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European Calf Conference

Sauberkeit ist der Schlüssel für geringe Kälberverluste Digital Plus

Gesunde, gut entwickelte Kälber sind der Erfolgsgarant für eine profitable Milchkuhhaltung. Auf der zweiten europäischen Kälberkonferenz gaben Experten Tipps, wie sich Aufzuchtverluste verhindern lassen.

Kälberverluste deutlich unter 5% sind kein Hexenwerk. Doch wie schafft man es, Kälber gesund durch die ersten Lebenswochen zu führen? Einige nationale und internationale Experten aus Forschung und Praxis gaben hierzu Tipps!

Die Kolostrumqualität ist entscheidend für die Überlebensrate

Martin Moos, Herdenmanager auf Gut Hohen Luckow in Mecklenburg-Vorpommern, erklärte, wie er eine gute Biestmilchqualität für die neugeborenen Kälber sicherstellt. Auf Gut Hohen Luckow ist er für 2.600 Kühe plus Nachzucht zuständig. In einem Dreischicht-System ist dort jeweils eine Person für die Abkalbungen und die Versorgung der neugeborenen Kälber zuständig. Seine Erfahrung: Wenn das Kolostrum schlecht ist, sinkt auch die Überlebensrate der Kälber. Die Mitarbeiter tränken deswegen konsequent nur gutes Kolostrum (> 50 IgG/L Kolostrum) an die neugeborenen Kälber. Daneben sind nach Meinung des Herdenmanagers sowohl die Genetik beider Elternteile sowie die Länge der Trockenstehzeit für die Qualität des Kolostrums entscheidend. Die Kolostrumversorgung der neugeborenen Kälber erfolgt auf Gut Hohen Luckow im Schnitt in den ersten 29 Lebensminuten. „Zeit ist entscheidend“, erklärte Herdenmanager Moos. Je schneller das Kolostrum in das Kalb kommt, umso besser. Denn nach sechs bis zwölf Stunden schließt sich die Passage für die entscheidenden Immunglobuline wieder.

Seit vier Jahren kein Kalb mehr verloren

Tierärztin und Milchfarmerin Jodi Wallace aus Quebec in Kanada erzählte, wie sie es seit vier Jahren schaffen, keine kranken Kälber mehr zu behandeln und keine Kälber zu verlieren. Zusammen mit ihrem Mann und Schwager bewirtschaftet sie einen Milchkuhbetrieb mit 100 Kühen. 2014 haben sie...

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Kälberverluste deutlich unter 5% sind kein Hexenwerk. Doch wie schafft man es, Kälber gesund durch die ersten Lebenswochen zu führen? Einige nationale und internationale Experten aus Forschung und Praxis gaben hierzu Tipps! Die Kolostrumqualität ist entscheidend für die Überlebensrate Martin Moos, Herdenmanager auf Gut Hohen Luckow in Mecklenburg-Vorpommern, erklärte, wie er eine gute Biestmilchqualität für die neugeborenen Kälber sicherstellt. Auf Gut Hohen Luckow ist er für 2.600 Kühe plus Nachzucht zuständig. In einem Dreischicht-System ist dort jeweils eine Person für die Abkalbungen und die Versorgung der neugeborenen Kälber zuständig. Seine Erfahrung: Wenn das Kolostrum schlecht ist, sinkt auch die Überlebensrate der Kälber. Die Mitarbeiter tränken deswegen konsequent nur gutes Kolostrum (> 50 IgG/L Kolostrum) an die neugeborenen Kälber. Daneben sind nach Meinung des Herdenmanagers sowohl die Genetik beider Elternteile sowie die Länge der Trockenstehzeit für die Qualität des Kolostrums entscheidend. Die Kolostrumversorgung der neugeborenen Kälber erfolgt auf Gut Hohen Luckow im Schnitt in den ersten 29 Lebensminuten. „Zeit ist entscheidend“, erklärte Herdenmanager Moos. Je schneller das Kolostrum in das Kalb kommt, umso besser. Denn nach sechs bis zwölf Stunden schließt sich die Passage für die entscheidenden Immunglobuline wieder. Seit vier Jahren kein Kalb mehr verloren Tierärztin und Milchfarmerin Jodi Wallace aus Quebec in Kanada erzählte, wie sie es seit vier Jahren schaffen, keine kranken Kälber mehr zu behandeln und keine Kälber zu verlieren. Zusammen mit ihrem Mann und Schwager bewirtschaftet sie einen Milchkuhbetrieb mit 100 Kühen. 2014 haben sie dort einen neuen Kälberstall gebaut und dabei ihre Einstellung zur Kälberaufzucht verändert. Die häufigsten Erkrankungen bei Kälbern sind Durchfall und Lungenentzündungen, so die Tierärztin. Diese sind meist bedingt vom Management und daher gut zu verbessern. Das wichtigste sei, dass alle Mitarbeiter konsequent die grundlegenden Dinge richtig machen, erklärte die kanadische Farmerin. Dazu gehört, neugeborene Kälber so schnell wie möglich zu versorgen, ausreichende Mengen zu tränken und Milcheimer nicht nur mit kaltem Wasser, sondern am besten in einem Geschirrspüler zu spülen. Nicht zu früh abtränken Indikatoren für das Wohlbefinden von Kälbern sind ein starkes Spiel- und Sozialverhalten sowie das Fehlen gegenseitigen Besaugens und eine geringe Anzahl an Tränkebesuchen ohne Anrecht. Doch wie lassen sich diese Ziele erreichen? Prof. Anke Schuldt und Dr. Regina Dinse (Fachhochschule Neubrandenburg) gaben, basierend auf umfangreichen Untersuchungen, Tipps für die optimale Aufzucht von (Holstein-) Kälbern. So sollten Kälber in den ersten 49 Lebenstagen bis zu 14 Liter Tränkemilch bekommen. Beim anschließenden Abtränken sollte die Menge täglich um 0,4 bis 0,45l gesenkt werden, so dass die Tränkeperiode nach 11 bis 12 Lebenswochen abgeschlossen ist. Einer deutlich kürzeren Tränkedauer gaben die beiden Wissenschaftlerinnen eine Absage. Denn die jungen Tiere könnten bei einer kurzen Tränkephase nicht ausreichend versorgt werden. Kälberdurchfall: Haben wir das richtige Werkzeug? In den ersten Lebenstagen sind Durchfälle das größte Problem in der Kälberaufzucht. Neben einem direkten ökonomischen Schaden wachsen die Kälber schlechter, weisen eine geringere Vitalität auf und haben ein höheres Abgangsrisiko. Theoretisch sind die wichtigsten Werkzeuge bekannt, um Durchfälle zu verhindern bzw. abzumildern. Dennoch schwanken die Abgangsraten unter den Betrieben sehr stark. Deshalb wurde, so Dr. Peter Sanftleben (LFA Mecklenburg-Vorpommern), ein Monitoring-Programm durchgeführt, um Haupterreger in den Beständen ausmachen und sich über das gängige Management ein Bild machen zu können. Dabei zeigte sich, dass Clostridien am stärksten vorkommen. Bekannt ist, dass ein qualitativ hochwertiges Kolostrum maßgeblich für die Tiergesundheit ist. Dennoch untersuchen nur 40.3% der Betriebe die Biestmilch. "Es macht Spaß, mit gesunden Tieren zu arbeiten" Neben den Vorträgen wurden auf der zweiten europäischen Kälberkonferenz auch die Gewinner des MSD-Preises für Tiergesundheit vorgestellt. Den ersten Preis erhielten Jan Köhler und seine Mitarbeiter von der Agrargenossenschaft Cunnersdorf. „Kälbergesundheit ist uns wichtig! Es macht nicht nur mehr Spaß, mit gesunden Tieren zu arbeiten, nur aus gesunden Kälbern erwachsen auch gesunde Milchkühe.“ Deshalb hat der Betriebsleiter seine Kolostrumversorgung sehr professionell aufgezogen. Dazu errichtete er u.a. die sogenannte "Kolostbar" (siehe Foto). Hier hat er in einem festen Stallbereich zwei Kälberiglus mit Rotlicht, Kühlschränke mit Kolostrum und alle wichtigen Utensilien für eine schnelle Versorgung der neugeborenen Tiere untergebracht. Der zweite Preis ging an Konstanze Rohwer und ihren Mann Marcus. Sie bieten in ihrem Betrieb ihren Kälbern einen „5-Sterne-Plus-Service“ an. Kälber aus schwierigen Geburtsumständen wachsen z.B. in einer eigenen „Frühchenstation“ auf. Mit dem dritten Platz wurde Christine Löb ausgezeichnet. „Ich will gesunde Tiere haben und nicht die Feuerwehr spielen. Daher ist es wichtig, vorausschauend zu planen.“ Aus diesem Grund hat sie den Trockensteherbereich neu aufgestellt. Denn für sie fängt eine optimale Kälbergesundheit bereits in der Hochträchtigkeit an.