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Irland

Kühe voll auf Gras getrimmt Digital Plus

In Irland versuchen die Milchfarmer ihre Milch so günstig wie möglich zu produzieren. Einige nordwestdeutsche Milcherzeuger haben sich auf der „grünen Insel“ über das Vollweide und mehr informiert. Elite hat sie dabei begleitet.

Die irischen Milcherzeuger haben ihre Produktionsweise optimal den natürlichen Gegebenheiten angepasst. Sie haben ihre Kühe vollkommen auf Gras getrimmt. Der Laktationszyklus ist dem Vegetationsverlauf angepasst. So wird ein Großteil der Milch von Mai bis August produziert, also genau dann, wenn das Graswachstum am größten ist. Dazu setzen die meisten Milcherzeuger auf Blockabkalbung im Frühjahr. Der Abkalbezeitraum beginnt dabei Ende Januar und endet Ende April / Anfang April. Über den Jahreswechsel stehen denn auch viele Kuhherden komplett trocken, das melken entfällt für etwa zwei bis drei Wochen. Anfang Februar schon auf die Weide Die Weidesaison startet bereits Anfang Februar. Die Farmer lassen ihre Kühe zunächst großflächig auf allen Weiden grasen. Da der Aufwuchs sehr gering ist und somit die Futteraufnahme auf der Weide noch unter 10 kg Trockenmasse (TM) liegt, werden die Tiere im Stall zugefüttert (die Frischlaktierenden erhalten das Kraftfutter fast ausschließlich im Melkstand).n Mit zunehmendem Grasaufwuchs wird die Zufütterung der Silagen. Ab April fressen die Kühe 16 bis 17 kg TM auf der Weide. Kraftfutter wird zunächst noch bei sehr hohen Leistungen zugefüttert. Um während der gesamten W

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Die irischen Milcherzeuger haben ihre Produktionsweise optimal den natürlichen Gegebenheiten angepasst. Sie haben ihre Kühe vollkommen auf Gras getrimmt. Der Laktationszyklus ist dem Vegetationsverlauf angepasst. So wird ein Großteil der Milch von Mai bis August produziert, also genau dann, wenn das Graswachstum am größten ist. Dazu setzen die meisten Milcherzeuger auf Blockabkalbung im Frühjahr. Der Abkalbezeitraum beginnt dabei Ende Januar und endet Ende April / Anfang April. Über den Jahreswechsel stehen denn auch viele Kuhherden komplett trocken, das melken entfällt für etwa zwei bis drei Wochen. Anfang Februar schon auf die Weide Die Weidesaison startet bereits Anfang Februar. Die Farmer lassen ihre Kühe zunächst großflächig auf allen Weiden grasen. Da der Aufwuchs sehr gering ist und somit die Futteraufnahme auf der Weide noch unter 10 kg Trockenmasse (TM) liegt, werden die Tiere im Stall zugefüttert (die Frischlaktierenden erhalten das Kraftfutter fast ausschließlich im Melkstand).n Mit zunehmendem Grasaufwuchs wird die Zufütterung der Silagen. Ab April fressen die Kühe 16 bis 17 kg TM auf der Weide. Kraftfutter wird zunächst noch bei sehr hohen Leistungen zugefüttert. Um während der gesamten Weideperiode eine maximale Futteraufnahme sicherzustellen, ist ein optimales Weidemanagement erforderlich. Dazu wird auf der „grünen Insel“ das Rotationssystem genutzt. Die Weidefläche wird in kleine Teilstücke (Paddocks) untergliedert. Diese werden nach und nach beweidet. Wie lange die Kühe auf einer Fläche bleiben, hängt vom Aufwuchsmenge ab. Als Faustregel gilt, dass mit der Beweidung begonnen wird, sobals 1.200 kg TM/ha Gras stehen. Nach spätestens drei Tagen wird die Fläche gewechselt. Im Frühjahr, wenn das Graswachstum am stärksten ist und mehr als 1.200 kg TM/ha schnell überschritten sind, wird ein Teil der Flächen aus dem Weide-Rotationszyklus genommen, geschnitten und zur Winterfütterung siliert. Hohe Düngeintensität Damit der Rotationszyklus nicht ins Stocken gerät, müssen nach etwa drei Wochen wieder die erforderlichen 1.200 kg TM nachgewachsen sein. Das gelingt oft nur mit einer hohen N-Düngeintensität, von über 300 kg/ha. Die Weidesaison endet meist erst Ende November. Die Weideperiode dauert somit oft 270 300 Tage. Das intensive Weide-Management ist das Ergebnis aus zwei Jahrzehnten intensiver Forschungsarbeit des Forschungszentrums Teagasc. Vollkosten unter 30 Cent Insbesondere durch die niedrigen Stallkosten und den hohen Weideanteil erreichen die irischen Milchbauern relativ niedrige Produktionskosten. So liegen 2008 die Vollkosten für den Betriebszweig gut gemanagten Milchfarmen zumeist unter 30 Cent/kg! Einiges ist nach Deutschland übertragbar! Auch wenn sich das irische Produktionssystem – aufgrund von Unterschieden bei Klima und (Stall-) Kosten – nicht komplett nach Deutschland übertragen lässt, so lässt sich zumindest das ausgeklügelte Weidemanagement weitgehend kopieren. Karsten Padeken, Vorsitzender des Grünlandzentrums sowie des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch: "Irische Landwirte wissen sehr genau, welche Menge Gras auf ihren Weiden steht. Deshalb bekommen Sie es hin, den Kühen immer dieselbe Grasqualität anzubieten. Es kommt also zu keinen Futterumstellungen. Davon können wir noch lernen." Harm von Hollen, Biobauer aus der Gemeinde Sandstedt in der Osterstader Marsch (Landkreis Cuxhaven): "Der Schlüssel für ein gutes Weidemanagement ist die richtige Menge an frischem, schmackhaftem Gras." Von Hollen will alsbald seine 25 ha große Weidefläche für 160 Kühe nach irischem Vorbild neu gestalten. So sollen die bisher 1,1 bis 4,0 ha großen Paddocks mit Elektrozäumen demnächst in etwa 1,5 ha gleich große Parzellen aufgeteilt und neue Treibewege anlegt werden, so dass die Kühe jeden Tag auf eine neue Weidefläche getrieben werden können. 40 Weideinteressierte aus dem Nordwesten Deutschlands besuchten Ende September mehrere irische Milchfarmen sowie die Forschungsanstalt Teagasc. Organisiert wurde die Studienreise vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V.