Abkalbung

Schwerkalbende Kühe sind krankheitsanfälliger

Schwer- und Totgeburten verstärken die Krankheitsanfälligkeit von Milchkühen. Störungen im Bereich der Gliedmaßen, des Euters, des Stoffwechsels und der Fruchtbarkeit bereiten im Nachgang Probleme.

Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit an der Universität Rostock wurden die Auswirkungen auf die Erkrankungsfrequenzen von Milchkühen in den ersten 60 Laktationstagen bei Tot- und Schwergeburten untersucht. Es wurden 14.537 Abkalbungen von vier Herden einbezogen und hinsichtlich Klauenerkrankungen, sonstigen Bewegungsstörungen, Eutererkrankungen, Stoffwechselstörungen, Puerperium- und Zyklusstörungen bewertet. Dabei konnten deutliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Krankheitskomplexen, den Geburtsverläufen (leicht, mittel, schwer), dem Verbleib des Kalbes (tot oder lebendig) und der Laktationsnummer der Kuh nachgewiesen werden.

In der 4. Laktation die meisten Krankheitsfälle

Insgesamt waren 71 % der Kühe aller vier Herden krank, sodass nur 29 % der Kühe in den ersten 60 Laktationstagen nicht medizinisch behandelt werden mussten. Die meisten Krankheitsfälle traten bei Kühen in der vierten Laktation auf. Dabei spielten Erkrankungen im Bereich des Euters, im Stoffwechsel und des Puerperiums die größte Rolle. In diesen drei Komplexen sind die wichtigsten Erkrankungen nach dem Kalben, wie Nachgeburtsverhalten, Endometritis, klinische Mastitiden, Gebärparese, Ketose und Labmagenverlagerung zusammengefasst. Von allen einbezogenen Kalbungen wurden 15,6 % als schwer eingestuft, die Totgeburtenrate lag bei 6,6 %. Dabei entfielen die meisten Tot- und Schwergeburten auf Kühe der ersten Laktation.

Kaum Zyklusstörungen in den ersten 60 Laktationstagen

Für fast alle Erkrankungskomplexe konnte ein Zusammenhang zwischen der Laktationsnummer der Kuh und der Häufigkeit des Auftretens festgestellt werden. Nur Geburts- und Zyklusstörungen blieben von dieser Beziehung unbeeinflusst. Dieser Bereich wies im allgemeinen nur wenige Erkrankungen auf. Die Ursache könnte darin liegen, dass diese Untersuchung nur bis zum 60. Laktationstag reicht, die meisten Zyklusstörungen aber ab dem 80. Laktationstag auftreten.
Der Stoffwechselkomplex wies den größten Anstieg der Erkrankungshäufigkeit von der ersten bis zur vierten Laktation auf, gefolgt von Klauen- und Eutererkrankungen. Die Häufigkeit von Klauen-, Bewegungs-, Euter- und Zyklusproblemen wurde nicht vom Verbleib des Kalbes oder vom Kalbeverlauf beeinflusst. Anders hingegen bei Geburts-, Stoffwechsel- und Puerperalstörungen. Hier wurde ein deutlicher Einfluss von Schwer- bzw. Totgeburten nachgewiesen.

Schwer- und Totgeburten vorbeugen

Geburtshilfe

Eine Geburtshilfe sollte erst dann geleistet werden, wenn zwei Stunden nach Platzen der Fruchtblase kein deutlicher Geburtsfortschritt erkennbar ist. (Bildquelle: Schröpfer)

Milchleistung- und qualität werden durch die erhöhte Krankheitshäufigkeit aufgrund von Geburtsproblemen stark beeinträchtigt. Zudem entstehen hohe Kosten durch den Milchleistungsverlust, die Sperrmilch und die Behandlungskosten. Daher ist es wichtig, Schwer- und Totgeburten so gut es geht zu vermeiden. Erreicht werden kann dies mit einem gut organisierten Management, einer angepassten Fütterung und der passenden Genetik. Besonders wichtig dabei ist die stetige Kontrolle der hochtragenden und kalbenden Kühe, nach Geburtsbeginn sollte der Verlauf mindestens stündlich beobachtet werden. Jedoch sollte eine Auszughilfe erst dann geleistet werden, wenn zwei Stunden nach Platzen der Fruchtblase keine deutlicher Geburtsfortschritt erkennbar ist.

Stress vermeiden

Stress sollte für die hochtragende Milchkuh unbedingt vermieden werden, daher sollte sie mindestens eine Woche vor dem errechneten Kalbetermin in die Abkalbebox umgestallt werden. So hat die Kuh genug Zeit, sich an das dort herrschende Keimregime anzupassen und ihr Immunsystem anzugleichen. Das Umtreiben bedeutet für die Kuh Stress, was wiederum das Ausschütten des Stresshormons Adrenalin zur Folge hat. So kann eine Wehenschwäche bei der kalbenden Kuh entstehen und die Geburt verzögert sich.

Kranke Kühe frühzeitig erkennen

Fieber messen

Die wichtigste Prophylaxemaßnahme gegen Erkrankungen nach dem Kalben ist das rektale Fiebermessen in den ersten sieben Tagen. (Bildquelle: Veauthier)

Die wichtigste Prophylaxemaßnahme gegen Erkrankungen nach dem Kalben ist das rektale Fiebermessen in den ersten sieben Tagen. Die normale Körpertemperatur variiert je nach Alter, Tageszeit und Gesundheitszustand zwischen 37,5° und 39,5° C. Werden 39,5° C überschritten, handelt es sich um Fieber. Da eine erhöhte Körpertemperatur dem Auftreten weiterer Krankheitssymptome oft zwei Tage voraus geht, kann die Kuh schon behandelt werden, bevor das akute Krankheitsstadium beginnt und weitere Leistungseinbußen entstehen. Des Weiteren sind Veränderungen von Allgemeinbefinden, Wiederkauaktivität und Kotkonsistenz erste Krankheitsanzeichen und können bei mehrmaliger Tierkontrolle und intensiven Umgang frühzeitig erkannt werden.
 

 Quelle: Sophie Herrmann (Universität Rostock), Dr. Peter Sanftleben (LFA Dummersdorf)

Ein saurer Stoffwechsel kann Kühe wirksam vor Milchfieber schützen. Wichtig für den Erfolg ist das kontinuierliche Monitoring u. a. des pH-Wertes im Harn.


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