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BZA Rinderspezialberatung Schleswig-Holstein

Klasse statt Masse

In den meisten Milchkuhbetrieben lassen sich Produktionsabläufe noch nachhaltig verbessern. Das zeigen die neusten Ergebnisse der Betriebszweigauswertung der Rinderspezialberatung Schleswig-Holstein für das Wirtschaftsjahr 2014/15.

Für die Betriebszweiauswertung (BZA) wurden insgesamt 1.037 Betriebe ausgewertet (26% der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein). Im Mittel wurden 129 Kühe pro Betrieb gemolken und damit „nur“ 2,6 Tieren mehr als im Vorjahr. Diese Betriebe erreichten eine Steigerung der Milchleistung im Durchschnittsbetrieb um 102 kg Milch. Die mittlere Herdenleistung inkl. Färsen mit 8.465 kg ECM zeigt jedoch, dass hier noch deutlich Luft nach oben vorhanden ist.

Die durchschnittliche Milchproduktion pro Betrieb lag im Wirtschaftsjahr 2014/15 bei 1.087.000 kg Milch und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 27.000 kg gestiegen. Dieses Ergebnis ist unter anderem ein Produkt der intensiven Selektion innerhalb der Herden, was letztlich die Reproduktionsrate auf 35,3% angehoben hat.

Die Produktions- und Faktoransätze blieben im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Durch die gute Grundfutterqualität konnte mehr Milch je Hektar Hauptfutterfläche (ha HF) gemolken werden und liegt somit aktuell bei durchschnittlich 12.538 kg/ha HF. Hier liegt jedoch noch großes Entwicklungspotenzial! Bei den optimierten Milchviehbetrieben (+ 25%) wurden 14.161 kg/h HF erreicht, bei den weniger optimierten Betrieben (- 25%) jedoch nur 10.694 kg.

Berater Johannes Thomsen machte deutlich, dass insbesondere in den Grundfutterkosten ein hohes Verbesserungspotenzial liegt. Zwischen den optimierten und nicht optimierten Betrieben besteht bereits eine Kostendifferent von über 4 Cent! Dies übertrage sich auf die gesamten Produktionskosten.

Produktionskosten-Vergleich zwischen optimierten und nicht optimierten Betrieben Quelle: LWK Schleswig-Holstein

Bei der Vollkostenauswertung zeigte sich erneut ein massiver Unterschied zwischen den optimierten und nicht optimierten Betrieben. Obwohl sich der Erlös aus dem Milchverkauf nur um 1,33 Cent unterschied, lag der Gewinn bei den optimierten Betrieben (+25%) fast 5 Cent höher als bei den nicht optimierten Betrieben (-25%; 5,46 vs. 0,77 Cent). Aufgrund der massiven Unterschiede auf der Kostenseite ergaben sich kalkulatorische Betriebszweigergebnisse von -0,13 und -12,92 Cent/kg ECM).

Vergleich der Vollkostenauswertung bei optimierten und nicht optimierten Betrieben Quelle: LWK Schleswig-Holstein

Das durchschnittliche kalkulatorische BZE lag gleichzeitig bei -6,13 Cent und damit unter den Werten der Vorjahre (2011/12: +0,41 Cent; 2012/13: -3,84 Cent; 2013/14: +1,79 Cent). Die Produktionskosten lagen mit 44,79 Cent/kg ECM zwischen den Werten der letzten zwei Wirtschaftsjahre.

Vollkostenauswertung im Vergleich zu den vergangenen Wirtschaftsjahren Quelle: LWK Schleswig-Holstein

Sparen, sparen, sparen ...

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung in der LK-Halle in Rendsburg gingen verschiedene Referenten auf die aktuell angespannte Situation in der Milchproduktion ein. Dr. Thomas Bahr und Thore Lohse von der Agrarberatung Mitte zeigten, dass sich in den vergangenen Jahren bei den Milchpreisen eine Regelmäßigkeit beobachten ließ. Demnach traten Krisen in einem 3-Jahres-Rhythmus auf und wechselten sich mit Phasen höherer Milchpreise ab. Auch in Zukunft sei deshalb mit Krisen zu rechnen – wie lang und wie stark diese ausfallen, könne jedoch niemand abschätzen.

Aktuell sollte jeder Landwirt drei Punkte in den Blick fassen:

  1. Überblick gewinnen und behalten: Liquiditätsplan erstellen und regelmäßig überprüfen! Dieser kann auch in zukünftigen Krisen von großem Nutzen sein.
  2. Finanzierung planen: Einnahmen aus anderen (auch außerlandwirtschaftlichen) Betriebszweigen verwenden? Beratung bei der Bank suchen!
  3. Kurzfristige Maßnahmen planen: zum Beispiel
  • Kraftfuttereffizienz überprüfen (mehr Kraftfutter bringt nicht automatisch mehr Milchleistung!
  • Sonderfuttermittel hinterfragen (Ergänzung über gesamte Laktation sinnvoll?)
  • Grundfutter kalkulieren (kann überschüssiges Futter verkauft werden? Gülleausbringung mit eigener abgeschriebener Technik möglich?)
  • Überzählige Tiere verkaufen
  • Geplante Maschineninvestitionen zurückstellen
  • Strohzukauf aufteilen

Probleme nicht aussitzen!

Oke Hansen von der VR-Bank Flensburg-Schleswig verwies auf die häufig fehlende oder mangelhafte Kommunikation zwischen Landwirten und Banken. Das Verdrängen oder Aussitzen der Krise löse diese nicht! Auch das Ausweichen auf andere Gläubiger wie z.B. den Landhandel wäre zwar auf den ersten Blick mit weniger Aufwand verbunden (es muss kein Liquiditätsplan vorgelegt werden), jedoch sollte man hier das damit verbundene Risiko nicht unterschätzen. Der wichtigste Punkt ist ein detaillierter Überblick über die eigenen Finanzen. Auf dieser Basis kann eine betriebsindividuell optimale Finanzierung geplant werden. Gleichzeitig ermutigte Herr Hansen den Blick nach vorne zu richten. Es seien einzelne Betriebe, die aufgeben müssten, jedoch nicht die breite Masse!

Insgesamt rieten die Referenten dazu, durch kurzfristige Kosten-Nutzen-Analyse die Liquidität so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. Langfristig sollte jedoch die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität im Vordergrund stehen. Denn nur eine ausreichende Rentabilität ist die Grundlage für eine langfristige Liquidität!