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USA

Milchbauern brauchen Handelsabkommen, keine Handelskriege!

Der vom US-Präsident Donald Trump angezettelte globale Handelskrieg treibt zunehmend mehr Milchfarmer in den USA in die Insolvenz. Daran ändert auch ein jüngst aufgesetztes 16 Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm nichts.

Es scheint wie eine Ironie des Schicksaals: Die Farmer in den USA, die maßgeblich zum Wahlsieg von Donald Trump beigetragen haben, spüren jetzt auf sehr schmerzhafte Weise, die Auswirkungen seiner populistischen Wirtschaftspolitik (America first).

Wisconsin gilt als „Amerikas Milchland“, doch schon bald könnte der US-Bundesstaat seinen Titel verlieren, denn immer mehr Milchfarmer geben die Produktion auf. Allein in den letzten beiden Jahren haben fast 1.200 Farmer in dem US-Bundestaat das Melken eingestellt. In diesem Jahr haben bereits weitere 212 Milcherzeuger das Handtuch geworfen. Viele der Milcherzeuger machen jetzt die von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskriege für ihre wirtschaftliche Misere verantwortlich. Vorallem die von Trump ins Leben gerufenen umfassenden Strafzölle für Stahl und Aluminium, die den amerikanischen Stahl-Herstellern helfen sollten, haben zu Vergeltungsmaßnahmen insbesondere in Mexiko, Kanada, Europa und China geführt. In den genannten Ländern wurden US- amerikanische Milchprodukte ebenfalls mit Zöllen belegt. Am schmerzhaftesten für die Milchbauern in den USA ist ein 25 %iger Strafzoll, den Mexiko für amerikanischen Käse festlegt hat. Mexiko kauft fast ein Viertel aller Milchprodukte, die von der amerikanischen Milchindustrie exportiert werden.

Exporte nach China um 43 % eingebrochen

Politische Beobachter in Washington glauben, dass sich Präsident Donald Trump aufgrund der prekären Situation vieler Milchfarmer bald gezwungen sehen wird, in den Handelskonflikten etwas nachzugeben. Schließlich waren es im Jahr 2016 u.a. Milchbauern, die in den ländlichen Regionen scharenweise für Trump votiert haben. So hat Trump z.B. nur durch ihre Unterstützung in Wisconsin knapp gewonnen. Will er den Bundesstaat im Jahr 2020, bei der nächsten Präsidentschaftswahl nicht verlieren, muss er den Milchfarmern bald etwas bieten. Das sehen jetzt auch einige von Trumps republikanischen Parteifreunden so. Zwar lässt sich der Absturz der Milchpreise um fast 40 % in den letzten fünf Jahren nicht allein auf die von Trump angezettelten Handelskriege schieben, „doch Wisconsin Bauern sind in ein Kreuzfeuer geraten“, kritisiert der Republikaner Mike Gallagher aus Wisconsin. Denn neben den Auswirkungen der Handelskriege erschwere die restriktive Einwanderungspolitik die Suche nach landwirtschaftlichen Arbeitskräften. Er habe deshalb das Weiße Haus aufgefordert, zumindest die Stahl- und Aluminiumzölle, die Trump Kanada und Mexiko auferlegt hatte, zurückzunehmen, erklärte Gallagher.

Milchindustrie sieht sich als Opfer

Auch Brody Stapel, Präsident der Edge Dairy Farmer Cooperative und Milchviehhalter aus Wisconsin, fordert von Donald Trump ein Ende der Handelskriege. „Die Tatsache, dass steigende Produktionskosten bei gleichzeitig niedrigen Milchpreisen unseren Milchbauern weiterhin ernsthafte Schmerzen bereiten, lässt sich nicht beschönigen.“ Auch wenn man die neue finanzielle Unterstützung (siehe weiter unten) zu schätzen wisse, sei allen Milchfarmern klar, dass die Beihilfe ihnen nur teilweise und kurzfristig Erleichterungen bringen werde. Viele Milchfarmer würden mit Verlust arbeiten, „sie benötigen Planungssicherheit. Diese ist aber nur möglich, wenn wir für unsere Milchprodukte Zugang zu ausländischen Märkten erhalten. Deshalb ziehen wir den Handel den finanziellen Hilfen vor.“

Ein Ende der „Handelsstörungen“ fordert auch Michael Dykes, Präsident und CEO der International Dairy Foods Association (IDFA). Er sieht darin der Beendigung die Lösung für die finanzielle Misere der US-Milchbranche. Zwar würden die jetzt beschlossenen Hilfspakte Direktzahlungen etwas zur Beruhigung der Märkte beitragen, für die langfristige Gesundung der US-Milchindustrie sei jedoch ein vorhersehbares, transparentes und regelbasiertes internationalen Handels-System notwendig. Nur ein solches würde der Agrarwirtschaft Sicherheit und einen klaren Wachstumspfad bieten“, so Dykes. „Vor allem müssen wir Marktanteile von unseren Wettbewerbern zurückgewinnen, die von diesen Handelsstreitigkeiten profitiert haben. „In den nächsten zehn Jahren stellt China für die US-amerikanische Molkerei eine Marktchance von 23 Milliarden US-Dollar dar. Für die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir das Beste daraus machen. “

Immer mehr Kritik an Trumps Handelskriegen

Im Weißen Haus in Washington scheint man den Ernst der Lage in der Milchbranche so langsam aber sicher zu erkennen. So hat gerade der US-Präsident gerade angekündigt die Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte ihrer nordamerikanischen Nachbarn auszusetzen. „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir gerade eine Vereinbarung mit Kanada und Mexiko getroffen haben und unsere Produkte in diese Länder verkaufen werden, ohne dass Zölle oder größere Zölle erhoben werden", erklärte Trump unlängst. Die US-Regierung erwartet jetzt, dass Mexiko im Gegenzug seine Vergeltungszölle für US-Molkereiprodukte senken wird.

Zudem hat die Trump-Administration ein 16-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramm für die Landwirtschaft aufgelegt. Darin enthalten sind Direktzahlungen an die Erzeuger in Höhe von 14,5 Milliarden Dollar. Milcherzeuger sollen in Abhängigkeit ihrer Produktionshistorie Hilfszahlungen erhalten. Die genauen Details sind aber noch nicht bekannt. Ein ähnliches Programm hat die US-Regierung bereits in 2018 ausgerollt. Im vergangenen Jahr beliefen sich die im Rahmen des Margin Protection Program for Dairy (MPP-Dairy) gewährten Direktzahlungen für Milchviehhalter auf 12 Cent pro 45 kg jährliche Milchproduktion in den Jahren 2011 bis 2013. Umgerechnet also rund 0,23 Euro-Cent pro kg Milch. Bei einer Milchablieferung von 1. Mio kg jährlich (2011 bis 2013 !) würden sich die Zahlungen auf rund 2.300 Euro summieren.

Hilfspaket nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Als Tropfen auf den heißen Stein und Almosen kritisieren viele Milchfarmer die insgesamt in 2018 an die US-Milchbauern ausgeschütteten 255 Millionen US-Dollar, denn die tatsächlichen monetären Verluste seien um ein Vielfaches höher. So schätzt der Verband der Milcharmer (NMPF), dass die Milchbranche bis März mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar an Einnahmen verloren haben.Einige Marktexperten warnen auch vor den langfristigen Folgen der Handelskriege. Die Entwicklung sei nicht mehr so einfach umzukehren. So befürchtet Shelly Mayer, Geschäftsführerin der Professional Dairy Producers of Wisconsin, dass die Handelsstreitigkeiten mit Ländern wie China den Europäer und anderen Konkurrenten am Milchmarkt die Türen öffnet.

In der Trump Administration in Washington sieht man die Entwicklung naturgemäß weniger kritisch. Hier ist zu vernehmen, dass die USA sind in andere Märkte vorgedrungen seien, u.a. auch in Märkte, die zuvor australische Hochburgen waren. So wurden im März Rekordmengen an Käse an einen wachsenden Kundenstamm in Südkorea, Japan, Südostasien, der Region Mittlerer Osten / Nordafrika (MENA) und Mittelamerika exportiert.

Schnelle, umfangreiche Hilfe erforderlich

Der US-Milchindustrie bleibt also zunächst nur zu hoffen, dass das jüngst verabschiedete USMCA-Abkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada sich kurzfristig positiv auf die Milchbranche auswirkt, denn die Effekte der staatlichen Hilfszahlungen können die Verluste nicht kompensieren. "Sie waren in 2018 schon nicht großartig“, weiß Beth Ford, Chief Executive Officer beim Molkereikonzern Land O'Lakes. Wenn nicht bald die Milchpreise anstiegen oder aber die Milchfarmer nennenswerte finanzielle Unterstützung erhalten, wird der ohnehin schon enormen Druck in der Branche Druck zunehmen. Die Zahl an Insolvenzen unter den Milchfarmern, die in einigen Teilen des Landes zu beobachten ist, hat schon eine noch nie dagewesene Höhe erreicht.