Coronavirus

Molkereien solidarisch in der Krise

In den Niederlanden haben sich die Molkereien auf einen gemeinsamen Notfallplan verständigt, falls Abholung oder Verarbeitung der Milch Corona-bedingt nicht mehr sichergestellt werden können. Eine unbürokratische und pragmatische Entscheidung!

Bislang sind die Molkereien unterschiedlich stark von der Corona-Krise betroffen: Wer frische Produkte für den heimischen Markt produziert, profitiert. Andere setzen auf Großabnehmer oder den Export und mussten ihr Geschäft deutlich herunterfahren. Was aber bisher noch einwandfrei funktioniert, ist die Abholung und Weiterverarbeitung der Milch - hier sind und waren alle relevanten Mitarbeiter im Einsatz. Was aber, wenn die Mitarbeiter einer gesamten Fabrik in Quarantäne müssen oder die Transportwege zusammenbrechen? In Deutschland haben sich die Genossenschaftsmolkereien laut der Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft (IGM), zu der sich Arla, die Bayerische Milchindustrie, das Deutsches Milchkontor, Hochwald, die Molkerei Ammerland, FrieslandCampina und Uelzena zusammengeschlossen haben, lose verständigt. In den Niederlanden hingegen hat die Milchwirtschaft einen gemeinsamen Notfallplan entwickelt! Was genau er beinhaltet, erklärt René van Buitenen vom niederländischen Milchindustrieverband NZO:

Die niederländischen Molkereien haben jetzt einen gemeinsamen Corona-Notfallplan. Was sieht dieser vor?

van Buitenen: Wir möchten sicherstellen, dass die Milch auch dann abgeholt und verarbeitet wird, wenn Corona Milchwagenfahrer oder Molkerei-Mitarbeiter an der Arbeit hindert. Deswegen haben alle 13 NZO-Mitglieder (98% der niederländischen Milch) vereinbart, dass im Notfall eine andere Molkerei einspringt und Milchabholung und -verarbeitung übernimmt.

Wie haben sich die Akteure untereinander geeinigt? Von wem ging die Initiative aus?

van Buitenen: Die Vorbereitungen begannen im Februar, als klar wurde, dass der Corona-Ausbruch ernsthafte Probleme in China ausgelöst und Italien erreicht hatte. Als erstes haben die Molkereien ihre Hygieneprotokolle verschärft. Später entwickelte der niederländische Milchindustrieverband einen Notfallplan für die gesamte Branche. Ziel ist, den normalen Ablauf der Milchabholung und -verarbeitung sowie die Verteilung der Milchprodukte im Handel sicherzustellen – obwohl immer mehr Menschen erkranken und der saisonale Anlieferungshöhepunkt noch bevorsteht.

Müssen die Milcherzeuger bei einer Umverteilung Milchgeld-Einbußen hinnehmen?

van Buitenen: Der Milcherzeuger erhält weiter das Milchgeld seiner eigenen Molkerei. Bis jetzt mussten wir glücklicherweise auch noch nicht auf unseren Notfallplan zurückgreifen.

Rene van Buitenen, NZO (Bildquelle: privat)


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