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Deutschland

Nordosten und -westen im Trockenstress

Die vielerorts seit Wochen andauernde Trockenheit setzt praktisch alle Kulturen unter mäßigen bis starken Trockenstress. Ertragsverluste von über 25 % im Getreide und Engpässe in der Grundfutterversorgung werden befürchtet.

Der ausbleibende Regen bereitet den Landwirten, insbesondere im Nordosten und in der Mitte Deutschlands, zunehmende Sorgen.

Brandenburg: Der Kreisbauernverband Havelland berichtete am Montag vergangener Woche (8.6.), dass die Niederschläge in Brandenburg im Mai um etwa zwei Drittel hinter den langjährigen Durchschnittswerten liegen. Auch in den vorherigen Monaten gab es bereits deutliche Defizite in den erfassten Niederschlagsmengen, soass derzeit praktisch alle Kulturen unter mehr oder weniger starkem Trockenstress stünden. Nach Angaben von Kreisgeschäftsführer Johannes Funk halten die Landwirte in der Region deshalb bei Getreide, Mais und Zuckerrüben inzwischen Ertragsverluste von bis zu 25 % für möglich. Bei der Wintergerste zeigten sich zudem erste Anzeichen von Notreife, was auf eine um rund zwei Wochen verfrühte Ernte schließen lasse.

Mecklenburg-Vorpommern: Laut dem Landwirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern haben die geringen Niederschläge der vergangenen Wochen neben dem Trockenstress im Acker- und Futterbau auch die Waldbrandgefahr erhöht. Die Trockenheit wurde durch die stetigen, mäßigen bis starken Winden und den sommerlichen Temperaturen noch vorangetrieben. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus warnte insbesondere für die großen Kiefernwaldgebiete der Landkreise Ludwigslust-Parchim, Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald. Dort gelte bereits eine „hohe“ beziehungsweise eine „sehr hohe“ Gefahr; in den anderen Landesteilen liege eine „mittlere“ Gefahr vor.

Niedersachsen: Während in Brandenburg eine künstliche Beregnung nicht die Regel ist, verfügen Berufskollegen in der Region nördlich von Hannover in den Landkreisen Celle, Uelzen, Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Lüneburg über das größte zusammenhängende Beregnungsgebiet Niedersachsens. Das Landvolk Niedersachsen berichtete, dass auf den dortigen Äckern trotz der eher kühlen Witterung in diesem Frühjahr extreme Trockenheit herrscht. Die Landwirten sind in Sorge. Denn im Mai seien nur 50 l Regen pro Quadratmeter gefallen und der Boden enthalte lediglich wenige Reserven aus den Wintermonaten.

„Vor allem auf den Sandböden fehlt Wasser. Deshalb werden Getreide und Kartoffeln mancherorts bereits das dritte Mal beregnet“, teilte Angela Riedel vom Fachverband Feldberegnung mit. Die leichten Sandböden könnten das Wasser nicht so gut speichern wie die Lehmböden im Süden des Landes. Um dennoch zufriedenstellende Erträge zu erzielen, würden auf den Flächen je Durchgang 25 mm bis 30 mm und im Raps 40 mm künstlicher Niederschlag ausgebracht.

Der Landesbauernverband verwies auf langjährige Versuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, denen zufolge die Feldberegnung in Trockenzeiten zu deutlichen Ertragssteigerungen führen könne.

Indes teilte die Kammer mit, dass auch in den niedersächsischen Wäldern die Waldbrandgefahr steige. Vielerorts werde bereits Stufe drei des fünfstufigen Waldbrand-Gefahrenindexes erreicht. Die Niedersächsischen Landesforste berichteten, dass gerade in den lichten Kiefernwäldern im Nordosten des Landes die Waldbrandgefahr besonders hoch sei.

Hessen: Der Hessische Bauernverband (HBV) berichtet, dass viele Landwirte aufgrund der anhaltenden Trockenheit Engpässe in der Futterversorgung erwarten. HBV-Präsident Friedhelm Schneider betonte, die Landwirte wüssten derzeit nicht, ob sie genügend Futter für den Winter ernten könnten. „Das Gras ist nach dem ersten Mähen bisher kaum gewachsen, und auch für die Getreide- und Ölsaatenernte sehe ich schwarz, wenn wir nicht bald eine ordentliche Regenperiode bekommen“, sagte Schneider.

Im Obst- und Gemüsebau sehe es nicht viel besser aus. Zu den gestiegenen Produktionskosten durch die Einführung des Mindestlohns kämen nun noch enorme Bewässerungskosten hinzu. Der HBV-Präsident appellierte an die Verbraucher, die heimische Landwirtschaft mit dem Einkauf regionaler Produkte zu unterstützen.

Trockenheit belastet die Nordhälfte

Die Einschätzungen in den einzelnen Ländern decken sich auch mit den Beobachtungen der Agravis Raiffeisen AG. Diese wies ebenfalls darauf hin, dass das Frühjahr insgesamt viel zu trocken gewesen sei. Fast überall in Deutschland stehen die Kulturen unter Druck. Der Leiter der Pflanzenbauberatung, Franz Schulze Eilfing, berichtete, dass die Lage in Brandenburg und in Sachsen-Anhalt besonders extrem sei. Zudem sei die Region nördlich von Hannover, aber auch das Münsterland, Westfalen und - gleichwohl der guten Böden - die Soester Börde betroffen. „Die Böden beziehungsweise die Pflanzen müssen auf Reserven aus den Wintermonaten zurückgreifen“, so der Schulze Eilfing. Doch diese seien viel zu gering, um die Pflanzen dauerhaft optimal zu versorgen. (AgE)