Zum Inhalt springen

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Reaktion auf Elite 2/18

Kranke Kühe haben ein Anrecht auf Behandlung!

In der aktuellen Elite stellen wir einen Betrieb vor, der auf Antibiotika bei laktierenden Kühen verzichtet. Kjelt Krämer, Tierarzt, sagt: Das ist nicht im Sinne des Tierschutzes!

In der Ausgabe 2/18 von Elite haben wir einen Betrieb vorgestellt, der auf Antibiotika bei laktierenden Kühen verzichtet, indem Mastitis-Kühe gedrencht werden und Elektrolyte erhalten. 25% der Kühe, die an Mastitis erkranken, müssen den Betrieb verlassen. Was kritisieren Sie daran?

Mich stört, dass kranken Kühen hier eine wissenschaftlich anerkannte und auch finanziell erschwingliche Therapie in Form einer Antibiose verweigert wird, weil der Betrieb sich „antibiotikafreie Milchproduktion“ auf die Fahnen geschrieben hat. Zudem erhalten gesunde Kühe Monensin in der Ration. Der Betrieb füttert dem gesamten Bestand in gesundem Zustand ein Antibiotikum (Anmerkung der Redaktion: in der EU verboten), verweigert erkrankten Tieren dann aber eine gerechtfertigte Gabe. Das hat für mich nichts mit Tierschutz zu tun.

Dennoch fordert die Gesellschaft, den Einsatz von Antibiotika in der Milchkuhhaltung zu reduzieren.

Ich unterstütze diese Diskussion, sie ist bis zu einem gewissen Grad gerechtfertigt. Aber eine Null beim Medikamenteneinsatz wird es nicht geben -  muss es auch nicht! Verzichten wir vollständig auf Medikamente, geht das irgendwann zu Lasten der Tiere. Jede vierte Kuh mit Euterentzündung muss den Betrieb verlassen, sollte das unser Ziel sein? Natürlich sollten wir vorbeugend so viel wie möglich versuchen, um die Tiere gesund zu erhalten. Der Medikamenteneinsatz sollte dank durchdachten Managements so gering wie möglich sein. Kein Betrieb möchte viele Arzneimittel einsetzen! Aber lebende Organismen werden nun mal von Zeit zu Zeit krank und dann darf eine Behandlung nicht verwehrt werden.

Welche Schlussfolgerung ziehen Sie daraus?

Es ist möglich, auf Antibiotika bei Kühen zu verzichten. Aber bis zu welchem Grad wollen wir das? Sind wir bereit, wie in diesem Beispielbetrieb, ein Viertel der Kühe zu merzen, obwohl es eventuell vermeidbar wäre? Hier fehlt eine gesellschaftliche Debatte, zu welchen Kosten die Landwirtschaft das, was möglich ist, umsetzen soll oder wo die Grenze liegt!

Den ganzen Bericht über Rosylane Holsteins LLC finden Sie hier in der aktuellen Ausgabe von Elite (2/18; hier).

Bearbeitet: Stöcker