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Schweiz: Trotz Bündelung kein Preisanstieg

Trotz Kürzung der Anlieferungsmenge konnte sich in der Schweiz die Branchenorganisation Milch zum wiederholten Mal nicht auf einen höheren Milchpreis einigen. Jetzt schieben sich die Handelsketten gegenseitig den „Schwarzen Peter“ zu.

Nach Berichten des "Schweizer Bauern" beschuldigt der Einzelhändler Coop seinen Konkurrenten Migros eine Milchpreiserhöhung um mindestens 3 Rappen/l verhindert zu haben. „Es hat keinen Sinn, Milch so billig wie Mineralwasser zu verkaufen und damit die Bauern zu ruinieren“ so Coop-Marketingchef Jürg Peritz. Coop wäre offenbar bereit gewesen, in eine Milchpreiserhöhung einzuwilligen.

Am Donnerstag voriger Woche hatte sich der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BO Milch) wie schon im Dezember auf keinen neuen Richtpreis einigen können, obschon der Referenz-Index um mindestens 3 Rappen nach oben zeigt. Unterdessen hat der BOM-Vorstand jedoch erstmals den Vertragsmilchmengen-Index für Molkereimilch festgelegt. Wie die BO Milch mitteilte, wird der Index für den Zeitraum 1. März bis 30. Juni 2010 von gegenwärtig 103,6 auf 100 Punkte gesenkt, da die Vertragsmilchmenge derzeit das Absatzpotential auf den Märkten übersteigt. Die durch die Kürzung des Vertragsmilchmengen-Indexes frei werdende Milchmengen sowie die Mengen, für die keine mindestens einjährigen Verträge bestehen, müssen nun über die Milchbörse vermarktet werden. Experten rechnen daher jetzt mit Preisabschlägen gegenüber der Vertragsmilch.

Börsenpreis = Vertragsmilchpreis?

Den Erhebungen der Branchenorganisation zufolge beläuft sich die für das laufende Jahr zwischen den Verarbeitern und ihren Lieferanten kontraktierte Industriemilchmenge (ohne Bio- und Käsereimilch) auf 1,94 Mio. t; im Basisjahr 2009 lag sie bei 1,88 Mio. t. Darüber hinaus wurden im vorigen Jahr 116.000 t Molkereimilch ohne Jahresvertrag vermarktet. Zuletzt belief sich der durchschnittliche Erlös für die über die Börse vermarktete Milch auf knapp 0,61 sfr/kg (0,41 €) und lag somit nur wenig unter dem Richtpreis für die Vertragsmilch. Bei diesem konnte sich der Vorstand der BO Milch nicht auf eine Anpassung verständigen. Der Richtpreis beträgt deshalb unverändert 0,62 sfr/kg (0,42 €) ohne Mehrwertsteuer, franko Rampe Verarbeiter.

"Es wäre mehr drin gewesen ..."

„Extrem enttäuscht“ darüber zeigte sich der Schweizer Bauernverband (SBV). Seit Sommer 2009 habe sich das Preisumfeld auf den internationalen Märkten teilweise massiv verbessert. Es wäre daher mehr als angemessen gewesen, dieser positiven Entwicklung eine Richtpreiserhöhung folgen zu lassen. Mit der verweigerten Anpassung seien die Milchproduzenten von der positiven Marktentwicklung ausgeschlossen, obwohl die wirtschaftliche Lage auf den Milchviehbetrieben äußerst schwierig sei und eine Preisanpassung dringend wäre, beklagte der SBV.

Die Branchenorganisation Milch ist gegründet worden, um den Milchpreis in Zukunft marktgerecht an ein Indexsystem zu binden. Die Milchmenge soll so bei Überschusssituationen durch Anpassung der Vertragsmengen gesteuert werden.