Elite Herdenmanager

Kennzahlen zur Eutergesundheit sinnvoll nutzen

Wie kann ich Schwachstellen der Eutergesundheit in meiner Herde finden und beseitigen? Im Modul Eutergesundheit lernten die angehenden Herdenmanager, wie sie Euterentzündungen behandeln und vor allem vorbeugen können.

In der vergangenen Woche fand das zweite Modul Eutergesundheit" des Elite Herdenmanagerkurses im Kreis Wesel statt. In den Workshops ging es vor allem darum, mögliche Schwachstellen der Eutergesundheit ausfindig zu machen und entsprechend zu beseitigen. Hier geben Eutergesundheitskennzahlen, Melkroutine, Melktechnik und Hygiene im Stall Auskunft. Daneben stand auch eine sinnvolle Mastitisbehandlung und ein (selektives) Trockenstellen im Hinblick auf die Reduzierung von Antibiotika im Fokus. Zudem konnten alle Teilnehmer testen, inwieweit ein Mastitis-Schnelltest hilft, Antibiotika einzusparen.

Schwachstellen finden, Infektionen vorbeugen

Eutergesundheitsbericht kontrollieren:
Eine zufriedenstellende Eutergesundheit der Herde erreicht man vor allem durch die Senkung der Neuinfektionsrate, einer verkürzten Dauer von Infektionen sowie einer Minimierung des Übergangs von subklinischen zu klinischen Erkrankungen. Schlüsselfaktoren sind hier vor allem die Erkennung und Minderung von Risikofaktoren im Betrieb, eine erregerspezifische Behandlungsstrategie, die Merzung unheilbar kranker Kühe oder die Senkung immunschwächender Einflüsse. Um Schwachstellen im eigenen Betrieb ausfindig zu machen, ist im ersten Schritt eine Bestandsanalyse anhand der Daten aus der Milchleistungsprüfung (MLP) sinnvoll. Besonders die Eutergesundheitskennzahlen (Eutergesundheitsbericht) helfen dabei, Problembereiche in der Eutergesundheit ausfindig zu machen und Rückschlüsse auf das Management zu ziehen. Die Kennzahlen sind in der MLP integriert und monatlich abrufbar.

Der Eutergesundheitsbericht ist monatlich zusammen mit der MLP abrufbar. (Bildquelle: Weerda)

Eine systematische Bestandsanalyse anhand der Eutergesundheitskennzahlen ist der erste Schritt in der Mastitisbekämpfung, schafft Klarheit über Aufgaben und Möglichkeiten, erlaubt die Formulierung von Zielen und die Bewertung von Maßnahmen und sorgt für die richtigen Fragen. Prof. Volker Krömker stellte den Teilnehmern die Kennzahlen mit entsprechenden Zielwerten und tatsächlichen Durchschnittswerten in Deutschland und nannte zahlreiche Tipps und Maßnahmen, um die Eutergesundheit in den jeweiligen Bereichen zu verbessern.
  1. Gesunde Kühe in der Herde ( 100.000 Zellen/ml)
  2. Unheilbare Kühe in der Herde (3x 700.000 Zellen/ml)
  3. Chronisch euterkranke Kühe (2x 200.000 Zellen/ml)
  4. Neuinfektionsrate in der Laktation (von 100.000 auf 100.000 Zellen/ml, monatlich)
  5. Färsenmastitisrate ( 100.000 Zellen/ml in der ersten MLP)
  6. Neuinfektionsrate in der Trockenperiode (von 100.000 vor TS auf 100.000 Zellen/ml nach TS)
  7. Heilungsrate in der Trockenperiode
  8. Klinische Fälle im Monat

In den verlinkten Artikeln finden Sie Erläuterungen der Kennzahlen mit Checklisten der möglichen Einflussfaktoren.
Melkroutine, Melktechnik und Stallhygiene:
Neben den Daten aus der MLP und dem Eutergesundheitsbericht haben die Teilnehmer den Betrieb auch praktisch auf Schwachstellen untersucht. Dazu gehörte unter anderem die Kontrolle der Melkroutine und der Melktechnik, da beide Faktoren einen entscheidenden Einfluss auf die Zitzenkondition, das Melkverhalten der Kühe und damit auf die Eutergesundheit haben. Prof. Volker Krömker hat während des Melkens gezeigt, wie die Melkroutine vor allem auch im eigenen Betrieb kritisch kontrolliert und beurteilt werden kann. Zudem hat Tierärztin Dr. Friederike Reinecke den Teilnehmern die Zusammenhänge in der Melktechnik erklärt und auf Auswahlkriterien von Zitzengummis und Dippmitteln hingewiesen. Gemeinsam mit Berater Clemens Mauch haben die Teilnehmer anschließend den Laufstall unter die Lupe genommen. Dabei war der Blick vor allem auf Kuhkomfort und Hygiene ausgerichtet. Dass sich die intensive Pflege der Tiefboxen und die entsprechend gute Sauberkeit der Kühe im besuchten Betrieb auch in der Eutergesundheit wiederspiegelt, zeigt die zufriedenstellende Neuinfektionsrate in der Laktation. Denn diese liegt deutlich unter 20%, dem Durchschnitt in deutschen Milchkuhbetrieben.

Neben der Melkroutine spielt auch die Melktechnik wie z.B. die Auswahl der Zitzengummis eine wichtige Rolle. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Individuelle Behandlungsstrategien bei Mastitiden!

Antibiotikareduktion ist nach wie vor weltweit ein wichtiges Thema, dem sich auch die Nutztierhaltung stellen muss. Besonders Reserveantibiotika sind nur zusammen mit einem Erregernachweis und Antibiogramm einzusetzen. Laut QS entfallen zwei Drittel der eingesetzten Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung auf den Bereich Rind. Tierarzt Dr. Frajo Siepelmeyer hat aktuelle Zahlen zum Verbrauch sowie die neuen Regelungen zur Antibiogrammpflicht und möglichen Abgabeverfahren gemäß der TÄHAV dargestellt. Als Konsequenz für Milchkuhhalter verwies er vor allem auf ein vorbeugendes Gesundheitsmanagement. Antibiotikareduktion durch veränderte Behandlungsstrategien sowie die Vermeidung von Reserveantibiotika durch angepasste Behandlungsprotokolle.
Passend dazu erläuterten Dr. Frajo Siepelmeyer und Dr. Marion Weerda die verschiedenen Mastitis-Grade und entsprechende Behandlungsstrategien. Dabei lag der Fokus besonders darauf, jede Euterentzündung individuell zu behandeln. Denn: Neben dem Erreger ist auch die Geschichte der Kuh" ausschlaggebend. Wie gesund war die Kuh im Vormonat? Wie hoch sind die Heilungschancen? Wie ist die letzte Behandlung angeschlagen? Beispielsweise sollte eine unheilbar euterkranke Kuh, die in absehbarer Zeit abgehen wird, nicht antibiotisch, sondern lediglich schmerzlindernd bzw. entzündungshemmend behandelt werden. Gemeinsam mit Tierärztin Dr. Marion Weerda konnte jeder Teilnehmer den Mastitis-Schnelltest MastDecide testen. Mit diesem Test kann eine Milchprobe innerhalb von zwölf Stunden auf mögliche Erreger untersucht werden. Anschließend kann die Kuh dem Ergebnis entsprechend exakt behandelt werden. Ziel des Schnelltestes ist es, Antibiotika einzusparen. Auf eine Leitkeimbestimmung der Herde aus dem Labor (mindestens zweimal im Jahr!) kann aber nicht verzichtet werden.

Mit dem Schnelltest MastDecide kann die Milch innerhalb von 12 Stunden auf mögliche Erreger untersucht werden. (Bildquelle: Hilbk-Kortenbruck)

Der nächste Elite Herdenmanagerkurs startet im Dezember 2020. Um weitere Informationen zu erhalten oder sich vormerken zu lassen, schreiben Sie gerne eine Mail an karina.bocke@elite-magazin.de!


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