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Kann es Kühen in größeren Milchviehbetrieben noch gut gehen?

Der Milchmarkt, die Einkommenssituation der Milchviehhalter, aber auch Markenmilch- oder Nachhaltigkeitsprogramme wurden auf der Pressekonferenz der Landesvereinigung Milch NRW angesprochen. Ein Thema, das die Journalisten aber besonders interessierte, war: Betriebe werden immer größer - geht es den Kühen da noch gut?

"Die niedrigen Erzeugerpreise der vergangenen Jahre haben den Strukturwandel beschleunigt. Schärfere Gesetze, wie z.B. die Düngeverordnung, werden je nach Auslegung bei vielen kleineren und Familienbetrieben für den Ausstieg aus der Milchviehhaltung sorgen", erklärte Hans Stöcker, rheinischer Vorsitzender der Landesvereinigung Milch NRW. "Tierschutz kann man nicht mit dem Zollstock von außen auf die Betriebe drücken", machte er seine Meinung  in Hinblick auf die verschiedenen Label und Forderungen nach schärferen Gesetzen deutlich. Besser sei es, wenn Milchviehbetriebe die Gelegenheit erhielten, in neue Ställe und damit auch in Tierwohl zu investieren.

Um dies an einem Beispiel zu zeigen, fand die Halbjahrespressekonferenz der Landesvereinigung Milch NRW erstmals auf einem Milchviehbetrieb statt. Hof Sonnenborn der Familie Stöcker in Engelskirchen ist ein Milchviehbetrieb mit 180 Kühen. Der Neubau auf der "grünen Wiese" ist mangels ausreichend gerader Fläche in der Mittelgebirgsregion nicht möglich. Demzufolge setzte die Betriebsleiterfamilie auf kontiniuierliches Wachstum: Dem ersten Laufstall 1980 folgten Erweiterungen und Umbauten, auch in Tierwohl wurde investiert. Zuletzt wurde der bereits auf Kuhmaße gebaute Jungviehstall 2015 mit neuen Boxen ausgestattet und die Jungviehaufzucht ausgelagert. Dass sich die Tiere wohlfühlen, zeigt sich für Familie Stöcker anhand von "SUN Mara", die mit Tochter, Enkelin und Urenkelin in einer Box posierte.

Neben dem Milchmarkt waren bei den Zeitungsjournalisten auch Themen wie Tierwohl und Nachhaltigkeit gefragt. Hier konnte der Betrieb punkten und zeigte vier Generationen in einer Box! Foto: Stöcker

Die Branche muss noch viel erklären

Die Investition in Tierwohl ist nur dann möglich, wenn die Gesellschaft diese auch zulässt und nicht durch zu scharfe Vorgaben ausbremst. Die Fragen der Journalisten, vornehmlich von der Tagespresse und Onlinemedien, machten deutlich, dass für viele vor allem das Wohl der Kühe im Mittelpunkt stand. Dies passt zu den Ergebnissen einer Forsa-Umfrage, wonach artgerechte Tierhaltung bei weitem als der wichtigste Punkt in Sachen Nachhaltigkeit gesehen und "moderne" Milchviehhaltung häufig mit Massentierhaltung und Automatisierung assoziiert wurde.

Der Lichtblick: Erklärungen helfen! Für einige Journalisten war es das erste Mal, dass sie sich persönlich einen Milchviehbetrieb ansahen. Die Erklärungen und das Aufzeichen von Pro- und Contra-Argumenten sorgte für manche nachdenkliche Miene. Dies wurde besonders am Beispiel "Weidemilch" deutlich. Das Interesse an Weidegang war groß. Doch nicht zuletzt durch den strömenden Regen am Tag der Pressekonferenz zeigte sich sehr eindrücklich, dass Weide "um jeden Preis" nicht dem Tierwohl dient. Stattdessen muss es für die Betriebe die Möglichkeit geben, flexibel auf das Wetter oder individuelle Bedingungen vor Ort zu reagieren. Die sachlichen Erklärungen nahmen die Anwesenden durchaus an.

"Wir haben lange Zeit zu wenig kommuniziert und Ihnen nicht erklärt, wie sich die Milchviehhaltung weiterentwickelt hat", sagte Hans Stöcker in Richtung der Journalisten. Der positive Austausch (und die bisher ausschließlich positive Berichterstattung!) zeigt jedoch, dass die Mühen einer solchen Kommunikation auf Augenhöhe Früchte tragen. Die Branche muss sich nur trauen, auf die Menschen zuzugehen!

Bearbeitet: C. Stöcker