, dem zur Verfügung stehenden Platz und nicht zuletzt von der Personalsituation des Betriebes abhängig. Auch ist zu entscheiden, ob der Abkalbestall in Kombination mit der Haltung der Vorbereiter erfolgen soll oder ob tatsächlich ein reiner Abkalbestall gewollt ist, der aber mehr Arbeit erfordert.

Futteraufnahme fördern

Ruhe und geringer Stress stehen bei der Planung eines jeden Abkalbestalles im Mittelpunkt. Wird eine Kuh unruhig, führt das dazu, dass das Tier die Trockenmasseaufnahme reduziert. Das ist für jede Kuh vor dem Kalbevorgang kritisch anzusehen, da sich dadurch das Risiko einer Stoffwechselstörung erhöht. Eine gute Futteraufnahme wird beispielsweise auch dadurch unterstützt, wenn der Abkalbestall so geplant wird, dass ein Umtrieb in der Vorbeireitungsphase nicht notwendig ist und die Tiergruppen nach Möglichkeit stabil bleiben. Zusätzlich unterstützt wird die Futteraufnahme durch ausreichend dimensionierte Zugänge zum Futter, sowohl vor als auch nach der Kalbung. Eine Länge am Futtertrog von 80 bis 90 cm pro Kuh wird allgemein empfohlen, wobei dies insbesondere für Kühe in der Vorbereitungsfütterung nur ein Minimalwert sein kann.

Hygiene für ein geringes Gesundheitsrisiko

Die Hygiene wird regelmäßig als besonders wichtig hervorgerufen. Die ist insbesondere für das Kalb von Bedeutung, denn Infektionen wie z.B. mit Paratuberkulose, werden schon in den ersten Lebenstagen übertragen. In diesem Zusammenhang wird nicht selten auch die Einstreu diskutiert. Für die allermeisten Betriebe in Deutschland wird Stroh als Einstreu das Mittel der Wahl sein. Zwar werden anorganische Materialien wie z.B. Sand oder auch besondere Stoffe wie Papier gelegentlich verwendet, jedoch stellen diese aus kosten- und arbeitswirtschaftlichen Gründen oftmals keine Alternative dar.

Ausreichendes Platzangebot berücksichtigen

Bei der Gestaltung eines Abkalbestalles sollte berücksichtigt werden, wie viele Kalbungen der Betrieb innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu erwarten hat. Bei einem Betrieb mit 100 Kühen ist in einer Woche mit maximal 3 bis 4 Abkalbungen zu rechnen. Dieses Maximum sollte aber bei der Gestaltung den Ausschlag geben. Eine Unterbringung, die sowohl Vorbereiter als auch kalbende Kühe für einen Zeitraum von 3 Wochen umfasst, sollte also Platz für etwa 10 Kühe bieten. Bei einem Platzangebot von 15 qm pro Kuh bedeutet dies eine Fläche von 150 qm, wobei zwei solcher Ställe vorhanden sein sollten, um stabile Gruppen ohne Zutriebe zu ermöglichen.

Rückzugsmöglichkeit schaffen

Beobachtungen von Gruppen kalbender Kühe zeigen klar, dass Kühe zur Kalbung Rückzugsmöglichkeiten suchen. Praktisch bedeutet dies, dass Kühe in einem Abkalbestall eher dort abkalben, wo Wände und Ecken einen gewissen Schutz bieten. Bei der Gestaltung des Abkalbebereichs sollte also versucht werden, diese Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. Modelle, bei denen in einer Gruppenabkalbebox einzelne Abteile angeboten werden sind selten, werden aber von den Kühen gerne angenommen.  

Zugang ausreichend dimensionieren

Der Zugang zum Abkalbestall wird häufig nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt, spielt aber eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Bereich sollte zügig und ohne „Krach“ zu betreten sein. Gleichzeitig müssen die Durchgangsmöglichkeiten so viel Platz bieten, dass Gerätschaften wie z.B. Geburtshelfer gut in den Stall verbracht werden können, und das Kalb problemlos aus dem Stall transportiert werden kann. Sollte es nötig sein, eine festliegende Kuh aus dem Stall zu transportieren, muss dies auch schon bei der Planung berücksichtigt werden.
Quelle: Dr. Joachim Kleen (cowconsult)