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Neues Bildungszentrum Echem setzt Maßstäbe

Nach fünfjähriger Planungs- und Bauzeit ist das Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) in Echem am 5. September neu eröffnet worden. 150 Kühe werden verschiedenen Aufstallungsformen gehalten und mit verschiedenen Systemen (automatisches Melksystem und konventionelle Melktechnik) gemolken.

„Das neue LBZ setzt Maßstäbe in der landwirtschaftlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje in der anschließenden Pressekonferenz. Schwetje bezeichnete das neue LBZ als „Drehscheibe“ für den Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis. „Neue Erkenntnisse, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen basieren, können über die Bildungsangebote des LBZs direkt auf die Höfe transferiert werden“, erklärte der Kammerpräsident. Dabei werde man die inhaltlichen Schwerpunkte immer wieder neu setzen. Die Zusammenführung der Rinder- und Schweinehaltung in Echem, das Nebeneinander von konventioneller und ökologischer Tierhaltung sowie das pädagogische Konzept mit ausgewogenen Praxis- und Theorieanteilen sei in dieser Art „einzigartig in Deutschland“. Als „wichtig“ bezeichnete Schwetje den Ansatz, die Verbraucher über die Methoden moderner Tierhaltung direkt in den Ställen zu informieren. Damit werde nicht nur Aufklärungsarbeit geleistet, sondern auch zur Annäherung von Landwirtschaft und Gesellschaft beigetragen.

Zukunftsweisende Ausbildung

„Die Erweiterung des Ausbildungsstandortes Echem ist eine gute Investition, um die Zukunft Niedersachsens als Agrarstandort Nr. 1 zu sichern“, erklärte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Nicht nur der technische Fortschritt erfordere eine hohe Qualität der Ausbildung, sondern auch die veränderten Ansprüche an eine tierschutzgerechtere Haltung. Er hofft, dass es gelingt, in den modernen Stallungen auch in Zukunft alle Anforderungen an tiergerechte Haltungen so zu vermitteln, wie sie in der Praxis erforderlich sind. „Ich begrüße ausdrücklich, dass nun die Möglichkeit geschaffen wurde, allen Auszubildenden in Echem auch die Grundlagen der ökologischen Tierhaltung anschaulich zu vermitteln“, erklärte Meyer.

„Im neuen LBZ Echem wird die überbetriebliche Ausbildung in den Bereichen Rind und Schwein zukunftsweisend gestaltet“, sagte Landvolk-Präsident Werner Hilse als Vertreter der Landwirtschaft. Die neuen Lehrwerkstätten zeigten neue Entwicklungen in den unterschiedlichen Wirtschaftsweisen der Landwirtschaft. „So können sich angehende Landwirte ein Bild von den verschiedenen Haltungssystemen in der Tierhaltung machen, sie direkt vergleichen und danach entscheiden, wie sie künftig arbeiten wollen“, so der Landvolk-Präsident. Auch erfahrene Praktiker profitierten von den „umfassenden Fort- und Weiterbildungsangeboten auf höchstem Niveau“. Die regelmäßige Teilnahme sei für jeden Bauern unerlässlich, um das eigene Wissen stets auf aktuellem Stand zu halten. Ausdrücklich begrüßte Hilse das LBZ-Vorhaben, den Verbraucherdialog aktiv zu fördern. Das sei „wichtiger denn je“, um die gesellschaftliche Akzeptanz der herkömmlichen Landwirtschaft zurückzugewinnen. Gleichzeitig bekämen junge Landwirtinnen und Landwirte Anregungen für die Öffentlichkeitsarbeit auf ihren Höfen.

Nutztiere ohne Leid und Schmerz halten

Die Erwartung der Gesellschaft an moderne Tierhaltung brachte Pastorin Ricarda Rabe, Kirchlicher Dienst auf dem Lande der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, so auf den Punkt: „Nutztiere sollten während ihres Lebens ohne Leid, Angst und Schmerz gehalten werden, es soll ihnen gut gehen.“ Die neuen Lehrwerkstätten in Echem würden dazu beitragen, Tierhalter in diesem Sinne immer weiter zu perfektionieren.

150 Kühe, AMS und Melkstand

Einige Eckdaten des neuen LBZs nannte Geschäftsführerin Martina Wojahn: In der Lehrwerkstatt Rind werden 150 Kühe in verschiedenen Aufstallungsformen gehalten und mit verschiedenen Systemen (automatisches Melksystem und konventionelle Melktechnik) gemolken. Hinzu kommen die weibliche Nachzucht (90 Rinder) sowie 25 Mutterkühe.

In der Lehrwerkstatt Schwein stehen künftig im konventionellen Bereich 270 Sauen, 1.275 Ferkel und 1.275 Mastscheine. Die ökologische Schweinehaltung zählt 32 Sauen, 84 Ferkel und 285 Mastscheine. Geschäftsführerin Wojahn betonte, dass „die Lehrwerkstätten Rind und Schwein den Vorgaben des niedersächsischen Tierschutzplans entsprechen“.

30 Mio. Euro investiert

Für das Schaufenster Landwirtschaft werden 25 Stück Damwild im Gehege, 30 Leineschafe und einige Ziegen und Hühner gehalten. Der Betrieb bewirtschaftet gut 200 Hektar, davon 110 Hektar Grünland. Das Tagungs- und Gästehaus verfügt über 15 Seminarräume und Übernachtungsmöglichkeiten für 100 Gäste, die mit regionaler Küche versorgt werden können. Pro Jahr rechnen die Verantwortlichen mit 7.000 Gästen, knapp 2.000 Auszubildenden und rund 5.000 Besuchern der Fort- und Weiterbildung. Hinzu kommen 3.000 Gäste außerhalb der Landwirtschaft, von Kindergartengruppen und Schulklassen über Jugendfreizeiten bis hin zu Vereinen und Betriebsausflügen, die sich im „Praxiscampus“ über moderne Tierhaltung informieren wollen. 

Die Kosten für den Neubau der Schweineställe sowie die Erweiterung und Modernisierung des Rinderbereichs und des Internats bezifferte Kammerdirektor Hans-Joachim Harms auf rund 30 Millionen Euro. Davon trugen das Bundesinstitut für Berufsbildung knapp 15 Millionen Euro, das Land Niedersachsen 4 Millionen Euro und die Landwirtschaftliche Rentenbank knapp 700.000 Euro. Etwa 10 Millionen Euro bezahlt die Kammer.