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Molkereien müssen Instrumente zur Absicherung von Preisrisiken anbieten

Eine Nutzung der Warenterminbörse liegt im Interesse der Milcherzeuger, so der Interessenverband Milcherzeuger. Die Dienstleistung „Preisabsicherung“ mache Molkereien für große Erzeuger interessant und ermögliche es ihnen, für Phasen mit niedrigen Milchpreisen vorzusorgen.

Angesichts volatiler Preise am Milchmarkt sieht Christian Schmidt vom Interessenverband Milcherzeuger (IVM) die Molkereien in der Pflicht, börsenbasierte Instrumente zur Risikoabsicherung anzubieten. Als Milcherzeuger könne man an der Frankfurter Eurex bisher nicht selbst agieren, da keine Rohmilch, sondern nur Verarbeitungserzeugnisse wie Butter und Milchpulver gehandelt würden, sagte der IVM-Vorsitzende bei der diesjährigen IVM-Jahrestagung im brandenburgischen Seddin, wo Mitte Juni zugleich das 20-jährige Bestehen des Verbandes begangen wurde. „Eine Molkerei ist nur dann eine gute Molkerei, wenn sie sich weitblickend und nachhaltig um ihre Milchlieferanten kümmert“, hob Schmidt hervor. Die verstärkte Nutzung der Börse liege ganz klar im Sinne der Milcherzeuger, was gegenüber den Molkereien auch kommuniziert werden müsse. Eine Dienstleistung „Preisabsicherung“ mache die Molkerei für große Milcherzeuger interessant und ermögliche den Betrieben, für Phasen mit niedrigen Milchpreisen vorzusorgen.

"Molkereien müssen Lagerkapazitäten ausbauen"

Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Manfred Nüssel, würde es für sinnvoll halten, wenn die großen Molkereigenossenschaften künftig Lagerkapazitäten für Dauerprodukte wie Butter und Milchpulver vorhalten, um Angebots- und Nachfrageschwankungen abpuffern zu können. „Das geht nur bei einer gewissen Größe und mit einer ausreichenden Eigenkapitalausstattung“, warb Nüssel für weitere Zusammenschlüsse in der Molkereibranche. Der DRV-Präsident plädierte für eine starke und liquide Warenterminbörse in Europa. Die Matif in Paris alleine sei zu wenig. Möglicherweise werde es an der Eurex in Frankfurt nach der nächsten Reform der EU-Agrarpolitik zu größeren Umsätzen mit Milcherzeugnissen kommen.

"Milchpreise EU-weit saldieren"

Um den extremen Volatilitäten am Milchmarkt nicht nur zuzuschauen, forderte der „Milchpräsident“ des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, von der Politik ein klares Signal durch die Zusicherung eines untersten Sicherheitsnetzes. Ein solcher politischer Flankenschutz, so Folgart, sei aufgrund des bevorstehenden Quotenausstiegs und der damit verbundenen zunehmenden Marktorientierung zwingend notwendig. Ebenso unerlässlich wie ein Sicherheitsnetz sei die Reduzierung der Superabgabe sowie die Einführung einer steuerneutralen Risikoausgleichsrücklage. Ein weiterer Schritt für eine sanfte Landung am Milchmarkt sei die EU-weite Saldierung der Milchquote.

IVM: Lobbyvereinigung für große Milchviehanlagen

Die Gründung des IVM erfolgte im Jahr 1991 mit dem Ziel, großen ostdeutschen Milcherzeugern auf dem Weg in die Marktwirtschaft Hilfestellung zu geben und die Akzeptanz großer Milchviehbetriebe in Gesellschaft und Politik zu steigern. Der IVM sieht sich selbst als Fachverband, in dem heute neben Milchexperten vor allem Agrarunternehmen organisiert sind, die große Milchviehanlagen mit einer ähnlichen technologischen Basis betreiben. Viele dieser ehemaligen sogenannten Typenanlagen seien heute technologisch und in Sachen Management auf einem hohen Stand und Spitzenbetriebe der Milcherzeugung in Deutschland und Europa. Zur Durchsetzung seiner Ziele setzt der IVM nach eigenen Angaben auf die Kooperation mit Berufs- und Fachverbänden. In den letzten Jahren habe man vor allem die Zusammenarbeit mit dem DBV und DRV ausgedehnt. Wichtiges politisches Anliegen des IVM sei es, gerade den großen Agrarunternehmen und spezialisierten Milchproduktionsbetrieben, die effizient und tierschutzgerecht produzierten, auch künftig Chancengleichheit zu sichern.