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optiKuh

Riesige Datenmengen für die Forschung

Die Tiergesundheit sichern und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit steigern: Das sind u.a. die Ziele des Verbundprojektes optiKuh, das jetzt zu Ende gegangen ist. Wir präsentieren Ihnen die ersten Ergebnisse des spannenden Projektes!

Gemeinsam an einem Strang ziehen: Insgesamt 12 Versuchsstandorte und drei weitere Teilnehmer aus der Wirtschaft haben sich im Jahr 2015 zu dem Projekt "optiKuh" zusammengeschlossen. Bei der Abschlussveranstaltung in Braunschweig gaben die Teilnehmer Einblicke in ihre Versuchsergebnisse und erste Empfehlungen für die Praxis. Insgesamt teilten sich die Versuche auf fünf Themenblöcke auf, die zum Ziel hatten die Tiergesundheit und das Tierwohl in der Milchkuhhaltung weiter zu verbessern, das Klima zu schonen und die Wirtschaftlichkeit auf den Milchkuhbetrieben zu steigern.

Intensität in der Milchkuhfütterung

Die Intensität der Milchkuhhaltung wird u.a. durch die Qualität des Grobfutters, die Menge des Kraftfutters und die Genetik bestimmt. Dabei steht besonders ein ausgewogener Kraftfutteranteil im Fokus, da er entscheidenden Einfluss auf eine wiederkäuergerechte Fütterung, Ökonomie aber auch auf die Ökologie (Ausscheidungen) hat. Im ersten Themenblock wurde deshalb der Frage nach der optimalen Kraftfuttermenge nachgegangen. Dazu wurden über zwei Jahre hinweg Fütterungsversuche mit 1.500 Kühen durchgeführt und tierindividuelle Daten erhoben. Folgende Ergebnisse bzw. Empfehlungen ließen sich hieraus ableiten:

  • Eine Fütterung mit unterschiedlichen Kraftfutteranteilen (150 odr 250 g/kg Milch) beeinträchtigt die Gesundheit und das Stoffwechselgeschehen nicht. Die Leistung steigt mit Steigerung der Kraftfuttermenge an. Dieser Effekt ist beim Einsatz einer TMR im Vergleich zur Teil-TMR (Abrufstation) kleiner.
  • Die Anhebung des Energiegehalts im Grobfutter wirkt sich grundsätzlich positiv auf Futteraufnahme und Leistung aus.
  • Der Einsatz des Kraftfutters ist ökonomisch entsprechend der einzelbetrieblichen Gegebenheiten zu bewerten. Besseres Grobfutter zu erzeugen rechnet sich.
  • Der Energiebedarf der Kühe sollte neu ermittelt werden. Für den leistungsunabhängigen Bedarf sind höhere Werte anzusetzen.

Weitere Infos finden Sie in der Elite-Ausgabe 1/18

Futtereffizienz über Zucht verbessern?

Futteraufnahme und Futtereffizienz wurden in den vergangenen Jahrzehnten indirekt über die Zucht auf Milchleistung erhöht. Eine direkte Verbesserung der Futtereffizienz war bisher jedoch über die konventionelle Zuchtwertschätzung nicht möglich. Um hierauf züchten zu können, müssen die Tiere identifiziert werden, die eine hohe Futteraufnahme und Milchleistung bei einem gleichzeitig stabilen Stoffwechsel realisieren können. Bei der genomischen Selektion werden über das Erbgut (Genom) etwa 50.000 sogenannte SNP-Marker (Single Nucleotid Polymorphisms) an Einzeltieren aus Blut- oder Haarproben bestimmt. Mithilfe des optiKuh-Projekts konnten diese individuellen SNP-Muster mit Messwerten für die Futteraufnahme und Futtereffizienz in Verbindung gebracht werden. Somit ist eine direkte Selektion auf Merkmale der Futteraufnahme und der -effizienz unter Beachtung der Stabilität des Stoffwechsels möglich. Künftig müssen diese Werte kontinuierlich erfasst werden, um genomische Zuchtwerte bestmöglich in die Zuchtziele der Rassen integrieren zu können.

Emissionen senken

Auch die Wirkung der Milchkuhhaltung auf die Umwelt (Stickstoff und Phosphor) und eine mögliche Reduzierung der Emissionen (Methan) war Thema des Projekts. Um künftig diese Bereiche auch züchterisch bearbeiten zu können, wurde nach einer praktikablen Messmethode gesucht. Hierzu wurde ein Laser-Methan-Detektor (LMD, zur Gasleck-Erkennung im Bergbau) getestet. Dank seiner Genauigkeit kann er eingesetzt werden, um die Konzentration von Methan in der ausgeatmeten Luft von Kühen zu messen. Die gemessenen Merkmale der Methankonzentration und des -ausstoßes hatten eine Heritabilität (Erblichkeit) von 0,05-0,27. Diese ist hoch genug, um eine weitere Bearbeitung in der Zucht empfehlen zu können.

Futteraufnahme und Stoffwechsel

Im vierten Themenblock wurde untersucht wie Stoffwechselindikatoren und Gesundheitsdaten die Haltung und Zuchtverfahren verbessern können. Das Besondere war, dass sich alle Verbundpartner auf ein einheitliches Untersuchungsschema (Probeentnahmetag, Uhrzeit, etc.) festlegten, um eine sehr gute Vergleichbarkeit der Daten erzielen zu können. Neben klassischen Parametern wie z.B. NEFA, BHB wurden u.a. auch Hormone untersucht. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Hormone den Energiestatus der Tiere in angemessener Weise widerspiegeln. Sie können demnächst dazu dienen stoffwechselbedingte Erkrankungen wie Ketosen vorherzusagen.

MLP-Daten voll ausschöpfen

Im Fokus von optiKuh stand auch die Weiterentwicklung der Milchanalytik (MIR-Spektren) und die Nutzung verschiedener Senoren (pH-Wert und Temperaturmessung im Pansen, smaXtec-Boli), um das Management auf den Betrieben verbessern zu können. Im Rahmen der Milchanalytik werden derzeit Kalibriergleichungen beispielsweise für die Kenngröße Energiesaldo weiterentwickelt.

Für die Diagnose gesundheitlicher Störungen wie Pansenacidosen ist der Pansen-Bolus nur bedingt geeignet. Als Monitoring System für pH-Wert Änderungen auf Herdenebene besitzt er jedoch Relevanz. Die Temperatur konnte sehr genau erfasst werden.

"optiKuh": Das Verbundprojekt ist ein Zusammenschluss aus 15 Projektpartnern. Der offizielle Startschuss fand am 19. März 2015 statt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3,35 Mio. €. Das Projekt wurde mit Mitteln aus dem Programm zur Innovationsförderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Höhe von 2,55 Mio. € unterstützt. Die Projektkoordination hatte die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft, in Grub inne.


Bearbeitet: Ostermann-Palz