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Kostenführer brauchen nur 66 Kühe

...um einen Betriebsgewinn von 80.000 Euro zu erzielen. Aber um überhaupt Kostenführer zu werden, muss man im Schnitt 150 Kühe melken! Wie das zusammenpasst, erklärt Josef Assheuer von der Landwirtschaftskammer NRW.

Seit den 1980ern steigen die Lebenshaltungskosten um etwa 2,4% im Jahr. Eine Betriebsleiterfamilie sollte daher heute rund 80.000 Euro (60.000 Euro für Steuern, Lebenshaltung und Versicherungen; 20.000 Euro Eigenkapitalbildung) Gewinn jährlich aus ihrem Betrieb erwirtschaften können, um zu leben und betriebliches Wachstum zu finanzieren. Die Strategie, nach der ein Unternehmer seinen Betrieb ausrichtet, hängt von dessen persönlicher Einstellung ab. Die Strategien sind unterschiedlich erfolgreich: Der Kostenführer braucht etwa 66 Kühe, um einen Gewinn von 80.000 Euro zu realisieren. Der Allrounder benötigt dafür 77, der Hochpreis-Verkäufer 84 und der Milchleistungssteigerer 91 Kühe. Am meisten Kühe braucht derjenige, der auf (teures) Wachstum setzt, nämlich 137 Stück. Das einzige Problem ist, dass man nur über Wachstum die Effizenz so sehr steigern kann, dass man zum Kostenführer wird! Allein die Größenordnung hat die Betriebe zu Kostenführern gemacht. Das belegen die Kuhzahlen, die man tatsächlich auf den Betrieben findet.

76% der Direktkosten sind Futterkosten

"Der Kostenführer": Im Schnitt melkt er 131 Kühe, hat eine Milchleistung von 9.282 kg ECM/Kuh und ermelkt eine Grundfutterleistung von 4.661 kg ECM zu Futterkosten von insgesamt 18,56 Cent je kg ECM. Seine Arbeitserledigungskosten betragen 8,73 Cent/kg ECM, er schafft 258 kg Milch pro Arbeitskraft und deckt seine Faktorkosten um 157%. Die Betriebszweigergebnisse aus dem Wirtschaftsjahr 2011/12 für Nordrhein-Westfalen zeigen, dass mehr als 65% der Kosten (etwa 28,87 Cent) aus Direktkosten bestehen. Und allein 21,86 Cent davon sind Futterkosten!

Darum macht gerade eine effiziente Futterproduktion auf vielen Betrieben den wirtschaftlichen Erfolg aus. Dabei sind 80% der Futterkosten Festkosten! Josef Assheuer (LWK NRW) hat herausgefunden, was Betriebe mit den niedrigsten Produktionskosten im Futterbau (< 20 Cent je MJ NEL) ausmacht. Sie

  • bewirtschaften den vierfachen Flächenumfang, sind also eher größer.
  • sparen fast 80% Mineraldüngerkosten ein, weil ein hoher Viehbesatz für viel Gülle sorgt.
  • haben nur die halben Arbeitserledigungskosten.
  • bezahlen nur halb so hohe Flächenpachten, weil sie häufig von alten Pachtverträgen profitieren bzw. die Größe haben, zu übermäßigen Pachtpreiserhöhungen auch einmal nein zu sagen!
  • haben über 1.000 Euro / ha geringere Produktionskosten.
  • realisieren bei Maissilage ebenfalls Kostenvorteile von fast 50%. 
Dabei macht die Region (Niederungs- vs. Mittelgebirgsregion) noch einen Unterschied von rund 2 Cent je kg Milch aus. Dieser Unterschied nimmt im langjährigen Vergleich aber immer weiter ab!

Mittelgebirgsregion

Niederungsregion

Anzahl Betriebe

300

419

Grünlandanteil, %

85

33

Milchleistung, kg ECM/Kuh

8.449

9.129

Kraftfutter, g/kg ECM

264

252

Grobfutterleistung

2.695

3.751

Flächenpotential ohne KF, kg ECM/ha

4.554

12.003

Futterkosten, Cent/kg ECM

23,1

21,3

WJ 11/12, LWK NRW

Hinzu kommt, dass größere Betriebe meist in effizientere Fütterungssysteme (KF-Stationen, TMR anstelle von Siloblockfütterung/Kraftfutter von Hand) investieren können, was Arbeitszeit einspart.

Fazit

Um die Kosten im Griff zu haben, ist größtmögliche Effizienz vonnöten: 

  • 10.000 kg Milch je Kuh
  • 20.000 kg Milch je Hektar
  • 600.000 kg Milch je Arbeitskraft

Also: Futter- und Festkosten auf möglichst viele Einheiten verteilen und kleinstmögliche Kompromisse bei Gebäude/Melktechnik, Tierkomfort, Arbeitswirtschaft und den Mitarbeitern eingehen.