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Versorgung einer festliegenden Kuh Digital Plus

Festliegende Kühe sind immer Notfallpatienten und erfordern besondere Aufmerksamkeit! Tipps zur richtigen Versorgung dieser Tiere haben wir auf einem Seminar zum Umgang mit kranken Kühen bekommen.

Wir haben kürzlich ein Seminar zum Umgang mit kranken Kühen besucht. Die Tierärztinnen Hanna Strodthoff-Schneider und Marion Ahlers (agro prax, Ankum) haben insgesamt elf jungen Teilnehmern Tipps gegeben, worauf es bei der Untersuchung und Behandlung von auffälligen Tieren ankommt. Das Ziel für die Teilnehmer, bzw. für alle angehenden Herdenmanager: Kranke Kühe sicher erkennen, korrekt untersuchen, überlegt handeln und Rückschlüsse ziehen. Neben den rechtlichen Auflagen zum Einsatz verschreibungspflichtiger Medikamente wurde besonders der Umgang mit kranken Kühen in der Praxis thematisiert. Anhand von Fallbeispielen und zwei "Übungspatienten" konnten die Teilnehmer Folgendes üben: Strategisches Vorgehen bei der Tierkontrolle Der Untersuchungsgang an der Kuh Krankheiten erkennen, Prognose und Ursachenforschung Ein Thema war zudem die Versorgung festliegender Kühe. Was sollte untersucht werden, mit welchen Hilfsmitteln kann eine Kuh von einer auf die andere Seite umgelegt werden und wie lässt sich eine Prognose abschätzen? Festliegende Kühe richtig versorgen Das Festliegen von Kühen kann verschiedene Ursachen haben. Sie lassen sich in Ursachenkomplexe unterteilen: 1. Traumata Muskelschäden (z.B. Adduktorenriß) Nervenschäden (z.B. Rückenmarksverletzung, Lähmung von Beckennerven) Schäden an Knochen (z.B. Frakturen) oder Gelenken (z.B. Hüftgelenk ausgekugelt) 2. Störungen im Mineralstoffhaushalt zum Beispeil Calcium-, Magnesium- oder Phosphormangel 3. Hochgradige allgemeine Erkrankungen zum Beispiel eine schwere (toxische) Mastitis oder eine hochgradige Azidose oder Ketose Aber: Bei kranken Tieren ist die Diagnose immer von einem Tierarzt zu überprüfen. In vielen Fällen werden festliegende Kühe als Folge zu Abgangskühen. Das Grundproblem ist jedoch oft nicht das Festliegen an sich, sondern die Folgeschäden. Das können zum Beispiel irreparable Nerven- und Muskelschäden (bereits nach 6 bis 12 Stunden Festliegen), Traumata bei Aufstehversuchen oder Au

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Wir haben kürzlich ein Seminar zum Umgang mit kranken Kühen besucht. Die Tierärztinnen Hanna Strodthoff-Schneider und Marion Ahlers (agro prax, Ankum) haben insgesamt elf jungen Teilnehmern Tipps gegeben, worauf es bei der Untersuchung und Behandlung von auffälligen Tieren ankommt. Das Ziel für die Teilnehmer, bzw. für alle angehenden Herdenmanager: Kranke Kühe sicher erkennen, korrekt untersuchen, überlegt handeln und Rückschlüsse ziehen. Neben den rechtlichen Auflagen zum Einsatz verschreibungspflichtiger Medikamente wurde besonders der Umgang mit kranken Kühen in der Praxis thematisiert. Anhand von Fallbeispielen und zwei "Übungspatienten" konnten die Teilnehmer Folgendes üben: Strategisches Vorgehen bei der Tierkontrolle Der Untersuchungsgang an der Kuh Krankheiten erkennen, Prognose und Ursachenforschung Ein Thema war zudem die Versorgung festliegender Kühe. Was sollte untersucht werden, mit welchen Hilfsmitteln kann eine Kuh von einer auf die andere Seite umgelegt werden und wie lässt sich eine Prognose abschätzen? Festliegende Kühe richtig versorgen Das Festliegen von Kühen kann verschiedene Ursachen haben. Sie lassen sich in Ursachenkomplexe unterteilen: 1. Traumata Muskelschäden (z.B. Adduktorenriß) Nervenschäden (z.B. Rückenmarksverletzung, Lähmung von Beckennerven) Schäden an Knochen (z.B. Frakturen) oder Gelenken (z.B. Hüftgelenk ausgekugelt) 2. Störungen im Mineralstoffhaushalt zum Beispeil Calcium-, Magnesium- oder Phosphormangel 3. Hochgradige allgemeine Erkrankungen zum Beispiel eine schwere (toxische) Mastitis oder eine hochgradige Azidose oder Ketose Aber: Bei kranken Tieren ist die Diagnose immer von einem Tierarzt zu überprüfen. In vielen Fällen werden festliegende Kühe als Folge zu Abgangskühen. Das Grundproblem ist jedoch oft nicht das Festliegen an sich, sondern die Folgeschäden. Das können zum Beispiel irreparable Nerven- und Muskelschäden (bereits nach 6 bis 12 Stunden Festliegen), Traumata bei Aufstehversuchen oder Ausgrätschen, Verdauungsstörungen durch geringe Futteraufnahme oder Stoffwechselstörungen sein. Um den Verlust der Kuh aufgrund dieser Folgeschäden zu vermeiden, ist eine korrekte Versorgung festliegender Kühe wichtig! Um den Zustand der Kuh genau einschätzen zu können und eine Prognose aufstellen zu können, steht eine vollständige klinische Untersuchung an erster Stelle. Dabei ist es wichtig, immer auch das Euter und die Hinterbeine zu untersuchen, auch wenn das bei der liegenden Kuh nicht ganz einfach ist. Je nach Diagnose erfolgt dann eine entsprechende medikamentöse Behandlung in Absprache mit dem Tierarzt. Zusätzlich dazu ist es ratsam, der Kuh Fußfesseln anzulegen. So hat sie bei Aufsteh-Versuchen mehr Halt und ein Ausgrätschen wird vorgebeugt. Schonende Verbringung! Festliegende Kühe sind am besten in einem sauberen Strohstall oder in einer Sandbox (rutschfester Untergrund!) untergebracht. Je nachdem wie die Kuh aufgestellt oder behandelt werden soll, ist auch ein Ort außerhalb des Stalles (Weide) möglich. Hier muss aber ein Schutz vor Witterung, insbesondere vor Sonneneinstrahlung, gegeben sein. Außerdem muss der Kuh ständig ausreichend Futter und Wasser angeboten werden. Muss die Kuh an einen passenden Ort transportiert werden, ist das Ziehen auf einem "Schlitten" die beste Variante. Dazu kann zum Beispiel gut eine Gummimatte dienen, die so groß ist, das die Kuh komplett darauf aufliegt und sich keine Schürfwunden während des Transportes zuziehen kann. Das Material der Schlitten-Unterlage muss so beschaffen sein, dass es sich während des Ziehens nicht auflöst. Während des Transportes auf dem Schlitten sollte der Kopf der Kuh über ein Halfter gesichert werden - heißt: eine Person läuft nebenher und hält über das Strick Kontakt zu der Kuh, falls sie ihren Kopf bewegt. Nie darf eine Kuh dagegen am Kopf gezogen werden! Ebenso sollte das Transportieren dieser kranken Kühe nicht für Passanten einsehbar sein. Wichtig: Wenn sich die Kuh nicht selbstständig umlegt oder die Position wechselt, sollte sie mindestens viermal täglich umgelegt bzw. gedreht werden! Hoflader, breite Gurte oder eine Beckenklammer können dabei hilfreich sein. Zudem können Strohballen die Brust-Bauch-Lage der Kuh unterstützen. Eine Beckenklammer sollte nur im äußersten Notfall, behutsam und so kurz wie möglich eingesetzt werden, da sie auch schwere Verletzungen (Hämatome, Muskelschäden) verursachen kann. Eine Kuh sollte nie über eine längere Zeit in der Beckenklammer hängen. Kann die Kuh die Position alleine nicht halten, sollte sie besser nicht auf diese Weise hochgehoben werden. Prognose? Eine festliegende Kuh bedeutet immer viel Arbeitsaufwand. Daher sollte man sich vorher bewusst machen, wie realistisch es ist, diesen Aufwand zu bewerkstelligen und vor allem, wie die Prognose für die Kuh ist. Ist die Prognose gut und kann eine erforderliche Versorgung des Tieres sichergestellt werden, sollte ein "Behandlungsversuch" gestartet werden. Prognose gut: Die Kuh frisst, säuft und wechselt selbstständig ihre Seite auf der sie liegt. - Die Prognose ist günstig. Mit einer entsprechenden Behandlung und guter Pflege kann die Kuh bis zu drei Wochen mit Aussicht auf Erfolg liegen gelassen werden. Prognose schlecht: Trotz Behandlung befindet sich die Kuh in Seitenlage oder legt sich nicht selber um oder frisst und säuft nicht. - Die Prognose ist ungünstig und tierschutzrelevant und erfordert einen extremen Arbeitsaufwand. Eine Euthanasie ist zu erwägen. Steht eine Kuh nicht wieder auf bzw. wird nicht wieder gesund, kann es infolge zum Abgang dieser Kuh kommen. Grundsätzlich gilt: Krankschlachtungen sind untersagt! In welchen Fällen eine Notschlachtung (also die Verwertung eines nicht transportfähigen Tieres) möglich ist, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Kommt eine Notschlachtung nicht infrage, muss das Tier notgetötet werden (z.B. Euthanasie). Häufig wird hier zu lange gewartet. Mehr zum Thema Notschlachtung/Nottötung finden Sie in diesem Artikel: In der Not richtig töten (Elite 4/2019). KuhTrainee: Das beschriebene Seminar war gleichzeitig die erste Fortbildung für die ersten acht "KuhTrainees": Was macht man, wenn man keine Leute fürs Herdenmanagement findet? Man bildet sie sich selber aus! Das war die Idee einer Gruppe junger Landwirte aus Norddeutschland, die ein Kuhtrainee-Programm ins Leben gerufen haben. Das Traineeprogramm dauert ein Jahr, der erste Durchgang hat am 1. August 2019 begonnen. Jeder Trainee verbringt auf vier Betrieben jeweils drei Monate. Zu Beginn jedes Blocks gibt es eine externe Fortbildung. Mehr Informationen zum Traineeprogramm finden Sie hier.