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European Dairy Farmers

Ressourcen im Management gemeinsam ausschöpfen Digital Plus

Arbeitsabläufe optimieren, Reserven finden: Mit Hilfe des Lean-Managements können Milchkuhhalter ihre Betriebe optimieren. Wie das gelingen kann, erfuhren die Teilnehmer des EDF-Herbsttreffens auf dem Betrieb von Rainer Scharrer in Hersbruck.

Lean Management bedeutet "mageres Management". Lean ist eine Managementphilosophie, bei der man ständig versucht, mit weniger Ressourcen mehr Wert zu schaffen. Dabei werden alle Bereiche der Milchproduktion (Arbeitsabläufe, Futterlagerung, Transport, ...) unter die Lupe genommen. Von Anfang an ist von zentraler Bedeutung, dass die Mitarbeiter in den Prozess einbezogen werden. Denn sie sind es die täglich die Verbesserung der Produktion durchführen müssen und die dadurch auch Fehler mit aufspüren können. Um zu zeigen, wie diese Managementphilosophie, die ursprünglich aus dem Automobilbereich kommt, in der Milcherzeugung angewendet werden kann, führte die Beraterin Susanne Pejstrup (Lean Farming) zusammen mit den deutschen EDF-Teilnehmern (European Dairy Farmers e.V.) einen Workshop auf dem Betrieb von Rainer Scharrer in Hersbruck (Bayern) durch. Die Beraterin ist die Gründerin des dänischen Beratungsunternehmens "Lean Farming", sie geht direkt auf die Betriebe und unterstützt sie dabei effizienter zu arbeiten. Der Gruppenwechsel frisst Zeit Derzeit hat Rainer Scharrer seine laktierenden Kühe in drei Gruppen unterteilt: eine Leistungs-, eine Färsengruppe und eine Gruppe mit frischabgekalbten Kühen. Zum Melken müssen die Gruppen zum Melkstand getrieben werden. Die Melkzeit für alle Kühe beträgt im Moment (pro Melkzeit) drei Stunden. Das ist dem Betriebsleiter deutlich zu lang, weshalb er hier mit dem Lean Man

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Lean Management bedeutet "mageres Management". Lean ist eine Managementphilosophie, bei der man ständig versucht, mit weniger Ressourcen mehr Wert zu schaffen. Dabei werden alle Bereiche der Milchproduktion (Arbeitsabläufe, Futterlagerung, Transport, ...) unter die Lupe genommen. Von Anfang an ist von zentraler Bedeutung, dass die Mitarbeiter in den Prozess einbezogen werden. Denn sie sind es die täglich die Verbesserung der Produktion durchführen müssen und die dadurch auch Fehler mit aufspüren können. Um zu zeigen, wie diese Managementphilosophie, die ursprünglich aus dem Automobilbereich kommt, in der Milcherzeugung angewendet werden kann, führte die Beraterin Susanne Pejstrup (Lean Farming) zusammen mit den deutschen EDF-Teilnehmern (European Dairy Farmers e.V.) einen Workshop auf dem Betrieb von Rainer Scharrer in Hersbruck (Bayern) durch. Die Beraterin ist die Gründerin des dänischen Beratungsunternehmens "Lean Farming", sie geht direkt auf die Betriebe und unterstützt sie dabei effizienter zu arbeiten. Der Gruppenwechsel frisst Zeit Derzeit hat Rainer Scharrer seine laktierenden Kühe in drei Gruppen unterteilt: eine Leistungs-, eine Färsengruppe und eine Gruppe mit frischabgekalbten Kühen. Zum Melken müssen die Gruppen zum Melkstand getrieben werden. Die Melkzeit für alle Kühe beträgt im Moment (pro Melkzeit) drei Stunden. Das ist dem Betriebsleiter deutlich zu lang, weshalb er hier mit dem Lean Management ansetzen möchte. In einer Gruppenarbeit führten deshalb die Teilnehmer eine „Wertstromanalyse“ (welche Arbeitsgänge sind wertschöpfend) durch. Sie analysierten die Arbeitsschritte während des Melkens, maßen die benötigte Zeit pro Arbeitsschritt und beobachteten, an welchen Stellen es nicht ganz rund läuft. Dabei zeigte sich, dass der Melkprozeß an sich, gut strukturiert ist. Problematisch und damit zeitfressend ist jedoch der Wechsel zwischen den drei Gruppen. Hier geht viel Zeit verloren. Die EDF-Mitglieder besprachen die Probleme miteinander und präsentierten diese dem Betriebsleiter mit möglichen Lösungsvorschlägen (siehe Foto). Dazu gehörte beispielsweise größere Tore einzubauen, damit mehr als eine Kuh gleichzeitig aus der Frischmelker-Gruppe getrieben werden kann. Acht Helfer tränken die Kälber Vor dem Workshop unternahmen die EDF-Teilnehmer aber zuerst einen Betriebsrundgang. Rainer Scharrer, der neben seiner Arbeit als Milchkuhhalter auch als Berater für den Besamungsverein Neustadt a.d. Aisch arbeitet, hält insgesamt 200 Kühe. Mit ihnen konnte er im Jahr 2019 10504 kg ECM (Energie korrigierte Milch) an die Molkerei abliefern. Mit einem Milchpreis von 43,4ct/kg ECM erzielte Rainer Scharrer im vergangenen Jahr im Vergleich einen deutlich höheren Milchpreis als die übrigen deutschen EDF-Mitglieder (36,3ct/kg ECM). Der Grund für diesen hohen Milchpreis ist u.a. Rainer Scharrers Teilnahme an dem Markenprogramm "Ein gutes Stück Bayern" für Lidl, initiiert von der Privatmolkerei Bechtel. Rainer Scharrer ist bereits seit dem Start des Programmes 2009 mit dabei. Aktuell sind es 50 Betriebe, die für das Label rund 30 Mio. Kilogramm Milch produzieren. Folgende Punkte müssen für dieses Label u.a. eingehalten werden: GVO-freie Fütterung Kühe müssen im Laufstall gehalten werden, ganzjährig Zugang zu Außenklima in einem Laufhof haben und während der Weidesaison auf die Weide können (mindestens 6h/Tag) Weiche, eingestreute Liegeflächen Extensivierung eines Anteils der Fläche Keine Überbelegung Regelmäßige Kontrollen durch den Tierarzt (Betreuungsvertrag) Unangekündigte Kontrollen Einsatz alternativer Behandlungsmethoden Muttergebundene Kälberaufzucht oder Erhaltung einer bedrohten Rasse (z. B. Gelbvieh) Beim letzten Punkt entschied sich der Milchkuhhalter für die Zucht von Gelbvieh. Auf diese Weise hält Lidl mit diesem Projekt einen nennenswerten Anteil an der weltweiten Gelbviehpopulation. Für Rainer Scharrer bedeutet dies, dass er pro 250.000kg Milch eine Gelbviehkuh halten muss. Das sind acht bis neun Tiere bei seiner Herdengröße. Auf dem Betrieb arbeiten neben dem Betriebsleiter, ein Juniorbetriebsleiter, eine Teilzeit-Herdenmanagerin, ein rumänisches Paar und eine Melkerin in Teilzeit. Acht freiwillige Kälber-Tränker versorgen zusätzlich die Kälber. Gefunden haben Scharrers diese Helfer über eine lokale Social-Media-Gruppe. Die Helfer organisieren untereinander wer die Kälber wann versorgt. Informationen werden über Listen weitergegeben, die (Gesundheits-)Überwachung führen jedoch Rainer Scharrer oder seine Herdenmanager durch. Wie es künftig weitergehen soll auf Scharrers Betrieb, das steht für den Milchkuhhalter noch nicht ganz fest. Angedacht ist, dass der derzeitige Juniorbetriebsleiter in ein paar Jahren den Betrieb übernehmen könnte.