Milchmenge reduzieren - so geht`s!

Derzeit werden immer häufiger Milcherzeuger von ihren Molkereien aufgefordert, die Anlieferungsmenge zu verringern. Wie ist das möglich?

Die Corona-Krise hat einige Milchverarbeiter hart getroffen, über Nacht ist so mancher wichtige Handelspartner oder Markt weggebrochen. Einige Milchverarbeiter haben deshalb schon an ihre Lieferanten appelliert, die Milchanfuhr zu reduzieren. Sicherlich lässt sich die tägliche Milchmenge kurzfristig verringern, durch
  • das vorzeitige Merzen von Kühen, die ohnehin bald abgehen sollen,
  • durch ein vorgezogenes Trockenstellen der Kühe,
  • und durch eine Verlängerung der Tränkeperiode der Kälber mit Vollmilch.

Bleibt die Frage, wie viel Milch letztlich eingespart werden kann? Eine signifikante Menge? Mit den beiden letztgenannten Maßnahmen lassen sich in einem Durchschnittsbetrieb (100 Kühe) etwa zwei Liter Milch pro Kuh und Tag einsparen, also rund 200 Liter - ohne auch nur eine Kuh an den Schlachter zu verkaufen. Wesentlich mehr Milch lässt sich theoretisch einsparen, wenn Altkühe den Bestand verlassen.

Altmelker ausselektieren

Altmelkende Kühe, die ohnehin keine Zukunft mehr in der Herde haben, können sofort verkauft werden, solange sie nicht trächtig sind. Tragende Kühe dürfen nicht zu Schlachten abgegeben werden. Diese Tiere können aber trockengestellt und gemästet werden. Oftmals genügen schon wenige Tage/Wochen, um einen deutlich höheren Schlachtpreis zu erzielen.
Nachteil: Sofern kein Stallplatz vorhanden, ist das Verfahren nur bedingt möglich. In überbelegten Ställen kann das Selektieren sogar zu einem Anstieg der Tagesmilchmenge führen, da die übrigen Milchkühe weniger Stress ausgesetzt sind.

Kühe zwei Wochen früher trocken stellen

Altmelkende Kühe können länger trocken gestellt werden. Anstatt sechs Wochen z.B. auch acht Wochen. Wie stark sich die tägliche Milchproduktion verringert, hängt von der Anzahl der trockenzustellenden Kühe und ihrer aktuellen Milchleistung ab. Bei einer 100-köpfigen Herde lassen sich täglich so 115 Liter Milch (1,15l/ Kuh) einsparen.
Wichtig: Die Kühe müssen in optimaler Kondition (Body Condition Score von 3,5, Fleckvieh max. 4,0) bleiben. Eine Verfettung würde unweigerlich das Risiko des Auftretens von Stoffwechselerkrankungen zu Laktationsbeginn erhöhen. Daher sollten die Langzeit-Trockensteher eine energiearme Ration erhalten, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.
Nachteil: Der Platzbedarf nimmt zu. Auch ist eine intensive Beobachtung der Trockensteher sehr wichtig.

Kälber (länger) mit Vollmilch füttern

Das Vertränken der Vollmilch an die Kälber ist eine weitere Möglichkeit, um überschüssige Milch zu verwerten. Vor allem durch den Austausch von Milchaustauscher auf Vollmilch reduziert sich die Milchmenge. Durchaus möglich ist, die Frischabkalber vier oder fünf Tage lang in die Kanne zu melken und diese Milch an die Kälber zu verfüttern. Wenn alle weiblichen Kälber aufgezogen und nach zehn Wochen abgesetzt werden (die männlichen Kälber zwei Wochen auf dem Betrieb bleiben), können bei einer 100-köpfigen Milchkuhherde täglich 76 Liter Milch an die Kälber verfüttert werden.
Wenn zusätzlich noch die Tränkephase bei den Aufzuchtkälbern von 10 auf 14 Wochen ausgeweitet wird, lassen sich rund 100 Liter Milch täglich verwerten.
Nachteil: Bei einem plötzlichem Umstieg von Milchaustauscher auf Vollmilch können vermehrt Durchfallerkrankungen auftreten. Auch ist nicht immer die Vollmilch-Tränketechnik vorhanden.
Einordnung: Sind diese drei beschriebenen Maßnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein oder eine echte Maßnahme, die dazu beitragen kann, den Milchpreis stabil zu halten? Das lässt sich pauschal nicht beantworten und sollte betriebsindividuell – in Absprache mit dem Milchverarbeiter - erörtert werden.


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